Die Stadt Berlin will Verbrenner aus der Innenstadt verbannen. Wann genau, steht noch nicht fest, doch es könnte schon 2030 soweit sein. Wie man Elektrofahrzeuge in der Stadt künftig zuverlässig mit Strom versorgen kann, untersucht das Projekt iLaPark. Die Idee: Innerstädtische Parkhäuser sollen zu Ladezentren werden.

Berlin wird zur Zero-Emissions-Zone

Im Juni hat der Berliner Senat sein Klimapaket verabschiedet, mit dem die Stadt mittelfristig klimaneutral werden soll. Dabei spielt die Elektromobilität eine extrem wichtige Rolle: Elektroautos müssen für die breite Masse der Bevölkerung erschwinglich und alltagstauglich werden. Der Senat plant zunächst eine Zero-Emissions-Zone im Berliner S-Bahn-Ring, in die dann nur noch Elektrofahrzeuge und andere emissionsfreie Fahrzeuge einfahren dürfen. Diesel- und Benzinfahrzeuge müssen draußen bleiben. Geht es nach Umweltsenatorin Regine Günther von den Grünen, soll der Plan noch vor 2030 umgesetzt werden. Im zweiten Schritt soll dann ganz Berlin zur Zero-Emissions-Zone werden.

iLaPark: Optimiertes Laden in Parkhäusern

Es ist also zu erwarten, dass künftig deutlich mehr Elektrofahrzeuge in Berlin unterwegs sein werden. Eine zentrale Aufgabe ist der Ausbau des Ladenetzwerks. Das Projekt iLaPark setzt auf zentrale Ladezentren für Elektrofahrzeuge in Parkhäusern. Eine App informiert Fahrer über die nächstgelegene Lademöglichkeit, die ihren Anforderungen entspricht. Dabei werden der der Preis, Reservierungsmöglichkeiten und andere Details wie Ladedauer, Ladeleistung und Steckertyp einbezogen. Mithilfe Künstlicher Intelligenz optimiert das System die Auslastung der Parkhäuser und die Nutzung des verfügbaren Stroms. Über Anreize sollen Nutzer dazu motiviert werden, den Empfehlungen zu folgen.

80 Prozent der Fahrzeuge dürfen nicht mehr in die Innenstadt

Aktuell erarbeiten verschiedene Partner von iLaPark das Konzept für Parkhäuser in Frankfurt, das als Modellregion dient. Unter anderem ist House of Energy dabei, dessen Geschäftsführer Prof. Dr. Peter Birkner das Berliner Vorhaben als sehr ambitioniert einstuft. „Die geplante Zero-Emissions-Zone bedeutet eine radikale Veränderung des aktuellen Zustands in nur neun Jahren. Selbst, wenn in Deutschland bis 2030 die angestrebten sieben bis zehn Millionen Elektroautos fahren, wird circa 80 Prozent aller Fahrzeuge – nämlich den Verbrennern – die Zufahrt in die Innenstädte verwehrt werden.“

Eine gute Anbindung ist wichtig

Das heißt, dass es mehr braucht als Kaufanreize für Elektrofahrzeuge und eine gute Ladeinfrastruktur. Wichtig ist auch eine gute Anbindung an die Innenstadt für Fahrer von Verbrennungsfahrzeugen. Birkner nennt beispielsweise Park-and-Ride-Optionen in der Peripherie und den Ausbau des ÖPNV als Zubringer in die Innenstadt. „Autonome Züge und U-Bahnen, die rund um die Uhr fahren, könnten eine künftige Möglichkeit darstellen. Weitere Optionen sind Car Sharing oder Leihstationen für Fahrräder oder E-Bikes“ erklärt er. Der Zugang zu den Innenstädten müsse für alle möglich sein, wobei die zugelassenen Verkehrsmittel reglementiert werden. Mithilfe von Digitalisierung müsse man die neue Komplexität reduzieren, so Birkner.

Die Bevölkerung mitnehmen

Die geplante Zero-Emissions-Zone würde nicht nur Pendler und Anwohner betreffen, sondern auch Menschen, die etwa zum Einkaufen nach Berlin kommen. Schon jetzt fürchtet der Einzelhandel weniger Kunden durch das Verbrennerverbot. Man müsse die Bevölkerung mitnehmen, betont Birkner: Es brauche langfristig das richtige Change Management und neue Optionen. „Die Bevölkerung muss mitgenommen werden – durch Information, Partizipation und Integration. Die neue Attraktivität der Innenstadt müssen wir gemeinsam erarbeiten und gestalten. Und das künftige System muss Lösungen für all diejenigen bereithalten, die durch die Veränderung erst einmal Nachteile erleiden“, so Birkner.

Die Partner von iLaPark

iLaPark wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Technologieprogramms „IKT für Elektromobilität“ gefördert. Am Projekt sind die SyroCon AG, die EDAG Engineering GmbH, die Hubject GmbH und Intilion GmbH sowie das Research Lab for Urban Transport (ReLUT) der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) sowie das House of Energy e.V. beteiligt.

Quellen / Weiterlesen

Emissionsfreies Berlin: Elektromobilität ist der entscheidende Erfolgsfaktor | IKT für Elektromobilität via openPR
Parkhäuser der Zukunft: iLaPark zeigt wie intelligentes Laden in der Stadt funktioniert | SyroCon
Bildquelle: flickrmicharl_foto

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    Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

    2 KOMMENTARE

    1. Die Chancen stehen gut.
      CDU und CSU spielen bei der Regierungsarbeit zukünftig keine Rolle mehr.
      Die Wirtschaft wird fit für „Grün“ gemacht.
      Ich finde es gut, wenn mehr Autos aus den Städten verbannt werden.
      Es sollen auch mehr Wege für Radfahrer und ähnliche langsam fahrende Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotoren in die Innenstädte kommen, um die Luft wieder sauberer und die Nacht wieder leiser zu machen.
      Außerdem sollen auch mehr Parkplätze wieder in Bereiche umgewandelt werden, an deren grüne Oasen entstehen, um die Biodiversität und die Luftqualität zu verbessern.
      All das mit einem besseren ÖPNV wäre eine Steigerung der Lebensqualität in der Stadt.
      Das sollte man unterstützen!

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