Die zunehmend dezentrale, digitale und vernetzte Energieversorgung verändert auch die Strommesskonzepte und ermöglicht so Haushalten und Immobilienbesitzer:innen spezielle Energietarife. Besonders in Zusammenhang mit lokal erzeugtem Solarstrom und neuen Verbrauchern wie Wärmepumpen und Elektroautos werden Summenzähler- und Kaskaden-Messkonzepte umgesetzt. Dabei steigt die Komplexität in der Messung und in der Energieabrechnung.

Kaskadenschaltung im Einfamilienhaus

Trotz Corona-Pandemie gab es im vergangenen Jahr einen Rekordzubau und eine Verdopplung der Solarnachfrage bei Eigenheimbesitzer:innen. Der Bundesverband Solarwirtschaft führt das neben erheblich gesunkenen Solartechnikpreisen auch auf das Interesse an Elektroautos und hier den Anstieg bei den Neuzulassungen zurück.

Auch Wärmepumpen sind immer häufiger gefragt und mit vor Ort erzeugtem Solarstrom betrieben. Im Vergleich zu 2019 wurden letztes Jahr 40 Prozent mehr Heizungswärmepumpen installiert. Immer mehr von Interesse sind auch die reversiblen Wärmepumpen. Sie übernehmen zusätzlich im Sommer die Kühlung der Räume und steigern so den Eigenverbrauch des Solarstroms und damit die Wirtschaftlichkeit der Anlagentechnik.

Ob Wärmepumpe oder Elektroauto, Solaranlagenbesitzer wollen den erzeugten Strom auch zum Wärmen und zum Laden nutzen und hier von einer günstigeren Energieversorgung profitieren. Mit speziellen Messkonzepten wie der Kaskadenschaltung können sie nicht nur ihren eigenen, günstigen Solarstrom nutzen, sondern zugleich vergünstigte Spezialtarife für das Elektroauto oder die Wärmepumpe erhalten.

Möglich macht das die sogenannte Kaskadenschaltung. Voraussetzung ist ein zusätzlicher unterbrechbarer Stromzähler. Er wird hinter den klassischen Haushaltsstromzähler geschaltet. Diese Konstellation ermöglicht es, die Strombedarfe der verschiedenen Verbrauchsstellen getrennt zu erfassen, mit eigenen Tarifen abzurechnen und zusätzlich beides mit lokal erzeugtem Solarstrom zu versorgen. Das alles passiert ganz automatisch, wenn nicht ausreichend Solarstrom daheim erzeugt wird.

Von den Vorteilen spezieller Messkonzepte profitieren über Mieterstromlösungen auch Haushalte in Mehrfamilienhäusern und Quartieren.

Summenzählerkonzept im Mieterstrom

In der Mieterstromversorgung hat sich das Summenzählerkonzept etabliert. Inzwischen gibt es verschiedene Ausgestaltungen, um weitere Verbrauchsstellen zu integrieren und zu vernetzen. Das Prinzip ist folgendes: Jedem Haushalt ist, wie sonst auch, ein Stromzähler zugeordnet. Außerdem gibt es weitere Stromzähler an jeder Anlage, die Energie erzeugt und an jeder, die Energie benötigt, zum Beispiel Wärmepumpen oder Ladestationen für Elektroautos sowie an Stromspeichern. Schließlich gibt es natürlich noch den zentralen Hausanschlusspunkt mit dem öffentlichen Netz. Alle Energiemengen, die aus dem öffentlichen Netz bezogen werden sowie die gesamte Einspeisung der Erzeugungsanlage in das öffentliche Netz laufen über den hier verbauten Summenzähler (auch „Zwei-Richtungs-Zähler“ genannt). Aus den Differenzen der verschiedenen Zähler kann der jeweils benötigte Strombedarf der Abnahmestellen ermittelt und abgerechnet werden. Haushalte, die sich gegen die Mieterstromversorgung entscheiden werden über einen virtuellen Zählpunkt abgezogen.

Immobilienbesitzer:innen können – wie auch Einfamilienhausbesitzer:innen – durch diese speziellen Messkonzepte vergünstigte Spezialtarife für die Versorgung der Ladestationen oder der Wärmepumpen beziehen. Und die Haushalte in Mehrfamiliengebäuden werden mit Mieterstromtarifen versorgt, die mindestens zehn Prozent unter dem Grundversorgertarif liegen.

Gerade der Betrieb von Wärmepumpen und Ladestationen als sogenannte steuerbare Last ist auch mit Blick auf das öffentliche Stromnetz und den Beitrag zur Netzstabilität eine ideale Kombination.

