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Durch den Streit um den Hambacher Forst haben sich in den letzten Wochen viele Menschen mit dem Thema Stromversorgung auseinandergesetzt. Die rücksichtslosen Praktiken von RWE haben viele Bürger so empört, dass sich echte Ökostromanbieter über so viele neue Kunden wie nie freuen können. Viele der Wechselkunden beziehen sich ausdrücklich auf die Situation im Hambacher Forst.

Das Interesse an Ökostrom war nie so groß wie jetzt

Bei Greenpeace Energy freut man sich seit Beginn der Räumung des Waldes Mitte September über Neukunden im vierstelligen Bereich. Ein Drittel davon wechselt von Tochterfirmen oder anderen mit RWE verbandelten Unternehmen zu Greenpeace, etwa von der RWE-Tochter Innogy, Eprimo oder von Rheinenergie. Auch der Ökostromanbieter Polarstern verzeichnet doppelt so viele Wechselkunden wie im Vorjahr, und auch andere Anbieter von echtem Ökostrom wie Mann Naturenergie haben deutlich mehr Neukunden als üblich.

Bei den Bürgerwerken, einem Ökostromanbieter in Bürgerhand, spricht man sogar von der größten Wechselwelle seit Fukushima. „Wir sehen aktuell, dass in Deutschland die größte Wechselwelle seit dem Unglück von Fukushima startet“, sagte Bürgerwerke-Vorstand Kai Hock. „Viele Menschen rufen uns an oder schreiben uns, dass sie mit der aktuellen Situation im Hambacher Forst unzufrieden sind. Sie möchten mit ihren monatlichen Stromzahlungen nicht länger den Kohleabbau unterstützen.“ Die Genossenschaft hat als Reaktion auf die Räumungen und die geplante Rodung des 12.000 Jahre alten Hambacher Waldes eine Baumpflanzaktion ins Leben gerufen. Für jeden bis zum 15. Oktober neu gewonnenen Kunden pflanzen die Bürgerwerke Rotbuchen und Eichen auf einer Fläche in Castrop-Rauxel, die vor vier Jahren vom Orkan Ela zerstört wurde.

RWE sägt am eigenen Ast

Auch der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick verzeichnet viele Neukunden und ein gestiegenes Interesse am Thema Ökostrom. Der RWE-Konzern treibt mit seinem aggressiven Verhalten also indirekt die Energiewende voran und sägt damit am eigenen Ast. Glücklicherweise sind viele Menschen nicht länger bereit, mit ihren monatlichen Stromzahlungen die Kohleindustrie zu unterstützen. In den sozialen Medien und auf speziell eingerichteten Webseiten gab es in den letzten Wochen zudem eine neue Informationsflut zum Thema echter Ökostrom. Vielen dürfte erst jetzt klargeworden sein, dass sie auch dann den Kohlestrom mitfinanzieren, wenn sie ihren Strom von einer Ökostrom-Tochter eines großen Kohlekonzerns beziehen.

Wie Sie einen echten Ökostromanbieter finden

Für viele Menschen kann die Suche nach einem echten, unabhängigen Ökostromanbieter schnell verwirrend werden. Vor allem, weil sich die konventionellen Anbieter ganz einfach grüner rechnen können als sie wirklich sind. Einen detaillierten Überblick über echten Ökostrom in Deutschland, die empfehlenswerten Anbieter sowie über Zertifikate und Siegel haben wir hier zusammengestellt.

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Quellen / Weiterlesen:
Die Nachfrage nach zertifiziertem Ökostrom steigt deutlicher | SolarServer
Bürgerwerke: RWE sägt sich den eigenen Ast ab | SolarServer
RWE-Proteste zeigen Wirkung: Hambacher Forst sorgt für Ökostrom-Boom | Öko Test
Nachfrage nach Ökostrom steigt | Solinger Tageblatt
Wie der Streit um den Hambacher Forst zu einem Ökostrom-Wechselboom führt | Badische Zeitung
Bildquelle: PEXELS

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

3 KOMMENTARE

  1. Wechseln Sie bitte Ihre Therapeutin. Ihre Probleme scheinen angestaut.
    Mittelfristig sollten Sie über Kurz oder Lang aber aufgelöst werden. …
    Alles Gute!

  2. „Durch den Streit um den Hambacher Forst haben sich in den letzten Wochen viele Menschen mit dem Thema Stromversorgung auseinandergesetzt.“

    Das bezweifle ich stark. Denn hätten sie das gemacht, hätten sie festgestellt, dass den Windrädern wesentlich mehr Bäume zum Opfer fallen – diese dafür aber keinen nennenswerten Nutzen bieten, schon gar nicht, wenn man irgendwann wirklich mal eine nachhaltige Energieversorgung erreichen will.
    https://www.baysf.de/de/wald-bewirtschaften/regenerative-energien/wind.html

    Aber mit so komplizierten Themen beschäftigt man sich als Gutmensch ja lieber nicht. Da gilt stattdessen das Motto, dass es auch jede noch so komplizierte Frage eine ganz einfache Antwort gibt.

