China will einen einheitlichen Standard für Wechselakkus schaffen. Mit Wechselakkus können Elektroautos in kurzer Zeit wieder mit Strom versorgt werden, statt lange zu laden. Nur wenige Hersteller bieten bisher Wechselakkus an, und die Systeme sind nicht kompatibel. Mit dem Schritt will die chinesische Regierung die Verbreitung von E-Autos weiter voranbringen.

Kunden können nur die Wechselstationen ihres Herstellers nutzen

Das Magazin Bloomberg berichtet über die Pläne und beruft sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Einer der ersten Anbieter, der Wechselakkus für seine Modellen vorsieht, ist das chinesische Start-up NIO. Die Elektro-Modelle von NIO können an speziellen NIO-Wechselstationen einen leeren Akku gegen einen vollen tauschen.

Neben NIO testet auch der Hersteller BAIC Wechselakkus. Ein Akkutausch dauert unter drei Minuten, geben beide Unternehmen an. NIO und BAIC bieten ihren Kunden auch die Option, Batterie und Auto getrennt zu erwerben. Solange kein einheitlicher Standard existiert, können Kunden allerdings nur die Stationen ihres eigenen Herstellers nutzen. BAIC betreibt nach eigenen Angaben 187 Wechselstationen in 15 chinesischen Städten für 16.000 Elektro-Taxis.

Wechselakkus sparen nicht nur Zeit, sondern hätten noch einen anderen entscheidenden Vorteil. Sie könnten Elektroautos billiger machen, denn Käufer können dann Auto und Batterie separat kaufen bzw. die Batterien leasen. Die Pläne zeigen, wie sehr China anderen Ländern in Bezug auf neue Technologien voraus ist. Denn dort hat die Regierung den nötigen Einfluss, um Änderungen anzustoßen, die sich auf ganze Industriezweige auswirken. Die Nachfrage nach Elektroautos in der Volksrepublik ist zwar eingebrochen, weil Subventionen Stück für Stück heruntergefahren werden. Doch das Land will nach wie vor Verbrenner langfristig abschaffen.

Chinas Industrieministerium bestätigt die Pläne

Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie bestätigte, dass das Land Wechselakkus fördern wolle. Details wollten die Verantwortlichen jedoch nicht kommentieren. “Wir werden Demonstrationsanwendungen für Wechselakkus aktiv voranbringen und das System und die Standardisierung verbessern“, teilte das Ministerium mit. „Im nächsten Schritt wollen wir die Entwicklungsumgebung optimieren, Unternehmen dabei begleiten, die Technologie zu verbessern, ein ausgereifteres Geschäftsmodell fördern und dazu beitragen, dass sich Elektroautos noch komfortabler nutzen lassen.“

Quellen / Weiterlesen

China Embraces Battery-Swapping System for Electric Vehicles | Bloomberg
Kommt jetzt der Zwang zum Tausch-Akku? | auto motor und sport
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

7 KOMMENTARE

  1. Ich verfechte schon seit Jahren die Idee des standardisierten Wechselakkus. Renault hat 2012 schon mit dem Fluence ZE / Better Place den richtigen Schritt gemacht.
    Wechselakkus sind die EINZIGE sinnvolle Lösung der Elektromobilität. Sie lösen alle Probleme auf einmal.
    Ohne Wechselakkus ist die E-Mobilität nicht umweltfreundlich.

  2. Ich halte das für innovationsfeindlich. Außerdem werden Akkus womöglich schlecht behandelt, wenn sie nicht Eigentum des Fahrzeugeigners sind.
    Ich würde das System nicht befürworten.
    Die Entscheider sind wahrscheinlich nie ein E-Auto gefahren, dass mit einer funktionierenden Infrastruktur schnell laden kann. Tesla zB.
    Tesla hatte es in Amerika angeboten, den Akku beim Model S und X zu tauschen. In unter 3 Minuten.
    Die Station ist abgebaut, die Menschen haben es nicht angenommen und lieber nebenan an der Schnellladestation 30 Minuten Pause gemacht.

  3. Das Problem ist, dass die Leute vergessen, dass der Zweck des E-Autos der Umweltschutz ist.
    Im täglichen Nutzbetrieb ist entscheidend, woher der Strom kommt und wie er ins Auto kommt.
    Ins Auto kommt er über das Stromnetz. Im europäischen Verbundnetz ist ein Strommix mit Uran, Kohle, Gas, Wasser, Wind und Sonne verfügbar.
    Abhängig von Tageszeit und Großwetterlage können die beiden letzteren fast völlig wegfallen. Uran fällt politisch gewollt demnächst ebenfalls weg.
    Die Wasserkraft ist deutschlandweit fast ausgereizt und mit drei Prozent Anteil am Strommix ohnehin vernachlässigbar.
    Bleiben Kohle und Erdgas und ein paar andere Kleinigkeiten (wie Müll, Biomasse, Geothermie, die prozentual mit zusammen 8% praktisch keine Rolle spielen).
    Erzeugt man Strom aus Kohle oder Erdgas, ist mit dem Elektroauto rein gar nichts gewonnen, außer dass man statt Erdöl im Auto Kohle im Kraftwerk verbrennt.
    Es gibt Autos, die direkt mit Erdgas fahren können, was in diesem Fall sicher die bessere Lösung wäre.

