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Enttäuschung für Fans des Kabinenrollers Microlino: Der für April geplante Auslieferungsstart wird verschoben. Grund ist, dass Hersteller TMI an den deutschen Sportwagen-Hersteller Artega verkauft wurde. Jetzt gibt es offenbar Streit über Qualität und Produktion. Zudem plant Artega, selbst noch dieses Jahr einen ganz ähnlichen Kabinenroller herauszubringen, streitet aber eine direkte Konkurrenz ab.

Microlino-Team beklagt Qualitätsprobleme und Verlust von Know-how

Der Schweizer Hersteller Micro Mobility Systems will den Microlino, eine Neuauflage der legendären Isetta, als elektrisches Mini-Stadtauto auf den Markt bringen. Die Serienproduktion sollte TMI übernehmen, eine Tochter des italienischen Unternehmens Tazzari. Nach über drei Jahren Zusammenarbeit wurde TMI an Artega verkauft, ohne dass das Microlino-Team dies verhindern konnte.

Nach dem Verkauf an Artega sei kein einziger Mitarbeiter oder Manager bei TMI geblieben, was zum Verlust von langjähriger Erfahrung führte, schreiben nun die Microlino-Macher. Der Verkauf zog zudem die Verlegung der Microlino-Produktion von Italien nach Delbrück nach sich, was bereits sehr viel Zeit gekostet habe.

Mit dem neuen Geschäftsführer Klaus Frers gäbe es nun Uneinigkeiten bezüglich der Qualität, Entwicklung und Produktion des Elektroautos. Der aktuelle Entwicklungsstand der Vorserienfahrzeuge erfüllt demnach noch nicht die Qualitätsstandards der Schweizer. Sie sehen sich deshalb gezwungen, den Auslieferungsstart nach hinten zu verlegen, „um TMI mehr Zeit zu geben, die Entwicklung zu unserer Zufriedenheit abzuschließen.“

Artega tritt mit eigenem Kabinenroller gegen den Microlino an

Brisant und merkwürdig an der ganzen Sache ist, dass Artega offenbar parallel einen eigenen elektrischen Kleinstwagen herausbringen will: Artega-Chef Klaus Frers sagte gegenüber Handelsblatt/EDISON, er wolle selbst einen „stylisch-hochwertigen“ Kabinenroller bauen, den Karolino. Die Microlino-Macher planten dagegen ein eher spartanisches Modell, sagte er. Rechtliche Probleme sieht er nicht, man sei gewappnet, habe die Werkzeuge schon bestellt. Für die Serienfertigung des Elektrofahrzeuges sei Artega weiter offen. Sein Kabinenroller soll auf der Automesse IAA in Frankfurt Premiere feiern und im Oktober ausgeliefert werden. Frers ist auch Chef des Autozulieferers Paragon und Aufsichtsratsvorsitzender beim Batteriespezialisten Voltabox.

Merlin Ouboter, einer der Microlino-Macher, sieht die Frage nach den rechtlichen Problemen anders: „Der Joint-Venture-Vertag mit TMI lässt das nicht zu“, erklärt er gegenüber EDISON. Er mache sich deshalb wegen des Karolinos keine Sorgen. Man kann trotzdem davon ausgehen, dass es hinter den Kulissen heiß hergeht. Das Microlino-Team stellt sich den Berichten nach auch auf eine mögliche Serienfertigung bei einem anderen Partner ein. Man verhandele bereits und arbeite an einem Plan B, sagte Ouboter.

Auslieferung des Microlino in Deutschland unklar

Die Schweizer machten keine genauen Angaben darüber, wie lange sich die Auslieferung des Microlino für deutsche Kunden verzögert. Ouboter hofft, in der Schweiz die ersten Kunden im Sommer beliefern zu können. Es gibt schon über 15.000 Vorbestellungen für den Retro-Flitzer, der bereits alle Straßenzulassungen hat. Alle Vorbesteller sollen einen persönlichen Prioritätscode per E-Mail bekommen, der zumindest eine schnellstmögliche Auslieferung sicherstellt. Weitere Vorbestellungen wollen die Schweizer vorerst nicht annehmen. Ein Konfigurator, mit dem sich Interessenten ihren persönlichen Microlino schon einmal zusammenstellen können, wird trotzdem noch im Mai freigeschaltet.

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Quellen / Weiterlesen

Auslieferungsstart der ersten Microlinos verschoben | Micro Mobility Systems AG
Microlino verschiebt Auslieferungsstart | Vision Mobility
Verzögerungen bei Auslieferungsstart des Microlino | electrive.net
Schweizer Kleinst-Elektroauto Microlino verzögert sich weiter | ecomento.de
Der Karolino tritt gegen den Microlino an | Edision
Bildquelle: © Micro Mobility Systems AG
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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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