Die Reichweiten von Elektroautos steigen, doch so richtig langstreckentauglich sind sie noch nicht – auch weil die Ladeinfrastruktur fehlt. Das französische Startup EP Tender hat dafür eine Lösung: Ein Anhänger mit Batteriemodulen soll Elektroautofahrern die Angst vor dem leeren Akku nehmen. Bei Bedarf mietet man sich einen Anhänger an einer Verleihstation und erhöht so die Reichweite seines Elektroautos.

Der Batterieanhänger lädt das E-Auto während der Fahrt

EP Tender will in Frankreich starten und den Batterieanhänger mit 60 Kilowattstunden dort an Hauptverkehrsstraßen und Stadträndern zum Verleih anbieten. Ein Elektroauto soll damit etwa 300 Kilometer mehr Reichweite bekommen. Die Idee: Ist der Akku leer, hängt man sich einfach einen Anhänger von EP Tender an. Das Warten an der Ladesäule entfällt, denn das E-Auto wird einfach beim Fahren geladen. Ist die Batterie auf dem Anhänger leer, tauscht man den leeren Batterieanhänger einfach an der nächsten Station wieder gegen einen vollen aus. Der Anhänger ist so kompakt, dass sich das Fahrzeug weiterhin leicht manövrieren lässt.

Die Anhänger sind vermutlich eine Übergangstechnologie

Die Stationen sollen in 50 Kilometer Abstand stehen und wie Tankstellen rund um die Uhr zugänglich sein. Nutzer zahlen entweder für die Strommenge oder die Mietdauer. In einem Feldversuch in Frankreich zeigten sich Besitzer von Elektroautos interessiert. Denn das Ladenetz wächst zwar, aber nur langsam. Es fehlt vor allem an Schnellladesäulen, mit denen sich Elektroautos unterwegs in 30 Minuten wieder aufladen lassen. Dass es nicht flächendeckend Lademöglichkeiten gibt, ist immer noch einer der Hauptgründe, warum sich Elektroautos nur langsam verbreiten. Der mobile Batterieanhänger dürfte allerdings eine Übergangstechnologie sein, deren Bedeutung nachlässt, sobald es genügend Ladestationen gibt.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten geplant

EP Tender bekommt Fördergelder der Europäischen Kommission für die Idee. Noch gibt es aber nur Prototypen der Anhänger, die auch als Energiespeicher für Privathaushalte dienen könnten. Besitzer einer Solaranlage könnten den Batterieanhänger dann mit eigenem Solarstrom aufladen und die Anhänger könnten stationär im Smart Grid auch Netzdienstleistungen bereitstellen oder Pufferstrom für Ladestationen liefern.

Was wurde aus Nomadic Power?

EP Tender ist nicht das erste Unternehmen, das die Reichweite von Elektroautos mit Anhängern vergrößern will. Auch die Nomadic Power GmbH aus Darmstadt wollte vor zwei Jahren ein Verleihsystem von Batterieanhängern mit 85 kWh errichten. Das Unternehmen meldete allerdings im Juni 2018 Insolvenz an und wurde im Juli liquidiert.

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Quellen / Weiterlesen


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5 KOMMENTARE

  1. Genau die gleichen Fragen habe ich mir auch gestellt, außer der letzten! Die Idee mit dem Anhänger finde ich genial.
    Aber da muss mal wieder die Politik eingreifen, die E-Fahrzeug Hersteller müssen zu ihrem Glück* gezwungen werden:
    Die Fahrzeuge müssen so (genormt) gestaltet werden, dass sie mit dem Anhänger klar kommen:
    Abhängerkupplung und Anschluss kann mit bestellt oder nachgerüstet werden.
    *Das wäre mit Sicherheit ein wesentlicher Kaufanreiz für ein Elektroauto. Tagsüber könnte ich mit meinem Solarstrom vom Dach den Anhänger laden und Nachts, wenn ich zuhause bin mein E-Auto damit laden! Und nicht mit Kohlestrom. Win-win für alle.

  2. In Frankreich sicher interessant, da bei trockener Fahrbahn 130 km/h auf Autobahnen erlaubt sind mit Anhaenger. In Deutschland mit Limit auf 100 km/h rechne ich mit wenig Akzeptanz.

  3. Die Zoe mit AHK ist wahrlich lustig. Leider bekommt man auf Nachfrage vom Renaulthändler keine angeboten. Allerdings finde ich die Idee gar nicht so dumm, sieht nicht mal hässlich aus und so ein Hänger ist kein echter Energiefresser. Das meiste an Antriebsenergie auf längeren Reisen mit konstanter Geschwindigkeit geht auf das Konto des Windwiderstandes und der Hänger erhöht diesen nicht unbedingt. Wir fuhren selbst Verbrenner mit niedrigem Hänger in den Urlaub – am Verbrauch änderte sich wenig.

  4. Bleiben also „nur“ ein paar Fragen:

    – Wie viele Elektroautos verfügen über eine Anhängerkupplung?

    – Bei wie vielen Elektroautos kann eine Anhängerkupplung nachgerüstet werden?

    – Bei wie vielen Elektroautos befindet sich der Stromanschluss an einer Stelle, die vernünftig von einem Anhänger aus erreichbar ist?

    – Wie viele Elektroautos sind für’s Laden während der Fahrt ausgelegt?

    – Um wie viel steigt der Stromverbrauch, wenn man ständig so einen Anhänger hinterher zieht?

    – Wie verzweifelt muss die Politik inzwischen sein, dass sie selbst solche Schnapsideen finanziell fördert?

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