Die Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen steigt, und damit bei vielen Anlegern auch die Unsicherheit. Denn die Frage, welche Anlagen wirklich grün und nachhaltig sind, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Es fehlen einheitliche Standards.

Das Thema Nachhaltigkeit steht bei privaten und institutionellen Anlegern inzwischen hoch im Kurs. Die Summen, die in nachhaltige Investments fließen, steigen von Jahr zu Jahr. Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock etwa steckt in den nächsten Jahren Milliarden in erneuerbare Energien und Stromspeicher.

Umweltschädliche Anlagen als Risiko

Kein Wunder, denn herkömmliche Anlageformen dürften auf absehbare Zeit das Nachsehen haben. Klimaschädliche Anlagen wie fossile Brennstoffe werden als Geschäftsmodell irgendwann auslaufen. Schon heute verzichten einige große Versicherungen und Pensionskassen auf solche Investments. Und das nicht nur aus Imagegründen, sondern auch, weil solche Investments nach und nach zum Risiko werden können.

Keine einheitlichen Kriterien für nachhaltige Geldanlagen

Woran lässt sich nun eine nachhaltige Geldanlage erkennen? Der Begriff ist nicht klar definiert, es gibt eine ganze Reihe von Kriterien, die darunter fallen. Manche Anleger verstehen darunter nachhaltige Technologien und Produkte sowie Maßnahmen gegen den Klimawandel, andere legen auch Wert auf soziale und faire Produktionsbedingungen. Dabei können die Meinungen auseinander gehen: Etwa bei der Frage, ob Atomkraft als nachhaltige Geldanlage durchgeht.

Das ESG-Label als Orientierungshilfe

Eine gewisse Orientierung bietet das ESG-Label. ESG steht für „Environmental, Social, Governance“ und damit für bestimmte Kriterien einer ökologischen, sozialen und ethischen Ausrichtung und Unternehmensführung. Welche Voraussetzungen ein Investment aber erfüllen muss, um ein ESG-Label zu erhalten, ist nicht klar definiert. Die EU hat das Problem erkannt und arbeitet an einem einheitlichen Standard, um es gerade privaten Anlegern leichter zu machen, eine nachhaltige Geldanlage zu erkennen. Die festgesetzten Kriterien sollen dann EU-weit gelten. Bis es soweit ist, wird aber noch einige Zeit vergehen.

Dennoch ist eine als ESG-konform gekennzeichnete Anlage schon heute eine bessere Wahl als eine, die nicht so gekennzeichnet ist. Es gibt auch Analysehäuser, die Investments in Bezug auf Nachhaltigkeit bewerten. Doch am Beispiel Atomkraft sieht man, dass man sich darauf nicht blind verlassen kann: Das Analysehaus Sustainalytics und der Fondsanbieter Mirova, beides auf Nachhaltigkeit spezialisiert, schließen beispielsweise Atomkraft nicht aus.

Bis es einen einheitlichen, verlässlichen Standard gibt, müssen Anleger wohl auf die jeweiligen Fonds und ETFs vertrauen, die sich selbst als ESG-konform bezeichnen. Trotz der Tatsache, dass sich viele Unternehmen selbst gern grüner darstellen, als sie eigentlich sind. Eine genaue Überprüfung dürfte sich schwierig gestalten, da es für Anleger nahezu unmöglich ist, jedes im Fonds enthaltene Unternehmen genau unter die Lupe zu nehmen.

Quellen / Weiterlesen

Wie Anleger Rendite und gutes Gewissen verbinden können | manager magazin
Gretas Aktien – welches Investment ist wirklich nachhaltig? | manager magazin
Der Greta-Faktor: Darum sollten Anleger beim Thema Nachhaltigkeit achtsam sein | Die Wirtschaftsnews
Prima Klima im Portfolio | Welt
Bildquelle: Pixabay
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

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