Berlin will die Solarenergie ausbauen und zur „Solarcity“ werden. Dazu hat der Senat einen Katalog mit 27 Maßnahmen beschlossen, die in den nächsten vier Jahren umgesetzt werden sollen. Berlin will bis 2050 klimaneutral werden und Solarstrom ist dabei ein wichtiger Baustein.

Solarenergie kann ein Viertel des Berliner Strombedarfs decken

Die Grundlage für den Maßnahmenkatalog ist der „Masterplan Solarcity“. Diese Potenzialstudie, die das Fraunhofer Institut für Solare Energiesystem (ISE) erarbeitet hat, besagt, dass sich 25 Prozent des Berliner Strombedarfs über die Photovoltaik decken lässt. Dazu müsste bis 2050 eine PV-Leistung von 4.400 MWp installiert sein. Damit könnte Berlin 14 Petajoule Solarstrom pro Jahr erzeugen.

Um das zu schaffen, müssen sich die Rahmenbedingungen auf Bundesebene verbessern, außerdem braucht es einen breiten Mix an Instrumenten. Diese haben Berliner Experten aus der Energie- und Solarwirtschaft, der Wohnungswirtschaft, aus Verbänden und Interessenvertretungen, Landesunternehmen, Wissenschaft und Verwaltung gemeinsam mit dem Fraunhofer ISE erarbeitet. Herausgekommen ist besagter Maßnahmenkatalog mit Empfehlungen, die sich auf 9 Handlungsfelder konzentrieren:

1. Information, Beratung, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit

Hier geht es zum Beispiel um Beratung und Motivation zum Thema Solaranlagen und die Erhöhung der öffentlichen Aufmerksamkeit für das Thema. Das Thema Solarstrom sollte auch im Schulunterricht vorkommen, empfehlen die Experten. Zudem sollte das Land potenzielle Investoren und Investorinnen gezielt ansprechen und informieren.

2. Barrieren abbauen

Dazu gehört, den Anschlussprozesses von PV-Anlagen ans Netz zu optimieren und zu beschleunigen, sowie Barrieren für Solaranlagen im Denkmalschutz abzubauen. Außerdem sollte Berlin die Barrieren bei der Nutzung von Solarthermie abbauen, damit diese künftig stärker genutzt wird. Vorurteile gegenüber Solaranlagen innerhalb von Behörden sollen ebenfalls abgebaut werden, heißt es.

3. Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen aufzeigen und verbessern

Hier empfehlen die Experten, aktuelle Informationen über die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen und über Fördermöglichkeiten zu geben. Solaranlagen können oft schon heute wirtschaftlich betrieben werden, doch für Laien ist dies oft nicht leicht zu bewerten. Es sollte zudem ergänzende Förderprogramme des Landes Berlin geben, wenn sich dadurch der Ausbau der Solarenergie merklich steigern lässt.

4. Marktinitiativen unterstützen

Berlin sollte unter anderem eine Solardachbörse einrichten, mit der Dachflächen für Investoren zugänglich gemacht werden, wenn deren Eigentümer nicht selbst investieren wollen oder können. Auch Mieter sollte das Land bei der Initiierung von Mieterstrommodellen mit verschiedenen Beratungsangeboten unterstützen.  Wohneigentümergemeinschaften sollen ebenfalls entsprechend unterstützt werden, sich für Solaranlagen zu entscheiden.

5. Marktakteur_innen stärken

Hier sollte Berlin die Solarwirtschaft und das Handwerk im Bereich der Solartechnik durch Werbung und andere Maßnahmen stärken. Architekten und Architektinnen sollen motiviert werden, Solarenergie bei Neubau- und Sanierungsprojekten standardmäßig vorzusehen. Auch die Forschung und Bildung im Bereich nachhaltige Energieversorgung sollte das Land stärken.

6. Partnerschaftsvereinbarungen

Damit der Masterplan Solarcity von allen Akteuren gemeinsam umgesetzt werden kann, empfehlen die Experten dem Senat Partnerschaftsvereinbarungen mit der Privatwirtschaft zu schließen. Darin wird festgelegt, wer welche Ziele und Aktivitäten anstrebt. Unternehmen, Verbänden, Gruppierungen und andere Akteure des Privatsektors sollen so motiviert werden, den Masterplan Solarcity Berlin zu unterstützen und sich daran zu beteiligen.

7. Vorbilder durch Leuchtturmprojekte

Das Land Berlin selbst sollte Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden installieren und das Solarpotenzial dort voll ausschöpfen. Es beträgt geschätzt 8,3 Prozent des gesamten Solarpotenzials der Stadt. Beispielhafte Solaranlagen sollen sichtbar werden, um Aufmerksamkeit zu erreichen und zum Mitmachen zu motivieren.

8. Rahmenbedingungen verbessern

Um den regulatorischen Rahmen zur Nutzung der Solarenergie in Berlin zu verbessern, sollte das Land Berlin Bundesratsinitiativen einbringen, um Gesetzesänderungen anzustoßen und Barrieren auf Bundesebene abzubauen. Zudem soll der Senat prüfen, ob es möglich ist, eine Solarpflicht für Neubauten und für Bestandsbauten einzuführen. Eine weitere Empfehlung ist ein Rechtsgutachten, das klären soll, inwieweit Mieter gegenüber ihrem Vermieter einen Rechtsanspruch auf das Angebot einer klimaneutralen Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien und/oder einer Solarstromerzeugung auf dem Wohngebäude haben.

