Die Nachfrage nach Elektroautos steigt, doch es gibt zu wenige Ladesäulen. Im Schnitt kommt ein Ladepunkt auf 13 Autos. Damit der Ausbau schneller geht, stellt der Bund Milliarden für ein Schnellladenetz an Tankstellen bereit. In 5 Jahren sollen zwei Drittel aller Tankstellen mit Schnellladesäulen ausgestattet sein.

Selbstverpflichtung der Tankstellenbetreiber

Im November trafen sich Politik und Autoindustrie zum vierten Autogipfel, um über die Verkehrswende zu sprechen. Die Teilnehmer sind sich einig, dass die emissionsarme Mobilität ein gesamtgesellschaftliches Anliegen ist. Entsprechend kooperativ zeigte sich die Mineralölbranche, also die Tankstellenbetreiber. Sie sollen in den kommenden Jahren eine große Zahl Schnellladesäulen installieren.

Die Vorgaben der Politik: Bis 2022 soll ein Viertel aller Tankstellen mit Schnellladesäulen ausgerüstet sein, bis 2024 die Hälfte und im Jahr 2026 dann drei Viertel aller Tankstellen. Die Betreiber sollen sich selbst dazu verpflichten. Wenn sie die Ziele verfehlen, plant die Bundesregierung allerdings Auflagen. „Die Tankstellenbetreiber können bis Ende 2022 auf bestehende Fördergelder zum Aufbau der Ladeinfrastruktur zurückgreifen. Sofern danach die vereinbarten Ziele nicht erreicht werden, wird die Bundesregierung durch eine Versorgungsauflage die genannten Anteile gesetzlich regeln“, heißt es.

2 Milliarden Euro für Schnellladesäulen

Für den Ausbau richtet das Verkehrsministerium ein Förderprogramm ein und stellt 1,5 bis 2 Milliarden Euro bereit. Die Mineralölwirtschaft begrüßte die Ankündigung und lobte den Verzicht auf eine Verpflichtung, die ursprünglich angedacht war. „Freiwilligkeit gepaart mit staatlichen Anreizen ist der richtige Weg“, sagte Christian Küchen, der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes MWV, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er wies aber auch darauf hin, dass seine Branche auch vereinfachte Planungs- und Genehmigungsverfahren brauche.

Verlängerte Kaufprämie und Förderung privater Ladesäulen

Auf dem Gipfel kündigte der Bund auch an, die Kaufprämie zu verlängern. Sie soll nicht wie geplant 2021 enden, sondern bis 2025 weiterlaufen. Konkret sollen noch einmal drei Milliarden Euro zusätzlich für Kaufprämie, neue Lastwagen und einen „Zukunftsfonds“ bereitgestellt werden. Auch private Ladepunkte will die Regierung mit insgesamt 200 Millionen Euro fördern. In den nächsten Jahren will die Politik die Gelder noch einmal kräftig aufstocken: Bis 2024 sollen 5,98 Milliarden in die Ladeinfrastruktur fließen. Das soll auch Wasserstoff-Tankstellen beinhalten. Insgesamt stehen für alternative Antriebe über 13 Milliarden Euro bereit.

Quellen / Weiterlesen

Abwrackprämie für Brummis – Zuschüsse für E-Auto-Käufe | Süddeutsche Zeitung
Milliarden für Ladesäulen | Frankfurter Allgemeine
Schnell-Ladesäulen an 75 Prozent der Tankstellen geplant | Welt
Bildquelle: © ARAL

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    Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

    3 KOMMENTARE

    1. Das technische Problem der Schnellladesälen wird hier leider fast nie erwähnt:
      Es geht um Anschlussleistungen von über 100kW, das ist in unserem 230/400V Niederspannungsnetz schwierig zu bewerkstelligen, siehe Vorschriften für Schalthandlungen/TAB. Spannungsschwankungen im Netz, Wanderwellen, hohe Kupferverluste in den Leitungen müssen vermieden werden. Somit braucht jede Ladesäule eigentlich eine Trafostation zum Mittelspannungsnetz. Dieses ist aber bei weitem nicht so fein verästelt wie das Niederspannungsnetz und deshalb nicht überall verfügbar.
      Deshalb ist auch der Artikel über die Graphen-Batterie etwas kritisch zu sehen:
      Um 50kWh in 15sek aufzuladen bräuchte man eine Ladeleistung von 12MW…das ist vom Ladegerät über die Anschlusstecker bis zur Netzanbindung völlig utopischer Unsinn, ohne Supraleiter nicht machbar. Man sollte sich endlich mal auf den pragmatischen Aspekt konzentrieren: Was ist schnell und problemlos machbar und umweltfreundlich. Das sind zur Zeit nur lithium- und cobaltfreie Schnellwechselakkus, wie sie die Chinesen jetzt an den Start gebracht haben. Nur so gehts, ihr werdet sehen.

    2. Im Prinzip eine gute Idee: Die Fossil-Tanker sehen dann immer öfter, wie es auch ohne Gestank und krebserregende Gefahrstoffe geht.

      Aber das Prinzip Tankstelle ist für eAutos eh nicht mehr wirklich interessant. Außer sie wird zu einem gemütlichen Verweilort, wenn man nicht teuer superschnellladen will.

    3. @Rainer: Stimme ich zu, man sollte die Schnellladesäulen besser da fördern und bauen, wo ein Mittelspannungsanschluss besteht. Jetzt einfach jede alte Tankstelle mit einer Ladestation auszustatten und damit unnötig Geld rauszuwerfen, klingt aber mal wieder nach dem typischen Ansatz deutscher Politik.

      Das Problem mit der hohen Anschlussleistung könnte man mit Pufferbatterien lösen. Aber auch die muss wieder jemand bezahlen und dafür werden die Tankstellenbetreiber nicht bereit sein. Andererseits ist auch nur von Schnellladern die Rede und nicht von der exakten (Mindest-)Leistung. Gut möglich, dass dann einfach nur eine 50 kW Säule hingestellt wird und fertig.

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