    Was die „echten Ökostromanbieter“ angeht, möchte ich mal meine Erfahrung mit den selbsternannten „Schönauer Stromrebellen“ (Elektrizitätswerke Schönau) hier veröffentlichen.

    Anfrage von mir per E-Mail am 24. September 2018:
    „wie funktioniert das in der Praxis, wenn ich den Atom- und Kohlestromkonzernen die rote Karte zeigen will? Muss dann eine Stromleitung von einem Rebellenkraftwerk zu meiner Wohnung gelegt werden? Wer trägt dann die Kosten für diese Leitung?“

    Antwort der Elektrizitätswerke Schönau Vertriebs GmbH per E-Mail am 28. September 2018:
    „vielen Dank für Ihre E-Mail vom 24.09.2018.
    Es muss keine Leitung gelegt werden.
    Den kompletten Stromverbrauch von Deutschland können Sie sich vorstellen wie ein See.
    In dem See ist ein Teil Atom- und Kohlestrom und ein Teil Ökostrom.
    Wenn Sie sich entscheiden Ökostrom zu beziehen, bekommen Sie immer noch den gleichen Strom wie vorher auch.
    Aber in dem See ist ein bisschen weniger Atom- oder Kohlestrom und wir dürfen ein bisschen mehr von dem Ökostrom einspeisen.
    Das heißt umso mehr Kunden sich für den Ökostrom entscheiden umso grüner wird der See.
    Der Zähler bleibt trotzdem Eigentum vom Netzbetreiber. Auch für die Ablesung bleibt der Netzbetreiber zuständig.
    Bei eventuellen Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.“

    Weil es so schön ist, noch einmal die Kernaussage:
    „Wenn Sie sich entscheiden Ökostrom zu beziehen, bekommen Sie immer noch den gleichen Strom wie vorher auch.“

    Auch wenn man zu den Stromrebellen wechselt, erhält man also noch immer den selben Kohle- und Atomstrom, garniert mit dem Ökostrom, den man auch davor erhalten hat. Dieser Strom wird den Produzenten selbstverständlich auch vergütet. Ergo: Man unterstützt auch als Kunde der Stromrebellen weiterhin die Betreiber der Kohle- und Atomkraftwerke.

    Dennoch – also obwohl sie genau wissen, dass es gelogen ist – behaupten die Stromrebellen auf Ihrer Webseite:
    „Sie sagen «Nein» zu Kohle und Atom
    EWS-Ökostrom kommt grundsätzlich nicht aus Anlagen, an denen Atom- oder Kohlekonzerne direkt oder indirekt beteiligt sind. So setzen Sie mit Ihrem Wechsel zu den EWS ein klares ökologisches und politisches Signal.
    Sie werden zum Klimaschützer
    Unser Ökostrom kommt zu 100 % aus klimaschonenden Erneuerbaren Energien. Zudem erzeugen unsere Mitstreiter in rund 2.700 EWS-geförderten Rebellenkraftwerken selbst Strom – ökologisch, dezentral und bürgereigen.“
    https://www.ews-schoenau.de/oekostrom/

    Also eigentlich erfüllt das, was diese Stromrebellen mit Rauschebart und zuchtverkrüppelter Sonnenblume da machen, wohl sogar den Straftatbestand des Betrugs.

    § 263 StGB
    „(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
    (2) Der Versuch ist strafbar.“

    Die naheliegende Nachfrage, warum ich als Kunde nicht den Strom von den Rebellenkraftwerken erhalte, oder warum der Laden den im eigenen Windpark erzeugten Strom nicht selbst vermarktet, sondern diesen stattdessen an der leipziger Strombörse verramscht, konnte ich mir natürlich sparen.

    Interessant wäre zwar die Frage gewesen, wie nach Meinung der Stromrebellen der Strom aus den skandinavischen Wasserkraftwerken (bei denen es sich nach eigenen Aussagen zu 30 % um Altanlagen handelt) in den deutschen Stromsee gelangt. Aber da ich die Antwort auf diese Frage bereits kenne (sie lautet: „gar nicht“), habe ich mir auch das gespart.

    Zum Schluss noch eine Bemerkung direkt zum Inhalt des Artikels:

    Dass die RWE so „arrogant“ auftreten kann, liegt in der Kleinigkeit begründet, dass die vom Fach sind – und deshalb ganz genau wissen, dass das ganze Geschwafel vom Kohlestromausstieg nur eine Luftnummer der Politik ist. Denn selbst nach 30 Jahren „Energiewende“ sind wir auf diese Kraftwerke noch genau so angewiesen, wie am ersten Tag. Und selbst wenn wir unsere Landschaft in einigen Jahren mit dem vielfachen der heutigen Windräder und Solarfelder verschandelt haben – und auch die letzten Wälder diesen Heuschrecken zum Fraß vorgeworfen wurden – wird sich an dieser Tatsache nicht das geringste geändert haben.
    https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/sonderberichte/energiewende/2018-sonderbericht-energiewende

    Schon heute suchen die Netzbetreiber händeringend nach neuen Produktionsanlagen, die ja bekanntlich niemand mehr bauen mag.
    https://ted.europa.eu/TED/notice/udl?uri=TED:NOTICE:280659-2018:TEXT:DE:HTML

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