    Elektroautos sind also nur sinnvoll, wenn der Strom für sie aus Wind und Sonne kommt. Die Batterieladung dürfte also nur tagsüber stattfinden, oder wenn genug Wind weht.
    Bedeutet, dass Batterien und Autos voneinander unabhängig sein müssen. Nur mit standardisierten Wechselbatterien kann man das erfüllen.
    Denkbar wären Wechselstationen an den Tankstellen, die leere Batterien gegen geprüfte, volle Batterien tauschen. Die leeren Batterien werden dann geladen, wenn Solarstrom oder Windstrom
    in ausreichender Menge vorhanden ist. Der Netzbetreiber kann das steuern („smart grid“).
    An jeder Tankstelle lägen dann eine gewisse Zahl Batterien auf Lager und am Netz. Sie wären quasi der erforderliche Pufferspeicher des Netzes für den nachts fehlenden Solarstrom.
    Ein guter Nebeneffekt wäre, dass der Autobesitzer sich keine Sorgen um den Zustand seiner Batterie machen muss, da er jedesmal eine geladene und geprüfte Batterie erhält.
    Der wichtigste Effekt ist aber, dass die Wartezeiten wegfallen, der Fahrer kann sofort weiterfahren.
    Auch braucht man keine Schnellladung, die die Batterielebensdauer drastisch verringert und das Netz enorm belastet. Ladestationen mit 100kW Ladeleistung oder mehr sind technischer Unsinn, siehe Vorschriften für Schalthandlungen /TAB.
    Renault hatte einen ersten Vorstoß in diese Richtung mit dem Modell Fluence ZE 2012 / Better Place in Israel.
    Dieser scheiterte vermutlich an der unzureichenden Finanzplanung und dem hemmenden Einfluss der Erdöllobby.
    Außerdem, das ist ganz wichtig für „Verweigerer“ dieser Idee, kann man natürlich nach wie vor immer dieselbe Batterie im Auto lassen und das Auto nachts mit Kohlestrom in der Garage aufladen, wenn man das möchte. Oder an einer Ladestationsinfrastruktur, die wesentlich teuerer wäre als eine Wechselstationsinfrastruktur.

  4. Wer übernimmt den Schadenersatz?
    Wer übernimmt die Garantie?
    Wie lange kann ich mit dem Wechselakku fahren?
    Darf ich den Wechselakku laden?
    Wer soll das bezahlen?
    1 Elektroauto, 3 Tauschakkus?

  5. Das sehe ich genau so wie Herr Pröbstl.
    1. Weltweit gültiger Standard für Wechselakkus
    2. Wechselakkus sind umweltfreundlich, da zeitunabhängig mit grünem Strom „betankbar“.
    3. Schonung des Akkus durch langsames Laden, höhere Lebensdauer.
    Alles andere ist unwirtschaftlich und nicht zu Ende gedacht.
    Eine interessante Alternative bzw. Ergänzung wäre gegebenenfalls kontaktloses Laden auf speziellen Autobahnen, wie sie in China schon als Teststrecke gebaut wurden.
    Ich persönlich befürworte die flächendeckende Überdachung der Autobahnen und Bedachung mit Photovoltaik, so kann ohne weiteren Flächenverbrauch ein gigantisches „Solarkraftwerk“ bzw. ein Kraftwerksverbund geschaffen wird. Positiver Nebeneffekt: Stets trockene Fahrbahnen, höhere Verkehrssicherheit.

  6. da hat s aber wieder fromme wünsche dabei. wechsel Akkus ja, aber nicht wie in china.3 kleinere und wahlweise übereinander zwischen die Hinterachse. dieser aufwendige wechselmechanismus von unten ist sehr teuer.nicht ganz einfach jedoch ist, das (bms) erforderliche batteriemanagement wie im eingebautem zustand
    vom Inverter kommt, auch beim laden irgendwoher kommen.anders kann man die Akkus nicht aufladen.
    auch nicht langsam mit ac. dann ist das gefahrengut beim transport. nur Spezialisten dürfen an die batterie heran.Infrastruktur müsste in jeder Tankstelle vorhanden sein.sonst geht s nicht.

  7. @johann Christl:

    „Wer übernimmt den Schadenersatz?“
    Für welchen Schaden?

    „Wer übernimmt die Garantie?“
    Fürs Auto der Autohersteller, wichtig für den Käufer des Autos. Für die Akkus der Akkuhersteller, wichtig für die Verleiher der Akkus.

    „Wie lange kann ich mit dem Wechselakku fahren?“
    Kommt drauf an, welches Auto man hat und wie schnell man fährt.

    „Darf ich den Wechselakku laden?“
    Ja.

    „Wer soll das bezahlen? 1 Elektroauto, 3 Tauschakkus?“
    Der Autofahrer zahlt das Auto und den ersten Akku. Die Tauschakkus kaufen die Tankstellen und bezahlen tut sie der Autofahrer mit einer Gebühr beim Wechsel. Ganz Ähnlich wie das Bierkisten-Pfandsystem.

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