Highview Power aus Großbritannien hat ein System zur kryogenen Energiespeicherung entwickelt, das im Gigawattbereich arbeitet und überall eingesetzt werden kann. Kryogene Speicher wie die CRYOBattery speichern Energie in flüssiger Luft und sind sehr langlebig.

So funktionieren kryogene Speicher

Kryogene Energiespeicher komprimieren Luft und kühlen sie auf -196 Grad Celsius zu flüssiger Form herunter. Dann ist ihre Dichte 700-mal höher als im gasförmigen Zustand. Wenn man die Luft wieder erwärmt, dehnt sie sich mit hoher Geschwindigkeit aus und kann dabei eine Turbine antreiben, die Strom erzeugt. Der Strom für die Kühlung der Luft stammt ebenfalls aus erneuerbaren Energien.

Großes Potential für die Energiewende

Die CRYOBattery von Highview Power ist patentiert und soll dieselbe Leistung wie ein konventionelles Kraftwerk erreichen. Ihr CO2-Fußabdruck ist klein, und die Batterie enthält zudem keine gefährlichen Materialien, so ihr Hersteller. Highview glaubt, dass kryogene Speicher gut geeignet sind, die schwankenden Einspeisemengen der erneuerbaren Energien auszugleichen. Die CRYOBattery kann Strom verlustfrei speichern und kann anders als Pumpspeicherkraftwerke zudem überall errichtet werden. Außerdem kommt sie – anders als Lithium-Ionen-Speicher – ohne kritische Materialien aus. Ihre meist aus Stahl bestehenden Komponenten können später weiterverwendet werden.

Nach eigenen Angaben hat Highview mit seiner CRYOBattery die derzeit einzige frei platzierbare Speicherlösung, deren Energiereserven für Wochen ausreichen, statt nur für einige Stunden oder Tage. Die Batterie kann Abwärme oder Kälte aus Industrieprozessen nutzen und so ihre Effizienz verbessern. Abwärme wird damit zu einer wertvollen Ressource für die kryogene Batterie. Die Stromgestehungskosten für ein System mit 200 MW/2 GWh betragen laut Highview 140 Dollar pro Megawattstunde Strom.

Projekte in verschiedenen Ländern geplant

Das britische Unternehmen hat bereits eine Partnerschaft mit dem US-Gashersteller Tenaska bekanntgegeben. In den USA sollen vier kryogene Speicher im Gigawattbereich entstehen, der erste davon in Texas. Ein fünftes Projekt entsteht im Mittleren Westen des Landes. Highview Power hat außerdem ein Joint Venture mit TSK gegründet, einem globalen Unternehmen für Engineering-Procurement-Construction. Gemeinsam wollen die Partner CRYOBattery-Projekte in Spanien, dem Mittleren Osten und Südafrika umsetzen. In Finnland kooperiert Highview mit Citec, um das Batteriesystem zu modularisieren.

Highview Power hat mit der Batterie den Ashden Award 2019 in der Kategorie „Energy Innovation“ gewonnen.

Quellen / Weiterlesen

The POWER Interview: Cryogenic Energy Storage Technology | Power
Cryogenic energy storage | Highview Power
Weltweit erster kryogener Energiespeicher | Edison

1 KOMMENTAR

  1. Sehr interessant!

    Im ersten Ansatz kommt es mir sehr erstaunlich vor, dass die Thermodynamik keinen Strich durch die Rechnung macht. „Ich vertraue mal darauf, dass die schon richtig gerechnet haben“ sag ich nicht mehr, seit immer wieder der Unsinn Wasserstoff für Pkw subventionsheischend durchs Dorf getrieben wird.

    Auf jeden Fall ist die Speicherung alles Andere als verlustfrei. Knapp 200 Grad Temperaturdifferenz sind auch bei bester Isolierung nicht verlustfrei zu halten.

    14 Ct pro kWh klingen viel, liegen aber immer noch unter den Stromgestehungskosten durch neue(!) Atomkraft. Hinkley Point B soll für 15 Ct pro kWh produzieren. Ohne Speicherung. Ohne Pufferung. Mit garantiertem Inflationsausgleich. Ohne Versicherung. Einziger Nachteil der kryogenen Speicher: Sie produzieren keine waffenfähigen Stoffe…

    Ob die wohl die flüssige Luft auch gleich verkaufen? Das wäre ein Zusatzgeschäft. Oder sind das andere Größenordnungen?

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