Kleinwindanlagen spielen hierzulande kaum eine Rolle. Sie könnten Privathaushalten oder Gewerbetreibenden grünen Strom liefern, doch sie rechnen sich kaum und werden zusätzlich von der Bürokratie ausgebremst.

Das können Kleinwindanlagen

Laut Bundesumweltamt verbrauchen Privathaushalte für Strom und Wärme ein Viertel der gesamten Energie in Deutschland. Gut die Hälfte davon stammt aus Erdöl und -gas. Eine dezentrale Energieproduktion aus vielen kleinen Erzeugern könnte diese Bilanz verbessern. Während Solaranlagen inzwischen auf vielen Dächern zu sehen sind, sind kleine Windkraftanlagen weitaus seltener anzutreffen.

Kleinwindanlagen haben eine Leistung zwischen 1 und 100 kW. Während kleinere Anlagen zum Beispiel abgelegene Forschungsstationen und Häuser oder auch Yachten versorgen, sind größere Anlagen auch für Firmen oder Bauernhöfe geeignet. Sie machen ihre Betreiber unabhängiger vom Stromversorger, vor allem, wenn sie mit einem Stromspeicher kombiniert werden.

In Deutschland haben es Hersteller schwer

Weltweit gibt es gut 300 Hersteller von Mini-Windrädern. In Deutschland haben in den vergangenen Jahren mehrere Firmen versucht, mit Kleinwindanlagen auf dem Markt Fuß zu fassen: Etwa Jacobs Energie, die Husumer Schiffswerft, REpower Systems oder B.Ventus, die alle inzwischen insolvent sind. Noch aktiv ist der Hersteller EasyWind aus Enge-Sande, doch der deutsche Markt für Kleinwindanlagen ist sehr schwierig.

Für Privatbetreiber kaum wirtschaftlich

Betreiber von Kleinwindanlagen erhalten eine feste Einspeisevergütung, wenn sie den erzeugten Strom ins Netz einspeisen. Die Vergütung liegt bei 7,39 Cent pro Kilowattstunde, die Anlage lohnt sich also nur, wenn man den Strom selbst verbraucht. Während Unternehmen am richtigen Standort mit Kleinwindanlagen auf jeden Fall nennenswert Stromkosten sparen können, sieht das bei Privathaushalten leider anders aus. Im Binnenland kann es bis zu 20 Jahre dauern, bis sich die Anlage amortisiert hat.

Bauämter verkomplizieren die Genehmigungsprozesse

Doch selbst wenn sich Privatpersonen davon nicht abschrecken lassen und sich aus Idealismus und Begeisterung trotzdem eine Mini-Windkraftanlage anschaffen, legen ihnen die zuständigen Ämter oft Steine in den Weg. Bei Kleinwindanlagen macht jedes Bundesland seine Regeln selbst. In den meisten Bundesländern dürfen sie nicht höher als 10 Meter sein, danach gelten sie als Bauwerke und sind genehmigungspflichtig.

Negativbeispiel Husum

Wie Energie und Management berichtet, verlangsamen die Bauämter in vielen Kreisen und Städten die Genehmigungsprozesse stark oder verhindern sie sogar. EasyWind-Geschäftsführer Hans-Günter Feddersen berichtet von einem Spießrutenlauf bei den beteiligten Behörden, obwohl seine Anlage EasyWind 6 schon an über 300 Standorten in Deutschland und im Ausland installiert wurde. Sie war die erste zertifizierte Anlage in Deutschland und ist für alle Windklassen zugelassen.

Feddersen sagte gegenüber Energie und Management, es gäbe bei jedem neuen Projekt immer wieder die gleichen Probleme. Er hebt besonders das Bauamt der nordfriesischen Stadt Husum negativ hervor. Dort habe man keine Ahnung von der Materie, aber auch kein Interesse, sich einzuarbeiten. Antragsteller von Kleinwindanlagen seien am Ende von der Willkür des Amtes abhängig. Eine Beschwerde beim Landrat läuft.

Welche Hindernisse bei der Antragstellung in Husum auftreten, macht das Beispiel eines Antragstellers deutlich, der ein Vogelschutzgutachten für 5.000 Euro einreichen musste. Außerdem verlangt das Husumer Bauamt dem Bericht zufolge seit Kurzem auch Eiswurf-Gutachten, obwohl es laut Hans-Günter Feddersen in den letzten 30 Jahren bei seiner Anlage kein einziges Mal Probleme mit Eiswürfen gab.

Der EasyWind-Chef sieht in dem Vorgehen die gezielte Benachteiligung einer dezentralen Energieerzeugungsform, die keine Lobby in der Politik hat. EasyWind richtet den Blick deshalb auch ins Ausland, etwa nach Dänemark, wo die Genehmigungen einfacher zu bekommen sind als in Deutschland.

Kleinwindanlagen könnten E-Autos laden und Wasserstoff herstellen

Im neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz ist die Privilegierung von Kleinwindanlagen für landwirtschaftliche Betriebe festgeschrieben, doch es ist noch unklar, ob das die Situation verbessert. Wie viel Kleinwindanlagen zur Energiewende beitragen könnten, zeigen einige Beispiele. Die erste Idee kommt von EasyWind selbst, der Hersteller arbeitet an einer nachhaltigen Ladelösung für Elektroautos. An Autobahn-Raststätten und auf Parkplätzen sollen Kleinwindkraftanlagen in Kombination mit Solarmodulen Strom für Batteriespeicher erzeugen. Dieser lädt bei Bedarf Elektroautos auf.

Außerdem entwickelt das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit Partnern eine effiziente Kleinwindanlage, mit der auch Privathaushalte grünen Wasserstoff herstellen können. Die Anlage erzeugt Strom für einen kleinen Elektrolyseur, der den Wasserstoff produziert. Dieser kann beispielsweise eine Brennstoffzelle im Haus versorgen, die Wärme und Strom erzeugt. Auch Wasserstoffautos könnten so direkt betankt werden. Eine dritte Idee kommt aus der Türkei, wo die vertikale Windkraftanlage „Enlil“ mitten in Istanbul Strom aus dem Fahrtwind vorbeifahrender Autos und Busse erzeugen kann.

Die Beispiele zeigen das Potenzial von Kleinwindanlagen für die Energiewende. Es ist zu hoffen, dass die Politik dieses Potenzial erkennt und die Rahmenbedingungen für die Anlagen für die Zukunft deutlich verbessert.

Quellen / Weiterlesen

Kleinwindanlagen werden ausgebremst | Energie & Management
Windkraft aus Kleinanlagen zur Selbstversorgung | Edison
Auch Kleinwind macht Strom | energie zukunft
Hoher Doppelbesuch auf dem GreenTEC Campus | GreenTEC Campus
Bildquelle: Wikipedia – Molgreen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

2 KOMMENTARE

  1. Hallo energy load. eu
    Habe mir ein Windkaftrad von als Laterne von JKGC gekauft für und habe statt auf 10m sie auf 1,70 m gkürtzt und montiert auf einem Fardständer
    Habe die Anlage auf ein Garagendach gestellt muß ich sowas auch anmelden bei der Baubehörde. mein Windkaftanlage liefert 600W

  2. Bravo, solche Leute brauchen wir!

    Dass der selbsterklärte und gescheiterte Klimaweltmeister Deutschland da eine ganz schlechte Rolle spielt, passt perfekt in die Versagenslinie der letzten Jahre und Jahrzehnte.

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