Das Coronavirus wirkt sich auf alle Ebenen des Lebens aus, und könnte nun sogar den Strommix beeinflussen. Die Beratungsfirma Enervis hat für den Spiegel berechnet, was mit den Strompreisen passieren wird, wenn die Krise andauert. Der Ökostromanteil würde vermutlich steigen, und damit auch die CO2-Emissionen im Stromsektor sinken.

Anteil der Erneuerbaren könnte auf 45 Prozent steigen

Die deutsche Wirtschaft steuert auf eine Rezession zu, und das betrifft auch die Energiewirtschaft. Enervis prognostiziert: Bricht die Wirtschaft wegen des Coronavirus ein, könnten die Preise an der Strombörse EEX um bis zu 7,8 Prozent fallen. Der Anteil der erneuerbaren Energien könnte auf bis zu 45 Prozent steigen, berichtet der Spiegel aus den Ergebnissen.

Erfahrungswerte aus der Finanzkrise als Grundlage

Für die Berechnungen hat Enervis erste Prognosen darüber ausgewertet, wie sich die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus auf das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2020 auswirken. Außerdem flossen Erfahrungswerte mit ein, wie sich der deutsche Stromverbrauch in vergangenen Krisenzeiten entwickelte.

Im Jahr der Finanzkrise 2009 etwa schrumpfte die deutsche Wirtschaft um 5,7 Prozent, der Gesamtstromverbrauch ging um rund sechs Prozent zurück. Das war vor allem auf den Industriesektor zurückzuführen.

Das Bruttoinlandsprodukt könnte um 4,5 Prozent sinken

Jetzt prognostizierte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) einen ähnlich starken Rückgang des BIP wie damals vor zehn Jahren. Bei einem andauernden Lockdown bis Ende April könnte es um 4,5 Prozent sinken. Dauert die Situation bis Ende Juli, könnten es sogar 8,7 Prozent werden. Der Stromverbrauch der Industrie liegt bei normalem Wirtschaftswachstum bei bis zu 250 Terawattstunden im Jahr. Enervis geht davon aus, dass der Stromverbrauch der Industrie um 25 bis 75 Terawattstunden sinken könnte, je nachdem wie lange der Lockdown dauert.

Jahresstrompreis könnte um 3,10 Euro pro Megawattstunde sinken

Das heißt: Der mittlere Jahresstrompreis im Großhandel würde zwischen 0,97 und 3,10 Euro pro Megawattstunde sinken. Steigen würde dagegen der Anteil von Wind, Solarstrom, Biomasse- und Wasserkraftwerken am deutschen Stromverbrauch – von 42 auf 45 Prozent. Denn die meisten Ökostromanbieter würden die Produktion weiterlaufen lassen, während Steinkohlekraftwerke aus dem Markt gedrängt würden, so Enervis. Damit würden sich auch die CO2-Emissionen der Stromerzeugung um 12 bis 38 Millionen Tonnen reduzieren. In anderen Industrieländern dürfte die Entwicklung ähnlich ausfallen.

Quellen / Weiterlesen

Coronakrise lässt Ökostrom-Anteil steigen | Spiegel
Bildquelle: Pixabay
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

1 KOMMENTAR

  1. Der Titel ist etwas irreführend. Es gibt also nicht(!) mehr Ökostrom durch Corona (was ja auch keinen Sinn ergeben würde), sondern lediglich der relative Anteil steigt, da eben die Gesamtstromerzeugung und auch -nachfrage sinkt. Die absolute Ökostrommenge verändert sich nicht.

    Sonst könnte man auch jeden Sonntag schreiben: „Ohh Sensation!!! Ökostrom wieder im Vergleich zu Donnerstag extrem gestiegen.“ Einfach weil die Nachfrage Sonntags deutlich geringer ist und daher der relative Anteil steigt.

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