Die Förderung für die Ladeinfrastruktur für Elektroautos wird stark ausgeweitet. Das geht aus einem Beschluss von Union und SPD hervor. Sie wollen das Bundesförderprogramm verlängern und das Budget von 300 auf 600 Millionen Euro verdoppeln.

Ladestationen als Schlüssel zur Verkehrswende

Das Förderprogramm für Ladeinfrastruktur läuft seit 2017 und endet eigentlich Ende 2020. Ziel das Programms ist es, mindestens 15.000 Ladestationen neu zu schaffen. Eine flächendeckende Lade-Infrastruktur wird als Schlüssel gesehen, die Verkehrswende mit Elektroautos umzusetzen. Dass es nicht genügend Ladestationen gibt, gilt als eine der Hauptursachen dafür, dass sich Elektroautos nicht so schnell verbreiten wie von der Politik gewünscht.

Der Verband der Automobilindustrie VDA fordert deshalb schon länger einen Ausbau der Ladeinfrastruktur. Dies sei die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Markthochlauf der der E-Mobilität. Vor dem Hintergrund der ehrgeizigen Ziele sei der derzeitige Bestand von 17.400 öffentlich zugänglichen Ladepunkten in Deutschland „absolut unzureichend“, sagte der VDA Anfang Juni.

BMVI meldet große Nachfrage

Bisher erfreue sich das Förderprogramm sehr großer Nachfrage, meldet das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Über 3.000 Anträge gingen in den ersten beiden Förderaufrufen ein, teilte das BMVI mit. Bis jetzt hat das Ministerium mit den Geldern insgesamt 15.803 Ladepunkte bewilligt, darunter 13.473 Normalladepunkte und 2.330 Schnellladepunkte. Im dritten Förderaufruf gingen weitere 1.148 Anträge für weitere 5.000 Ladestationen ein. In der Förderung enthalten ist die Ladestation selbst sowie die Kosten für den Netzanschluss. Es werden sowohl private Ladestationen als auch öffentliche Stationen von Städten und Gemeinden gefördert.

Allerdings gibt es auch Zweifel, ob der so entstehende Bedarf überhaupt gedeckt werden kann und Hersteller von Ladesäulen schnell genug liefern können. Aktuell bremst electrive.net zufolge die Nachrüstung auf eichrechtskonforme Lösungen so manches Haus, worunter die Produktion leidet. Bei den DC-Ladestationen gäbe es bereits jetzt Engpässe mit entsprechend langen Wartezeiten.

Auch Ausweitung der Kaufprämie geplant

Neben mehr Geld für Ladestationen wollen die Union und SPD weitere Kaufanreize setzen, um mehr E-Autos auf die Straße zu bringen. Der Umweltbonus, den sich Staat und Autohersteller teilen, wird verlängert. Der Anteil des Bundes daran soll zudem steigen. Leichte Nutzfahrzeuge und elektrische Taxis sollen künftig ebenfalls einen höheren Zuschuss bekommen. Bei der Besteuerung von Elektro-Dienstwagen gilt weiterhin nur der halbe geldwerte Vorteil.

Quellen / Weiterlesen

GroKo will Förderung für Ladeinfrastruktur verdoppeln | electrive.net
Beschluss der Geschäftsführenden Vorstände vom 13./14. Juni 2019, TOP 3: Wohlstand für alle- durch nachhaltiges Wachstum | Beschlusspapier
Union und SPD versprechen 300 Millionen zusätzlich für Ladepunkte | finanzen.net
Förderrichtlinie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge | BMVI
Bildquelle: flickrdronepicr
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

2 KOMMENTARE

  1. Na endlich! Es sind genau vier Jahre vergangen seitdem der Dieselskandal in Sommer 2015 auf Tageslicht kam und wann die Hysterie und Euphorie rund um Diesel und E-Autos ausgelöst wurde. Genau vier Jahren brauchten Politiker zu kapieren, dass ein dichtes Ladenetz die allerwichtigste Voraussetzung für die Massennützung von E-Autos ist. Ein mühsamer Prozess, ehrlich! Jetzt aber Vorsicht: Parkplätze sind keine „E-Tankstelle“ und umgekehrt, „E-Tankstelle“ sind keine Parkplätze. Diese Warnung bedeutet folgendes: Parkplätze dürfen nicht für die Ladestationen genutzt werden, weil sie sind gemeinsamer Eigentum, und Ladezeit am Ladesäule soll streng begrenzt werden, z.B. auf 20 Minuten – so lange Ladezeit heutzutage alle E-Autos Hersteller deklarieren. Ich wünsche dieser Aktion viel, viel Erfolg!

  2. „Es werden sowohl private Ladestationen als auch öffentliche Stationen von Städten und Gemeinden gefördert.“ Hmm, klingt ja ganz schön umfassend, oder? Leider fehlen Unternehmen, die Schnellladesäulen entwickeln und betreiben wollen – wie Jolt Energy. Liebe Politiker, bitte nochmal nachdenken. Eine solche (mobile!) Ladesäule kostet 200.000 Euro, Die kauft kein Privater für sich und auch keine klamme Gemeinde, bloß weil es dafür ein paar tausend Euro von Vater Staat geschenkt gibt. Und allein mit schicken Wallboxen in den Garagen der vielen Hauseigentümer in Deutschland werden wir das Problem nicht lösen.

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