Wer sein Elektroauto unterwegs lädt, muss in diesem Jahr noch tiefer in die Tasche greifen. Die Ladekosten in Deutschland steigen deutlich, wie eine Untersuchung von EUPD Research zeigt. Außerdem ist es nach wie vor schwierig, im Tarifgewirr den Überblick zu behalten.

EUPD Research analysierte 300 Ladetarife

Das Marktforschungsunternehmen EUPD Research hat den deutschen Markt für mobile Ladetarife schon zum dritten Mal untersucht. In der Studie „Vergleichsanalyse mobiler Ladestromtarife 2020“ analysierte das Unternehmen knapp 300 Tarife und die Kosten für das Aufladen verschiedener Elektromodelle von BMW, Renault, Smart, Tesla oder VW.

Schwere Vergleichbarkeit und fehlende Kostentransparenz

Inzwischen gibt es über 200 Anbieter von Ladestrom für Elektroautos. Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr, wie EUPD Research mitteilte. Die über 300 Tarife sind für Verbraucher allerdings schwer vergleichbar, da sie sich etwa im Zugang zur Ladesäule, bei Vertragslaufzeiten und Bezahlwegen, Verfügbarkeiten und bei den Kosten unterscheiden. Einige Anbieter würden zudem keine transparente Übersicht über die entstehenden Kosten geben, schreiben die Marktforscher.

Bei den Tarifen gibt es eine große Spannbreite, die von kostenlosem Laden im Stadtgebiet bis zu hohen Kosten an Schnellladesäulen reichen. Manche Anbieter rechneten nach wie vor nicht nach Kilowattstunde ab, sondern pro Minute oder berechnen einen Pauschalpreis pro Ladung, heißt es. Außerdem seien auch Kombinationen der drei Abrechnungsmodelle möglich. Zusätzlich müssten auch ad hoc-Ladepreise oder zusätzlich anfallende Roaming-Gebühren beachtet werden. EUPD Research zufolge setzen sich die jährlichen Kosten für das Aufladen von E-Autos aus den Abrechnungskosten und meist auch einer monatlichen Grundgebühr zusammen.

Das Fahrzeugmodell hat teilweise großen Einfluss auf die Ladekosten

Die Wahl des Autostromtarifes hänge vom jeweiligen Fahrzeugmodell und dem Fahrverhalten ab, teilte EUPD Research mit. Im Durchschnitt ermittelten die Marktforscher bei allen untersuchten Elektroauto-Modellen einen Preis von 30 bis 35 Cent pro Kilowattstunde Ladestrom. Bei den einzelnen Modellen gibt es allerdings große Unterschiede. Fahrer eines Renault ZOE können mit durchschnittlichen Ladekosten von 30 Cent pro Kilowattstunde rechnen. Beim VW e-Golf können dagegen Ladekosten von bis zu 1,25 Euro pro Kilowattstunde bei einem Anbieter entstehen.

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Quelle: © EUPD Research

Die Kosten hängen zudem stark von den technischen Gegebenheiten des Fahrzeugs ab. Beim Smart fortwo etwa profitieren Fahrer dank der hohen AC-Ladenutzung von Flatrate-Tarifen bzw. günstigen Preisen pro Kilowattstunde für das AC-Laden. Bei einem Tesla Model 3 dagegen bieten sich Pauschalpreise an, da das Fahrzeug eine hohe Batteriekapazität hat und somit Geld spart. Beim Preisvergleich sollte auch die Ladeleistung betrachtet werden: Ein sehr günstiger Tarif kann an eine geringe Ladeleistung gebunden sein. Dann dauert das Aufladen sehr lange.

Die Preise werden weiter steigen

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Quelle: © EUPD Research

Die Marktforscher weisen auch auf gestiegene Preise im Vergleich zum Vorjahr hin. Ionity, der Anbieter von Schnellladesäulen, hat seine Preise auf 79 Cent pro Kilowattstunde angehoben. Für Fahrer eines Renault ZOE ist der durchschnittliche Ladepreis um 30 Prozent gestiegen, beim e-Golf um 9 Prozent. Zu beachten ist dabei aber, dass der neue ZOE jetzt auch (teureres) DC-Laden verträgt und dies in die Durchschnittspreise einfließt.

Bei EUPD Research erwartet man, dass die Preise für das Aufladen auch in Zukunft weiter steigen. „Steigende Ladepreise werden auch in Zukunft zu verzeichnen sein, da vor allem die Schnellladeinfrastruktur ausgebaut wird und höhere Kosten mit sich bringt. Der Markt befindet sich noch am Anfang und bis sich die Kosten einpendeln, wird es noch eine Weile dauern. Dennoch wird deutlich, dass auch die Höhe der Kilowattpreise im Zusammenhang mit Ladezeit und Ladeleistung steht“, erklärt Christine Koch, die Projektleiterin der Studie bei EUPD Research.

Quellen / Weiterlesen

Mehr Wettbewerb und steigende Kosten bei mobilen Ladetarifen für Elektromobilität | EUPD Research
Bildquelle: flickrMarco Verch
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

1 KOMMENTAR

  1. Natürlich werden die Preise für das Schnellladen steigen. So eine Station kostet ja.

    Die kostenlosen Angebote (Bürgermeistersäulen, Aldi, Ikea, Lidl, Kaufland, Legoland, McDonalds) werden aber wohl bleiben. Aber wahrscheinlich mit geringerer Leistung (nur noch 11 kW oder so).

    Und die Normalladesäulen wie an den Laternen werden wohl günstig bleiben.

    Entscheidend wird sein, wann die ersten V2G-eAutos kommen. Wenn dann der Preisfux mit seinen eSUFF stundenlang den kostenlosen Lader blockiert, um nachher den für-lau-Strom in sein Eigenheim einzuspeisen, wird man nachregeln (müssen).

    Ansonsten gilt das alles ja nur für die Außenlader. Schon mit meiner 41-kWh-Zoé brauche ich nur alle Jubeljahre einen externen Lader, wenn ich wirklich mal über 350 km am Stück fahren muss.

    Bei den Millionen Eigenheimbesitzern und noch ein paar Millionen willigen Vermiertern (sind nicht alle bockbeinig) ist noch sehr viel Potenzial für billiges Laden. Von willigen Arbeitgebern gar nicht zu reden.

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