Bis 2030 sollen zwei Drittel unseres Stroms aus erneuerbaren Energien kommen. Bis dahin soll auch die Wasserstoff-Produktion deutlich steigen. Doch um genug Strom für die Wasserstoff-Elektrolyse zu erzeugen, geht der Ausbau der Erneuerbaren nicht schnell genug, wie eine Untersuchung von Aurora Energy Research zeigt. Das könnte dem Klima am Ende sogar schaden.

Windkraft und Wasserstoff sollen das Klima retten

Um die Klimaziele zu erreichen, soll Wasserstoff in den nächsten Jahrzehnten energieintensive Industrien in Deutschland dekarbonisieren, etwa die Stahl- und die Chemieindustrie. Den nötigen Wasserstoff will die Bundesregierung über Elektrolyse aus Strom erzeugen. Auch die Erneuerbaren werden ausgebaut, besonders die Offshore-Windkraft soll eine große Rolle spielen.

Wasserstoff aus Kohlestrom?

Doch die Analyse von Aurora Energy Research zeigt, dass diese Rechnung nicht aufgeht: Zwar sinken die Emissionen im Stromsektor durch den Ausbau der Offshore-Windkraft. Doch die Wasserstoff-Produktion treibt gleichzeitig den Strombedarf nach oben, so dass sich beide Effekte ausgleichen. Als Folge werde der Stromsektor trotz des Windkraft-Zubaus nicht sauberer, so die Aurora-Experten. Das würde bedeuten, dass der Strom für die Elektrolyse auch aus Kohlestrom kommt und damit noch klimaschädlicher ist als der heute genutzte sogenannte graue Wasserstoff, der aus Erdgas hergestellt wird.

Wenn die Bundesregierung die Erneuerbaren nicht schneller ausbaut, wird das Ziel von 65 Prozent bis 2030 verfehlt, warnen die Studienautoren. Mit dem steigenden Strombedarf für die Wasserstoff-Elektrolyse werden diese bei nur 55 Prozent Marktanteil landen. Damit beides funktioniert, müsse sich die heutige Erzeugungskapazität von 125.000 Megawatt bis 2030 fast verdoppeln, heißt es. Mit den aktuellen Ausbauzielen sei das nicht zu schaffen.

Diese Maßnahmen empfehlen die Studienautoren

Die Experten von Aurora Energy Research sind grundsätzlich mit der Strategie der Bundesregierung einverstanden, die Energiewende mit Wasserstoff umzusetzen. Es sei eben nur wichtig, die Wasserstofferzeugung und den Ausbau der Erneuerbaren als Gesamtpaket zu betrachten.

„Nur durch diese Koppelung lässt sich sicherstellen, dass der per Elektrolyse hergestellte Wasserstoff auch wirklich kohlenstoffärmer ist als der aus Erdgas erzeugte“, erklärt Jan-Lukas Bunsen, Projektleiter bei Aurora Energy Research. „Zudem lassen sich dann auch wirtschaftliche Synergien erreichen.“ Zum Beispiel, indem Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen ihre Überschüsse an Wasserstoffelektrolyseure verkaufen. Damit könnten sie ihre Einnahmen um bis zu 4 Prozent steigern. Das würde den Ausbau beschleunigen und dabei den Subventionsbedarf senken.

Abonnieren Sie unseren Newsletter um, regelmäßig über neue Wasserstoffprojekte informiert zu werden.




Auch der Ausbau der Stromnetze gehöre zum Paket: Viele neue Windkraftanlagen sollen in Meeresgebieten installiert werden, die bisher weder genehmigt noch ans Stromnetz angeschlossen seien. Dazu sind laut Studie bis 2030 mindestens 11.000 Kilometer neue Leitungen nötig. Auch die Infrastruktur für Transport und Speicherung des Wasserstoffs fehle noch, und industrielle Anwender müssen rechtzeitig ihre Anlagen umbauen, was je nach Einsatzbereich mehrere Jahre dauern könne. Dabei müssten sie auch Unterstützung bekommen.

Darüber hinaus empfehlen die Autoren ein System zur Zertifizierung des Wasserstoffs. Damit wäre klar, woher er stammt und wie umweltfreundlich er ist. Gut gemacht könne ein solches System die Nachfrage nach tatsächlich grünem Wasserstoff steigern und so den Ausbau der Erneuerbaren zusätzlich fördern, so das Fazit. Entscheidend sei, dass die Politik möglichst bald klare Rahmenbedingungen setze.