9. Koordinierung und Monitoring der Masterplan Umsetzung

Eine Koordinierungsstelle soll die operative Umsetzung des Masterplans Solarcity steuern und den Senat sowie alle Akteure unterstützen. Ebenfalls wichtig ist es, Monitoring, Transparenz und Erfolgskontrolle der Umsetzung des Masterplan Solarcity Berlin zu etablieren, heißt es in den Empfehlungen.

Umsetzung des Masterplans Solarcity Berlin als Gemeinschaftsaufgabe

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop kommentierte: „Es ist notwendig, dass die Bundesregierung den rechtlichen Rahmen für Solarenergie in den Städten endlich verbessert.“ Die vorhandenen Spielräume wolle man auf Landesebene aktiv nutzen. „Mit dem Masterplan Solarcity werden wir Information und Beratung ausbauen, Anreize setzen und auch regulative Instrumente prüfen. Die Umsetzung des Masterplans Solarcity ist eine Gemeinschaftsaufgabe für den Senat, aber auch für alle Berliner Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft.“

Quellen / Weiterlesen

Masterplan Solarcity | Berlin.de
Der Masterplan Solarcity | Solarwende Berlin
Berliner Senat beschließt „Masterplan Solarcity“ | EUWID
Bildquelle: Pikrepo
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

4 KOMMENTARE

  1. Das hört sich im ersten Moment gut an – Strom erzeugen und an die Mieter günstig verkaufen… Diese Idee haben einige Interessenten von mir in Berlin – wenn da nicht die enormen Hürden beim Thema Mieterstrom vorhanden wären. Für kleine Mietobjekte (bis 10 Mieteinheiten) bisher unrentabel. Entsprechende Abrechnungsdienstleister gehen erst ab 10 Einheiten in die Wirtschaftlichkeitsprüfung.
    Für Investoren, die nur von der Einspeisevergütung profitieren sollen, seh ich hier keinen großen Anreiz.

    Hier eine kurze Zusammenfassung der „Hürden“

    • (Derjenige (auch eine natürliche Person), der eine Anlage zur Stromerzeugung betreibt und den darin erzeugten Strom an Dritte liefert, ist ein Energie- bzw. Elektrizitätsversorgungsunternehmen im Sinne des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und des EEG 2017. Damit sind verschiedene energierechtliche Pflichten (insbesondere Vertragsgestaltung, Rechnungsgestaltung, Stromkennzeichnung, Registrierungs- und Mitteilungspflichten) verbunden. Der dafür erforderliche Aufwand ist in die Berechnung des Mieterstromzuschlags eingepreist.
    • Darüber hinaus sind gegebenenfalls steuerrechtliche Regelungen zu beachten.)
    • Strom-Mix (Eigenproduktion u. Zukauf) muss vom einen Wirtschaftsprüfer zertifiziert und auf Abrechnungen abgebildet sein.
    • Ist dies nicht, wird dies mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000,- Euro geahndet.

  2. Warum kann man Mieterstrom nicht nach dem gleichen Schema wie die Heizkostenabrechnung behandeln. Altmeier schützt hier unnötig die Energiekonzerne.

  3. wann endlich wacht die berliner Politik in Sachen Solarnutzung auf.
    Es gibt seid mindestens 2011 oder älter einen “ SOLARATLAS BERLIN“ war
    unter http://www.wirtschaftsatlas.Berlin.de/mapguide/fusion/templates/…..abrufbar.
    Darauf wurden für alle geeigneten DÄCHER der Stadt die möglichen Flächen für Photovoltaik ,Leistung ,Kosten Erträge dargestellt.
    Wir haben 2012 auf unserem Siedlerhäuschen von 1932 oä sowie Flachbau 4,3 Kwh Solarpaneele errichtet, durften aber nur 70% in Netz einspeisen. Zusätzlich für Warmwasser Solarthermie Vacuum Röhren ca 3qm für Warmwasser.
    Seitdem ist wenig geschehen, die Bundesregierung unter CDU hat die „deutsche Solarindustrie “ mit ihrer negativen Politik in die Insolvenz getrieben . 10 tausende Arbeitsplätze vernichtet und zugelassen das China
    mit Dumpingpreisen für Photovoltaik-module und Gleichrichter den Markt erobert.
    Inzwischen sind 8 Jahre vergangen und nur soll plötzlich Photovoltaik / Mieterstrom etc gefördert werden.
    Das gleiche geschah 2012 mit E Autos , Industrie versprach bis 2018 E Autos auf den Europäischen Markt zu bringen . Bis heute haben es unsere deutschen Konzerne nicht geschafft diese zubauen und zuzulassen.
    Amerikaner, Chinesen Franzosen und Asiaten haben uns inzwischen in dieser Technik überholt.
    VW kämpft noch wie BMW Audi Mercedes mit der Software und Batterietechnik für Massenproduktion.
    Traurig für Deutschlands Ingenieure Erfinder etc. Asien hat uns schon überholt.

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