Komplexe Messkonzepte mit erfahrenen Partnern umsetzen

Das Messen der individuellen Stromverbräuche und ihre effiziente Steuerung werden in diesem Zuge komplexer. Die Integration von Ladestationen im Mieterstrom verdeutlicht dies: Immobilienbesitzer:innen wollen immer häufiger ihre Ladestationen mit Solarstrom versorgen. Weil davon aber nicht jeder Haushalt gleichermaßen profitiert, werden meist zunächst die Wohnungen und Wärmeanlagen mit dem erzeugten Solarstrom versorgt und dann erst die Ladestationen. Diese Abgrenzung bedarf einer vorausschauenden Planung. Dabei ist nur eine Ladestation in das Messkonzept integriert und übernimmt quasi die Masterfunktion, sprich sie steuert die anderen Ladepunkte. An dieser Master-Ladestation wird ein Stromzähler verbaut, um die benötigten Strommengen abzurechnen. Dies ist auch der Grundstein für ein dynamisches Lastmanagement. Das heißt, die verfügbare Ladeleistung wird optimal auf alle ladenden Elektroautos verteilt und gleichzeitig der Stromverbrauch der Haushalte berücksichtigt, ohne den Hausanschluss zu überlasten.

Zur Planung, Umsetzung und Abrechnung solch komplexer Messkonzepte braucht es erfahrene Partner in der Energieversorgung. Schließlich basiert darauf die Abrechnung mit den unterschiedlichen Förderungen und Preisbestandteilen je nach Energiequelle.

Quellen / Weiterlesen

Bildquelle: © Polarstern GmbH

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Manuel Thielmann
Manuel Thielmann arbeitet in der Geschäftsentwicklung von Polarstern. Er ist Ansprechpartner für die konzeptionelle Entwicklung und die praktische Umsetzung von Eigenstrom- und Mieterstromprojekten in ganz Deutschland. Sein Schwerpunkt ist die Integration verschiedener Energie- und Speichertechniken in dezentrale Energiekonzepte. Zuletzt hat er u.a. am Lehrstuhl für Elektrische Energiespeichertechnik der TU München die Integration von Batteriespeichern in Mehrfamilienhäusern erforscht.

5 KOMMENTARE

  1. Und warum kann ausgerechnet so ein Kartell- Monopol Unternehmen wie die Westnetz, keine Kaskadenmessung zulassen ?
    Weil sie anscheinend, nicht mehr als 5 Zähler abrechnen können ?, oder wollen ?
    Warum gibt es dieses aktuelle Netzbetreiber Kartell, immer noch ?

  2. Weil den Kartellfürsten die Felle davon schwimmen, wenn jeder Häuslebauer seinen eigenen Strom produziert, speichert, verbraucht und auch noch ins Netz einspeisen will.

    Da könnte doch jeder kommen!

    Diese verdammte Blockadehaltung kenne ich seit mindestens 40 Jahren.

    Dabei wäre das eine win-win-win-Situation für Alle. Nur halt nicht für die alten Kartelle.

    Das schlägt sich auch darin nieder, dass solche Komponenten für „intelligenge Netze“ so teuer sind (gemacht werden), dass es sich für den Einzelnen nicht lohnt. Da WÄRE mal wieder die KfW am Zuge. Das wäre aber – genau wie bei einer effektiven Wärmedämmung – mit der Groko in den nächsten 20 Jahren nicht gegangen.

  3. Warum soll ein Netzbetreiber ein Problem damit haben, wenn jeder seinen Strom selbst erzeugen, verbrauchen oder einspeisen kann? Diese Logik erschließt sich mir nicht. Ganz im Gegenteil, der Netzbetreiber profitiert davon auch. Ihm entgehen auch keine Erlöse, das Netz wird ja trotzdem mit der gleichen Kapazität benötigt, denn mit Sicherheit wird sich kein Haushalt vom Netz abkoppeln.

    Vielleicht solltet ihr mal aus eurer Kartell-Verschwörungsecke hinausgehen und die Welt und die Gegebenheiten etwas objektiver betrachten, statt überall nur böse Netzbetreiber zu sehen.

    By the Way, ist ein Netzbetreiber ein natürlich Monopol und das macht auch Sinn so. Niemand ist geholfen, wenn es mehrere Netzbetreiber für das selbe Gebiet gibt und alle parallel ihre Leitungen im Boden verlegen und drei Trafos nebeneinander stehen, obwohl nur einer gebraucht wird. Da es sich um ein natürliches Monopol handelt, werden Netzbetreiber entsprechend von der Bundesnetzagentur streng reguliert und dürfen ihre Preise nicht selbst festlegen. Warum seht ihr hierin ein Problem und wie würdet ihr es besser lösen (statt nur zu meckern)?

  4. Lieber Nico, wir können die Hürden nicht nachvollziehen, die manche Netzbetreiber in den Weg legen. Wenn es bei manchen geht und bei anderen nicht, ist das einfach schwer nachvollziehbar. Wir sehen definitiv keine Verschwörung. Diese Worte hast du gewählt. Was wir sehen ist ein Hürde, die es zu lösen gilt. Es sind diverse Verbände und Interessengruppen dran, die Kaskadenschaltung überall möglich zu machen und Standards zu etablieren. Also aus den erfolgreichen Umsetzungen abzuleiten, wie es einfach geht – für den Haushalt und den Netzbetreiber sowie den Energieversorger. Lernen von Best Practices ist immer gut. Liebe Grüße, Anna aus dem Polarstern-Team

  5. Hallo Anna, der Begriff „Verschwörung“ war nicht auf den Artikel bezogen, sondern auf die beiden ersten Kommentare über meinem. Resultierend aus Worten wie: „Kartell(-Fürsten), „Felle wegschwimmen“, „intelligente Netze werden teuer gemacht“.

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