Quellen / Weiterlesen

Hydrogen could be a €120billion+ industry in Europe by 2050, with Germany emerging as the most favourable market for electrolysers | AURORA Energy Research
Sieben Maßnahmen für eine erfolgreiche Energiewende mit Wasserstoff | Erneuerbare Energien
Studie: Wasserstoffpläne der Bundesregierung erschweren Erreichen des 65-Prozent-Ziels | Aurora Energy Research via life PR
Studie: Wasserstoffstrategie könnte Emissionen steigen lassen | FinanzNachrichten
Aurora: Wasserstoffplan reicht für 65%-Ziel nicht aus | Solarify
Bildquelle: Pixabay

>>>> Energyload-Newsletter abonnieren <<<<



Andreas Huke
Andreas Huke ist seit vielen Jahren im Bereich Erneuerbare Energie tätig, insbesondere als Projektentwickler von Solar- und Windparks, insbesondere bei der Projektierung und dem Betrieb von Windparks und Solaranlagen. Andreas hat Maschinenbau an den Universität Leipzig und der TU Chemnitz studiert und war mehr als 7 Jahre Geschäftsführer der Burgenland Energie GmbH und der Zeitzer Stadtwerke. Insbesondere beschäftigen ihn der Kohleausstieg in Mitteldeutschland und das Thema Grüner Wasserstoff. Für den heiß diskutierten Kohleausstieg in Mitteldeutschland gibt es erste konkrete Projekte. Im Burgenland Kreis soll eine Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff aus regionalen grünen Rohstoffen errichtet werden. Andreas Huke, plant mit den dort ansässigen Firmen eine Referenzanlage zu errichten. Diese soll dann in die Unternehmen, die jetzt noch die Braunkohleförderung durchführen, hineingetragen und dort breit weiterentwickelt werden. Hierdurch soll wenigstens für einen Teil der wegfallenden Arbeitsplätze eine zukunftssichere Alternative geschaffen werden.

3 KOMMENTARE

  1. Wasserstoff ist nichts Anderes als ein Zwischenwirt. Und zwar einer mit einer ganz miesen Effizienz.

    Für Fahrzeuge ist er schon einmal nicht tragbar, weil er die dreifache Strommenge braucht wie ein BEV.

    Für die Stahlproduktion ist er natürlich sinnvoll, aber zum ERSATZ von Kohle. Wird er aus Kohle hergestellt, ist doch nichts gewonnen?

    Aber es ist so ein Hype um H2 losgetreten worden, dass die Augen der Geldgeber anscheinend völlig benebelt sind. Das Wort „H2“ öffnet anscheinend alle Geldbörsen.

    Solche warnenden Stimmen wie die der Autoren werden dann allzu gerne überhört.

    Dreh- und Angelpunkt ist doch die andauernde Weigerung von Mutti und ihrem Dicken, die Energiewende wirklich voranzutreiben. Die haben ja gerade in den letzten Jahren die Regenerativen regelrecht niedergeprügelt.

    Das Schlimme ist, dass der Altmaier nach außen noch behauptet, FÜR die Energiewende zu sein. Die reinste Heuchelei.

  2. Ich finde es immer wieder lustig wie von allen Beteiligten die Hydrogenase schlicht ignoriert wird. Und das schon seit Jahrzehnten. Kleinere Forschungsprojekte (Größere bekommen keine Forschungsgelder) haben aber durchaus Erfolge trotz beschränkter Mittel aufgezeigt. Mit dem jetzigen Stand der Forschung ist es schon möglich den Wasserstoffbedarf der Industrie und des Schwerlastverkehrs abzudecken. Benötigte Fläche entspricht der momentanen Fläche der Rapsfelder in Deutschland. Wird die Forschung zu Hydrogenase und industrielle Produktion mehr und ernsthaft gefördert, könnte das Ergebnis zu einer noch größeren Menge Wasserstoff auf noch kleinerer Produktionsfläche führen. Ja sogar noch zusätzlich Wasserstoffautos abdecken. Und alles ohne Strom aus Erneuerbaren. Womit die Erneuerbaren gar nicht mehr so stark ausgebaut werden müssten. Aber das ist ja nicht gewollt.

  3. Zur Wasserstoffgewinnung wird viel Strom gebraucht. bevor man die schon laufenden Windkraftwerke abschaltet, könnte man aus grünem Strom Wasserstoff herstellen. zur Diesel oder Benzinherstellung benötigt man auch 1,6 KW strom. Den Wasserstoff kann man lagern und in Stoßzeiten wieder mit der Brennstoffzelle Strom gewinnwn Kostenfaktor Null. wo bleibt der politische Wille

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here