Erneuerbare Energie boomt in Indien, der Sektor ist in den letzten fünf Jahren rasant gewachsen. Ein gutes Investitionsklima und fallende Preise locken ausländische Investoren an. Doch es gibt noch mehr, was das Land tun kann, um Investitionen aus dem Ausland weiter anzukurbeln.

Ehrgeizige Ausbauziele für erneuerbare Energien in Indien

Indien hat weltweit eins der größten Ausbauprogramme für erneuerbare Energien aufgelegt. Im Jahr 2015 erklärte die Regierung des Landes, man wolle bis 2022 insgesamt 175 Gigawatt Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Sehr günstige politische Rahmenbedingungen, stetige Kapitalzuflüsse, fallende Preise und neue Technologien führten dazu, dass die Erneuerbaren in Indien innerhalb kurzer Zeit stark zulegen konnten.

Zwischen 2014 und 2019 wuchs der Erneuerbare-Energien-Sektor in Indien pro Jahr um 17,5 Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energie an Indiens Energiemix stieg in diesem Zeitraum von 6 auf 10 Prozent. Heute sind 83 Gigawatt Erneuerbare am Netz, weitere 31 Gigawatt sind im Bau, und weitere 35 Gigawatt ausgeschrieben. Indien gehört damit zu den fünf größten Energieproduzenten der Welt und wird sein ursprüngliches Ziel wahrscheinlich übertreffen. Genauer gesagt peilt das Land jetzt 225 GW erneuerbare Energie im Jahr 2022 an und bis 2030 einen Anteil von 40 Prozent an der Energieerzeugung.

Steigende ausländische Direktinvestitionen

Wenig überraschend ging dieses Wachstum mit einem sprunghaften Anstieg an Investitionen einher, sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland. Seit 2014 flossen über 42 Milliarden Dollar in den indischen EE-Sektor, und zwischen April 2000 und Juni 2018 etwa 7 Milliarden Dollar an ausländischen Direktinvestitionen. 2017-2018 überstiegen die ausländischen Investitionen zum ersten Mal die Milliardenmarke und 2018-2019 stiegen sie um über 20 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar.

Das Geld stammt von multilateralen und bilateralen Agenturen sowie von Staatsfonds, die in großem Stil direkt in Indiens EE-Sektor investieren. Sie investieren in Solar- und Windparks, Elektroautos und Stromspeicher-Projekte. Alles spricht dafür, dass Indien für Anleger, die in erneuerbare Energien investieren wollen, auch weiterhin ein attraktiver Standort bleibt. Denn die Regierung des Landes setzt sich weiter ehrgeizige Ziele und will mit diversen Reformen das Vertrauen der Investoren stärken.

Indiens Energiehunger steigt

Für ein Land, in dem ein Sechstel der Weltbevölkerung lebt, ist Indiens Energieverbrauch pro Kopf sehr gering. Indien hat aktuell 365 GW Stromerzeugungskapazität am Netz. Damit liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei nur einem Viertel dessen, was China verbraucht, und bei einem Dreizehntel des Stromverbrauchs in den USA. Der Energiebedarf Indiens wird allerdings in die Höhe schnellen, da seine Wirtschaft schnell wächst. Der Trend zur Verstädterung, steigende Einkommen und eine stetig wachsende Bevölkerung tragen ebenfalls dazu bei.

Studien zufolge wird sich Indiens Anteil am weltweiten Primärenergiebedarf bis 2040 ungefähr verdoppeln und dann bei etwa 11 Prozent liegen. Um diesen Bedarf zu decken, wird das Land bis 2030 etwa doppelt so viel Strom erzeugen müssen wie jetzt. Dabei muss es gleichzeitig seine Verpflichtung erfüllen, seinen CO2-Fußabdruck im Vergleich zu 2005 um 35 Prozent zu senken. Um das zu schaffen, müsste etwa die Hälfte des zusätzlichen Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Das heißt, bis 2030 müsste Indien jedes Jahr 25 GW Erneuerbare neu ans Netz bringen. Dazu wiederum braucht das Land bis 2022 etwa 76 Milliarden Dollar. Bis 2030 sind weitere 250 Milliarden nötig – ein riesiges Potenzial für Anleger.

Wie Indien das Umfeld für internationale Investoren verbessert

Um ausländisches Kapital anzulocken, hat die Regierung Indiens schon einiges getan: Ehrgeizige Ausbauziele, die Stärkung makroökonomischer Grundlagen, ein stabiler politischer Kurs und Steueranreize. Damit hat das Land seine Position im „Ease of Doing Business Index“ der Weltbank und im „Global Competitiveness Index“ des Weltwirtschaftsforums WEF stetig verbessert. Indiens Regierung arbeitet zudem daran, erneuerbare Energien bestmöglich ins Stromnetz zu integrieren. Das Land hat außerdem den Vorteil eines großen Marktes für EE-Projekte an vielen verschiedenen Standorten im ganzen Land.

Zudem ist der EE-Sektor in Indien nicht nur groß, sondern auch gekennzeichnet durch gesunkene Risiken, berechenbare Renditen und mittlere bis hohe Gewinne. Also genau das, was institutionelle Investoren aus dem Ausland suchen. Die risikobereinigten Überschussrenditen sind in Indien höher als in anderen vergleichbar großen Märkten wie USA oder China.

Erneuerbare Energien in Indien sind für institutionelle Investoren auch deshalb attraktiv, weil die Erträge in ihren Heimatmärkten zurückgehen. Erneuerbare sind zudem attraktiver als andere Infrastruktur-Subsektoren wie etwa fossile Brennstoffe, was Gewinnspannen und Cash-Flow-Variabilität angeht. Das liegt auch teilweise daran, dass die Kapitalkosten für fossile Kraftwerke steigen.

Investitionen in Indiens Netze und weitere Maßnahmen notwendig

Dennoch gibt es noch mehr, was Indien tun kann, um potentielle Hemmnisse zu beseitigen. Zum Beispiel die Übertragungsnetze weiter verbessern, den Landerwerb erleichtern, Vertragssicherheit garantieren und die Preisdeckelung bei Auftragsauktionen überdenken, die die Gewinnspanne von Investoren empfindlich schmälern kann.

Weiterhin muss das Land seine verschuldeten staatseigenen Stromversorgungsunternehmen aus der Krise führen, so dass sie ihre Verpflichtungen einhalten können, einen bestimmten Anteil ihres Stroms von EE-Produzenten zu kaufen und Zahlungen an diese pünktlich zu leisten. Außerdem sollte Indien einen Mechanismus einführen, der Investoren gegen solche Zahlungsausfälle absichert. Eine Absicherung gegen Kursschwankungen wäre ebenfalls hilfreich. Werden alle diese Maßnahmen zeitnah umgesetzt, werden die Risiken für Investoren weiter sinken und damit Investitionen weiter angekurbelt.

Quellen / Weiterlesen

Why India is the new hotspot for renewable energy investors | World Economic Forum
Tariff Caps are Slowing Down Solar Auction Activity | Mercom India
Rs 3 lakh crore private power investment at risk as discoms delay payments | The Economic Times
Bildquelle: Pixrepo
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

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