Die Photovoltaik-Branche schlägt Alarm: Der sogenannte Solardeckel, also die Deckelung des Photovoltaikzubaus bei 52 Gigawatt, soll sofort aufgehoben werden. Die Bundesregierung will den Deckel für die Förderung zwar abschaffen, kann jedoch keinen Termin nennen. Schon jetzt haben Solarprojekte deshalb Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen. Wie kann die Energiewende gerettet werden?

Zubaugrenze bereits im April erreicht

„Die Lage ist verzweifelt“, sagt Raimund Kamm, Vorsitzender des bayrischen Landesverbandes Erneuerbare Energien. „Seit vielen Monaten gelingt es der Bundesregierung nicht, den Solardeckel zu entfernen, bei dessen Erreichen keine Vergütungen für Solarstrom mehr nach dem EEG bezahlt werden.“ Der Branchenverband BSW Solar geht davon aus, dass die Zubaugrenze von 52 GW im April erreicht wird.

Im Klimaschutzprogramm 2030 hat die Regierung selbst beschlossen, den Deckel zu streichen. Weil das bis heute nicht geschehen ist, ist die Förderung von Solarprojekten in Gefahr. Angaben der Solarbranche zufolge haben erste Projekte bereits Probleme bei der Finanzierung. Das hat auch Auswirkungen auf Installateure, Projektentwickler und Komponentenhersteller.

Bundesregierung nennt keinen Termin

Auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, wann der Solardeckel abgeschafft wird, antwortete Wirtschaftsstaatssekretär Andreas Feicht nur, die Bundesregierung werde die Abschaffung „schnellstmöglich“ umsetzen, berichtet das Handelsblatt. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte, mit ihrem Nichtstun schafft die Bundesregierung große Unsicherheiten für die gesamte Solarbranche. Sie riskiere wirtschaftliche Einbußen auch beim Handwerk.

Die Hoffnung ruht nun auf dem Parlament

Die Erneuerbare-Energien-Verbände aus Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen fordern deshalb jetzt die Bundestagsabgeordneten auf, trotz der Corona-Krise eine parlamentarische Gesetzesinitiative zu starten. Diese soll das Ende für den Solarzubau noch verhindern. „Wir brauchen eine Initiative aus der Mitte des Parlaments, um den drohenden Einbruch bei der Solarenergie noch abzuwenden“, sagte Reiner Priggen, der Vorsitzende des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW.

Priggen sagte, gerade in den Solar-Ländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen verhinderten Klientelinteressen und eine schwer nachvollziehbare persönliche Abneigung weniger führender Wirtschaftspolitiker gegen Erneuerbare den Zubau der günstigen Energieerzeugung.

Auch die Wirtschaft wird mittlerweile aktiv: Ein Bündnis aus mittelständischen Unternehmen und Organisationen verschickte einen Appell an die Landtagsabgeordneten von CDU und SPD. Das Bündnis fordert darin ebenfalls die umgehende Abschaffung des 52-Gigawatt-Deckels, um Milliarden-Investitionen noch in diesem Jahr freizusetzen.

Quellen / Weiterlesen

Ein Termin für die Abschaffung des Solardeckels ist noch nicht in Sicht | Handelsblatt
3 Erneuerbaren-Landesverbände fordern Parlamentarier zur Abschaffung des 52-Gigawatt-Deckels auf | pv magazine
Erneuerbaren-Verbände: Solarstromzubau droht Einbruch – gesamte Energiewende in Gefahr | Münster Journal
Bildquelle: flickrWindwärts Energie

4 KOMMENTARE

  1. Eine ganz einfache Lösung wäre, den Deckel für Wind- und Solarenergie für Anlagen mit Speicher aufzuheben, wenn der Speicher groß genug ist, nicht gebrauchte Energie aufzunehmen.
    Zusätzlich ist der Eigenverbrauch zu fördern und von Abgaben zu befreien. Die führt zu eine Stärkung der wünschenswerten, dezentrale Energieversorgung.
    Werden Speicher von Großanlagen verbrauchsnah angeordnet, wird die dezentale Aufstellung der Stromversorgung ebenfalls unterstützt.

  2. Der PV-Deckel sollte meiner meinung nach nicht beseitigt werden, da dadurch nur unsinnige Freiflächenanlagen gefördert werden, die aber nur unwirtschaftlichen Zusatzstrom erzeugen, und nur dazu dienen den PV-Enthusiasten Argumente zu liefern. Eine Ausnahme davon würde ich in Dachanlagen in Gewerbegebieten sehen, die den Eigenverbrauch dort tlw. abdecken. Und natürlich dachanlagen für Privatleute, allerdings mit Speicher. Übrigens: Ich habe schon lange eine PV-Anlage auf dem dach…

  3. @Grassus: Wie kommen Sie darauf, dass Freiflächenanlagen „nur unwirtschaftlichen Zusatzstrom erzeugen“? Haben Sie dafür auch einen Beleg oder andere Art Nachweis?

    Denn weder ist der Strom aus Freiflächenanlagen unwirtschaftlich, sondern ganz im Gegenteil deutlich wirtschaftlicher (da günstiger) als Strom aus kleineren Anlagen, noch ist es „Zusatzstrom“, sondern er wird erzeugt, ins Netz eingespeist und zeitgleich verbraucht, da der Bedarf da ist. PV-Strom wird so gut wie nie abgeregelt. Sie können sich das gerne hier einmal exemplarisch anschauen. Und bei Interesse können Sie den Zeitraum auch auf den Juli letzten Jahres wechseln, sodass ersichtlich wird, dass auch im Sommer nichts abgeregelt wird, sondern im Gegenteil noch fleißig konventionelle Erzeugung mit am Netz ist. Der Bedarf für mehr PV-Strom ist also noch lange vorhanden.

    https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_generation/30.03.2020/06.04.2020/

    Ihr Aussage verwundert mich daher sehr.

  4. Freiflächenanlagen können derart kostruiert werde, dass darunter ökologisch wertvolle Blükflächen angelegt werden können und so auch als Ausgleichsflächen dienen können.
    Bei entsprechender Konstuktion, die nur unerheblich teurer ausfannen wird, könnte auch Weidehaltung von Schafen, Schweinen oder Rindern zu eine Doppelnutzung der Fläche dienen. Der Einwand, dass die Tiere die Leitungen anfressen, möchte ich als absolut nicht stichhaltuig bezeichnen, weil dies mit einfachen Konstriktionsmitteln mit minimalen Mehrkosten verhiindert werden kann! Ebenso wäre die Nutzung von Poldergebieten durch aufgeständerte PV Anlagen sinnvoll. Freiflächen PV Anlagen haben eine fast dreifach höhere Nutzund der Sonnenennergie als Energiepflanzen, Dies bedeutet, dass selbst bei einem Verlust von 50% durch Speicherung oder PowerToGas Sywsteme der Netto-Stromertrag pro Flächeneinheit erheblich höher liegt, als es bei Energiepflanzen und Biogasanlagen mit Gaskraftanlsgen, selbst bei Wärmenutzung, der Fall sein kann.

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