Erstmals hat sich ein deutsches Unternehmen direkten Zugriff auf Lithium gesichert. Ab 2021 will das baden-württembergische Unternehmen ACISA den wertvollen Batterierohstoff in Bolivien abbauen und jedes Jahr genug für eine Million Elektroautos liefern. Das Lithium soll aus einem Salzsee gefördert werden. Die Folgen für die Umwelt vor Ort sind noch unklar.

ACISA bekommt Zugriff auf Lithium für die nächsten 70 Jahre

Für die Lithiumförderung ist ACISA eine Kooperation mit Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB) eingegangen, einem bolivianischen Staatskonzern. Für die nächsten 70 Jahre darf ACISA den Salzsee (Salar) von Uyuni anzapfen, in dem man die weltweit größten Lithiumvorkommen vermutet. Lithium ist ein Schlüsselrohstoff für die Elektromobilität und wird deshalb auch „weißes Gold“ genannt.

ACISA will jedes Jahr 40.000 bis 50.000 Tonnen Lithiumhydroxid herstellen, das reicht für die Batterien von einer Million Elektroautos mit über 300 Kilometern Reichweite. Lithium ist begehrt, die Lage auf dem Weltmarkt hatte sich in diesem Jahr wegen neuer Vorkommen aber etwas entspannt. Experten rechnen jedoch schon bald wieder mit einer Verknappung und steigenden Preisen.


Quelle: tradingeconomics.com

Der Vertrag hat große Bedeutung für beide Seiten

Entsprechend wichtig ist der Deal auch für die bolivianische Seite, wo die Rohstoffgewinnung unter staatlicher Kontrolle steht. Lithium ist eine große Chance für das Land, das das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen in ganz Südamerika hat. Neben Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) waren deshalb auch der bolivianische Außenminister und der Energieminister bei der Vertragsunterzeichnung in Berlin anwesend.

Das Joint Venture ist auch von großer Bedeutung für die deutsche Autoindustrie, die eine Elektromobilitäts-Offensive ausgerufen hat. Deutschland droht in diesem Bereich ins Hintertreffen zu geraten. „Deutschland soll ein führender Standort für die Batteriezellfertigung werden“, bekräftigte Wirtschaftsminister Altmeier bei der Vertragsunterzeichnung. Man brauche einen verlässlichen und wettbewerbsfähigen Rohstoffbezug aus einer umweltgerechten Rohstoffgewinnung und Rohstoffweiterverarbeitung, sagte Altmeier.

Der Grünen-Abgeordnete Kekeritz warnt vor negativen Umweltfolgen

In Uyuni sind zwei große Lithiumanlagen geplant, wobei Deutschland auch in Konkurrenz mit chinesischen Firmen steht. Allerdings ist der Abbau von Lithium kompliziert. Der Bundesregierung liegen keine Umweltgutachten für das Projekt vor, weshalb der Grünen-Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz das Vorhaben kritisiert. Es sei verantwortungslos, wirtschaftliche Interessen der deutschen Industrie über die Menschenrechte zu stellen. Der Abbau von Lithium sei mit großen Risiken für Mensch und Umwelt verbunden, insbesondere die lokalen Gemeinden litten unter Wasserknappheit und Umweltzerstörung, profitierten jedoch nicht von den Gewinnen aus dem Rohstoffabbau.

Quellen / Weiterlesen


Deutschland sichert sich Lithium-Vorkommen | Spiegel Online
Deutschland sichert sich Zugriff auf Lithium | Frankfurter Allgemeine
Deutschland sichert sich Zugriff auf weltgrößte Reserven | manager magazin
Bildquelle: flickrDan Lundberg

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