Der chinesische Autohersteller Aiways will künftig Elektroautos mit Methanol-Brennstoffzellen vermarkten. Bei dieser Hybrid-Technologie wird das Brennstoffzellenfahrzeug mit flüssigem Methanol betankt. Der Vorteil ist, dass es für Methanol im Gegensatz zu Wasserstoff bereits eine Tankinfrastruktur gibt.

Vorstellung des Methanol-Brennstoffzellenantriebs in Shanghai

Seit Anfang 2019 ist Aiways an Blue World Technologies beteiligt, einem dänischen Entwickler und Hersteller von Komponenten und Systemen für Methanol-Brennstoffzellen. Auf der Importmesse China International Import Expo in Shanghai präsentierte Aiways nun Anfang November seine batterie-elektrische Fahrzeugplattform auf dieser Basis.

Die Aiways-Lösung arbeitet mit einer Brennstoffzelle, die aus einem Liter Methanol 2 Kilowattstunden Strom erzeugt. Der interne Tank fasst 70 Liter, hinzu kommt eine Pufferbatterie mit 70 kWh Kapazität. Die Gesamtreichweite des Systems beträgt laut Aiways etwa 1.000 Kilometer. Ein weiterer Vorteil: Ein Methanoltank lässt sich in wenigen Minuten betanken. Auch der Supersportwagen RG Natalie von Roland Gumpert fährt mit einer Methanol-Brennstoffzelle.

Methanol vs. Wasserstoff

Normalerweise erzeugen Brennstoffzellenfahrzeuge ihren Strom aus Wasserstoff. Für Wasserstoff gibt es allerdings noch keine Tankinfrastruktur, und diese aufzubauen, ist sehr teuer. Auch die Verteilung von Wasserstoff ist schwierig, weil das Gas für den Transport komprimiert und in speziellen Fahrzeugen befördert werden muss. Methanol dagegen nutzt dieselbe Infrastruktur wie Diesel- und Benzinfahrzeuge, weil es bei Umgebungsdruck flüssig ist. Es lässt sich deshalb problemlos transportieren. Methanol kann aus Wasser und CO2 hergestellt werden, das aus der Luft abgeschieden wird. Geschieht das mit erneuerbaren Energiequellen, ist Methanol zudem CO2-neutral. Es hat allerdings eine geringere Energiedichte als Wasserstoff.

Aiways will mit seinem Brennstoffzellenantrieb die Kommerzialisierung von Elektrofahrzeugen voranbringen. Der chinesische Hersteller teilte mit, er habe mit seiner neuen Technologie die Unvollkommenheiten überwunden, die Wasserstofffahrzeuge mitbrächten. Dazu gehören auch die sichere Lagerung und das schnelle Tanken von Flüssigkraftstoff. Das reduziere die Entwicklungskosten des gesamten Fahrzeuges und verlängere seine Reichweite, sagte Wu Wei, Vizepräsident von Aiways Powertrain. Die Reichweitenangst sei allerdings schon beim aktuellen Stand der Technik unbegründet.

Quellen / Weiterlesen

Aiways arbeitet an Methanol-Brennstoffzellen | Automobil Produktion
Aiways packt Methanol in die Brennstoffzelle | Motor Zeitung
Methanol macht das Auto zum Kraftwerk | Edison
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

3 KOMMENTARE

  1. Methanol zur Stromerzeugung mit Brennstoffzelle wird bereits bei Segeljachten auf hoher See oder Atlantik -überquerungen etc. zur Stromerzeugung seid Jahren benutzt.

  2. Auch hier wird der Treibstoff mindestens 3-mal so teuer kommen wie der Direktstrom.

    Akkus sind heute schon so weit, dass keine Reichweitenangst mehr aufkommen muss. Auch das wirkliche Schnellladen (das man ja bei vielleicht 1 % der Fahrten bracht) ist schon sehr weit.

    Die „schon vorhandene“ Infrastruktur wird eher ein Hemmnis sein. Schon heute haben wir 50 % mehr eZapfen als Verpesterzapfen, und jedes Jahr kommen Tausende dazu. Offiziell Tausende. Die ganzen Heimladestationen sind da noch gar nicht mitgerechnet.

    Hier geht es nur darum, eine veraltete Technik (das Flüssigtanken) noch etwas länger nutzen zu können.

    Nebenbei: Auch dieses wie alle FoolCell-Autos braucht noch einen Akku, da die FoolCell ein miserables Dynamikverhalten hat und Bremsenergie ja auch noch gespeichert werden muss.

    Fazit: Hier werden wieder Fördermillionen abgegriffen wie bei Luftautos, Wasserautos und anderen vorhersehbaren Sackgassen.

  3. Das alles klingt sehr viel versprechend, hoffentlich das bleibt so! Einfache Technologie, sichere Distribution, endlose Ressourcen und dazu noch Entnahme von CO2 aus der Luft und dadurch Abkühlung unser Planet – das wäre ein guter Start in eine neue Verkehrsära. Ja, rein theoretisch der Batterieantrieb ist die eleganteste Art für die Energiedistribution – Stecker rein, Stecker raus und fertig. Das Problemsammlung dabei ist aber äußerst komplex: Ressourcen, Kosten, Gewicht, Ladezeit und, wahrscheinlich das schlimmste, Recycling – Lithiumionenbatterien sind Sondermüll der für Ewigkeit bewahren werden muss! Das chinesische Regierung die Fördergelder für Batteriebetrieb ganz plötzlich gekürzt hat, zeigt, dass die viel schneller als die Europäer denken und reagieren können!

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