Forscher der HTW Berlin haben erneut Solarstromspeicher unter die Lupe genommen und ihre Energieeffizienz getestet. Von den 21 untersuchten Speichern erreichten vier die Bestnote. Das erfreuliche Ergebnis: Solarspeicher arbeiten insgesamt immer effizienter.

Die Testsieger der Stromspeicher-Inspektion 2022

In diesem Jahr haben sich neben den Marktführern BYD und Sonnen sieben Unternehmen mit neuen Produkten an der Stromspeicher-Inspektion beteiligt, darunter Fenecon, Solax und Varta.

Um die Energieeffizienz der Speicher vergleichbar zu machen, nutzen die Forscher einen sogenannten System Performance Index (SPI). Die Speicher teilten sie in zwei Leistungsklassen ein – bis 5 kW und bis 10 kW. Bestnoten erhielten RCT Power, Fronius und BYD sowie mehrere Hybridwechselrichter von KACO, KOSTAL und GoodWe.

In der kleineren Leistungsklasse erhielt erneut der Hybridwechselrichter Fronius Primo GEN24 6.0 Plus gemeinsam mit der BYD Battery-Box Premium HVS 7.7 die beste Bewertung. In der größeren Leistungsklasse bis 10 kW setzte sich der Stromspeicher Power Storage DC 10.0 von RCT Power durch, er erreichte einen SPI von 95,1 Prozent.

Große Unterschiede zwischen den einzelnen Speichern

Die HTW sieht einen positiven Trend bei der Energieeffizienz. Noch 2020 erreichte nur ein einziges System einen SPI von über 93 Prozent. In der diesjährigen Stromspeicher-Inspektion waren es dagegen schon sechs Geräte. Dennoch weisen die Forscher auf die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Systemen hin. Die Effizienzverluste der weniger gut platzierten Systeme sind mehr als doppelt so hoch wie die der Testsieger.

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Quelle: © Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin

Mehr Energieeffizienz heißt mehr Autarkie

Die Forscher der HTW erklären anhand von Beispielen, warum sich energieeffiziente Speicher lohnen. Simuliert man den Speicher im laufenden Betrieb in einem Einfamilienhaus, zeigt sich: Je geringer die Effizienzverluste sind, desto höher ist der Autarkiegrad im Jahresmittel. Das geht so weit, dass der effizienteste Solarspeicher einen höheren Autarkiegrad ermöglicht als ein fast 3 kWh größeres, aber weniger effizientes System.

Besonders lohnend ist dies bei Privathaushalten mit Wärmepumpe und Elektroauto. Denn eine Solaranlage mit 10 kW und ein hocheffizienter Speicher mit 10 kWh können zusammen die Stromkosten pro Jahr um bis zu 2.000 Euro senken, so die HTW.

Pauschalannahmen werden widerlegt

Die Forscher der HTW haben im Rahmen ihrer Stromspeicher-Inspektion seit 2018 über 60 AC- und DC-gekoppelte Solarstromspeicher getestet. Dabei konnten sie auch bestimmte Annahmen widerlegen – etwa, dass die Hybridwechselrichter der DC-Systeme automatisch eine hohe Effizienz besitzen.

Denn das bestätigt sich im Labor nicht: Die mittleren Wirkungsgrade der Hybridwechselrichter im Test unterscheiden sich um bis zu 12 Prozentpunkte. „Damit DC-Systeme ihre Effizienzvorteile ausspielen können, sind sie auf hohe Batteriespannungen von mehreren hundert Volt angewiesen“, erklärt Nico Orth, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HTW Berlin und Mitautor der Studie.

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Quelle: © Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin

Der Markt für Solarstromspeicher und PV-Anlagen wächst

Insgesamt zeigen die Testergebnisse, dass viele Hersteller ihre Geräte in punkto Energieeffizienz optimiert haben. Die Untersuchung zeigt auch, dass sich der Markt für Photovoltaik-Speicher positiv entwickelt. Im Jahr 2021 wurden in Deutschland über 200.000 Photovoltaikanlagen mit einer Nennleistung bis 20 kW installiert, das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2020. Bei den Stromspeichern war das Wachstum sogar noch stärker, der Markt wuchs um das Dreifache.

Die „Stromspeicher-Inspektion 2022“ entstand im Rahmen des Projekts „Bewertung der Performance von Stromspeichersystemen (Perform)“. Bis zum 15. Dezember 2022 können sich Speicherhersteller an der nächsten Runde des Tests beteiligen.

Quellen / Weiterlesen

Stromspeicher-Inspektion 2022 | HTW Berlin
21 Solarstromspeicher im Vergleich: Testsieger der Stromspeicher-Inspektion 2022 verteidigen ihre Titel | HTW Berlin
Bildquelle oben: flickrGreen Energy Futures

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    Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

    3 KOMMENTARE

    1. Hi,

      kann es sein, dass sich da ein Fehlerteufel eingeschlichen hat, oder interpretiere ich das am Ende falsch?!

      2021 wurden 200.000 PV Anlagen mit einer Nennleistung von 20kW errichtet? Das würde ja im Schnitt 0,1 kW pro Anlage ergeben. Klingt für mich als zu wenig, bei der Summe an Anlagen.

      Gruß Denis

    2. Der Titel spricht über Solarstromspeicher. Der Artikel jedoch über die Wechselrichter.
      Oder verstehe ich es hier nicht richtig?

    3. Hallo Denis
      Im Text steht: „2021 wurden in Deutschland über 200.000 Photovoltaikanlagen mit einer Nennleistung bis 20 kW installiert…“ und nicht „…mit einer Nennleistung von 20 kW...“. Es wurden also nicht 200.000 PV-Anlagen mit einer (Gesamt-)Nennleistung von 20 kW installiert, sondern jede einzelne Anlage hat eine Leistung von bis zu 20 kW.
      Viele Grüße
      Stephan

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