Das britische Start-up Faradair baut ein Hybrid-Flugzeug mit ungewöhnlichem Design. Seine Boxwing-Bauweise mit drei Tragflächen übereinander sorgt für besonders viel Auftrieb. Das „Bio Electric Hybrid Aircraft“ kann 19 Passagiere befördern und lässt sich in wenigen Minuten zum Transportflugzeug umbauen.

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Hybridantrieb aus Strom und Biosprit

Auf den ersten Blick erinnert das erste Faradair-Modell BEHA M1H an einen Doppeldecker, in diesem Fall ist es sogar ein Dreidecker. Mit seinem hybridelektrischen, 1.600 PS starken Turboprop-Antrieb ist das Flugzeug jedoch hochmodern. Die Energie für Start und Landung kommt aus einer Batterie, anschließend übernimmt eine mit Biosprit betriebene Gasturbine. Sie lädt gleichzeitig die Batterie wieder auf.

Dank seines Boxwing-Designs genügt dem E-Flugzeug eine besonders kurze Start- und Landebahn von nur 300 Metern. Es erzeugt nur 60 Dezibel und ist damit so leise wie ein Ultraleichtflugzeug, sehr viel leiser als konventionelle Jets, die 140 Dezibel laut werden. Die drei vertikal versetzten Tragflächen sind an den Enden miteinander verbunden, was neben einem starken Auftrieb auch für viel Stabilität sorgt. Ein Absturz durch Strömungsabriss ist weitgehend unmöglich, und auch der induzierte Luftwiderstand ist bei dieser Bauweise geringer.

London–Manchester in 42 Minuten

Der Erstflug der M1H ist für 2024 geplant, und Faradair hofft, dass das Flugzeug zwei Jahre später schon kommerziell fliegt. Es ist vor allem für kleine Airlines interessant, die Regionalstrecken bedienen. Eine Strecke wie London – Manchester, die heute eine Stunde Flugzeit braucht, könnte das Hybrid-Flugzeug in 42 Minuten zurücklegen.

Hinzu kommt, dass der Hybridantrieb umweltfreundlicher ist und im Betrieb weniger kostet, denn bei Start und Landung nutzt er ausschließlich Strom. Das könnte am Ende auch die Tickets für die Passagiere verbilligen. Außerdem ist das Flugzeug flexibel einsetzbar und lässt sich in nur 15 Minuten zum Transportflugzeug für fünf Tonnen Fracht umbauen. Denkbar ist damit ein Einsatz als Passagierflugzeug tagsüber und als Transportflugzeug in der Nacht.

Hybrid-Flugzeug als Übergangslösung

Der Hybridantrieb ist für Faradair allerdings nur eine Übergangslösung, weil heutige Batterien noch kein rein elektrisches Fliegen über längere Strecken bzw. mit vielen Passagieren ermöglichen. Das Unternehmen erwartet, dass schon 2030 eine rein elektrische Version des Tripeldeckers auf den Markt kommt. Auch eine führerlose Version für Militärzwecke ist geplant.

Ist das Konzept umsetzbar?

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Bleibt noch die Frage, ob Faradair das Boxwing-Design wirklich erfolgreich umsetzen kann, denn bisher gibt es wenig praktische Erfahrungen damit. Es gibt zwar kleinere Flugzeuge mit dieser Bauweise, aber ob sie auch für größere Fluggeräte umsetzbar ist, muss sich erst zeigen. Beispiel Luftwiderstand: Der induzierte Widerstand ist bei der Boxwing-Bauweise zwar geringer. Doch dafür erhöht sich der Reibungswiderstand, da durch die drei Tragflächen mehr umströmte Oberfläche vorhanden ist. Auch das Gewicht steigt bei dieser Bauweise. Ob Faradair das Konzept überhaupt weiterführen kann, ist zudem davon abhängig, ob das Unternehmen weitere Geldgeber findet. Bis 2024 ist Faradair zunächst durch ein Konsortium finanziert, zu dem unter anderem der Triebwerkshersteller MagniX gehört.

Quellen / Weiterlesen

Wie Faradair Kurzstreckenflüge umweltfreundlich machen will | golem.de
Announcing the world´s most environmental airplane | faradair
British startup looking to build 18-seat bioelectric hybrid airplane | TechXplore
Neue Innovation aus England | Cockpit
Bildquelle: © Faradair Aerospace

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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