In den USA könnten erneuerbare Energien schon 2020 zum ersten Mal mehr Strom erzeugen als Kohlekraftwerke. Das meldet die US-Behörde Energy Information Administration (EIA) in ihrem monatlichen Ausblick für Mai. Für 2021 sieht die EIA bei der Kohle wieder einen Zuwachs, doch die Erneuerbaren werden weiter vorne liegen.

Nachfrage nach Kohlestrom geht um ein Viertel zurück

Historisch gesehen war Kohle für lange Zeit die dominante Energiequelle in den USA. Noch vor einem Jahrzehnt stammte die Hälfte des amerikanischen Stroms aus Kohlekraftwerken. Trotz der Blockadehaltung von Präsident Trump, der die Kohle stärken möchte und den Klimawandel leugnet, legen die Erneuerbaren jedoch stetig zu.

Eine Hochrechnung der EIA geht nun davon aus, dass Erneuerbare in diesem Jahr die Kohle zum ersten Mal überholen. Grund ist der gesunkene Stromverbrauch in den USA wegen der Corona-Pandemie sowie niedrige Preise für Erdgas. Die EIA schätzt deshalb, dass die Nachfrage nach Kohle 2020 um 25 Prozent sinkt und diese nur für 19 Prozent des erzeugten Stroms in den USA verantwortlich sein wird.

In konkreten Zahlen heißt das, dass in diesem Jahr geschätzt 724,2 Milliarden Kilowattstunden Strom aus der Kohle stammen werden. Dem stehen 761 Milliarden Kilowattstunden aus erneuerbaren Energien gegenüber. Zum Vergleich: 2019 erzeugten Kohlekraftwerke insgesamt noch insgesamt 959,5 Milliarden kWh, Erneuerbare 688 Milliarden.

Die Corona-Pandemie verstärkt den Trend zu grünem Strom

Dass grüner Strom die Kohle irgendwann überholen würde, war abzusehen und wurde von vielen Experten vorausgesagt. Schließlich sinken die Erzeugungskosten stetig. Seit 2010 sind die Kosten für große Windparks laut New York Times über 40 Prozent gesunken, bei Solarstrom liegt der Rückgang sogar bei 80 Prozent. Die Coronakrise verstärkt und beschleunigt aber momentan den Trend hin zu den Erneuerbaren, weil Stromversorger in der Krise zuerst die teuren Kohlekraftwerke herunterfahren. Statt dessen setzen sie verstärkt auf Gas und Ökostrom.

Die EIA geht in ihren Hochrechnungen auch davon aus, dass der Stromverbrauch dieses Jahr um 5 Prozent sinkt. Das bedeutet auch, dass die CO2-Emissionen aus der Energieerzeugung in den USA um 11 Prozent sinken. Laut der New York Times ist dies der stärkste Rückgang seit mindestens 70 Jahren.

Kohlestrom wird wieder zulegen, doch Erneuerbare bleiben vorn

Die EIA weist aber auch darauf hin, dass die Hochrechnungen in diesem Fall besonders unsicher sind. Die Auswirkungen der Krise auf den Energiemarkt seien noch nicht vorbei. Die Behörde erwartet auch, dass die Energiepreise in der zweiten Jahreshälfte wieder ansteigen. Im Jahr 2021 wird die Nachfrage nach Kohle wieder um 10 Prozent nach oben gehen, schreibt die Behörde.

Dennoch erwartet sie für 2021 weiter einen Vorsprung bei den Erneuerbaren: Sie schätzt den Anteil der Kohle an der Stromerzeugung dann auf 810,3 Milliarden kWh und den Anteil der Erneuerbaren auf 833,8 kWh. Schließlich sind die Zeiten vorbei, in denen Stromversorger Bedenken hatten, dass die Lichter ausgehen, sobald mehr als ein kleiner Teil des Stroms aus Wind und Sonne stammt. Heute gleichen sie Schwankungen durch Gaskraftwerke aus, haben bessere Wettervorhersagen und setzen auch verstärkt auf große Batteriekraftwerke zum Netzausgleich.

Quellen / Weiterlesen

U.S. renewable energy on track to surpass coal in 2020 | AXIOS
Short Term Energy Outlook Shows Impact Of COVID-19 On Energy Sector | Forbes
In a First, Renewable Energy Is Poised to Eclipse Coal in U.S. | The New York Times
Short-Term Energy Outlook (STEO) | EIA
Bildquelle: pxhere
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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