Das Münchner Start-up Wirelane legt sich mit Tesla an. Der Grund: Die „Destination Charger“ des US-Autobauers, die etwa in Hotels vorzufinden sind, entsprechen nicht dem deutschen Eichrecht. Wirelane schlug deshalb den Betreibern einen Wechsel zu Wirelane vor. Nun könnte das Ganze vor Gericht landen.

Teslas Ladesäulen können den Ladestrom nicht genau abrechnen

Wirelane hat seit seiner Gründung rund 11.000 Elektroauto-Ladestationen ans Netz gebracht, die meisten davon in Hotels und Restaurants. Dort können Kunden als Extra-Service ihr Elektroauto umsonst aufladen. Auch Tesla zielt auf diesen Markt ab. Doch die Ladesäulen des Autobauers rechnen den Strom nach Kilowattstunde ab und müssten deshalb eigentlich nach deutschem Eichrecht einen Zähler haben, der den geladenen Strom genau messen kann.

Schon im Sommer machte das Handelsblatt darauf aufmerksam, dass Teslas Ladestationen nach deutschem Recht illegal in Betrieb sind, weil ihnen eben dieser Zähler fehlt. Dies nahm Wirelane-Gründer Constantin Schwaab im Sommer zum Anlass, potenzielle Kunden anzuschreiben und ihnen einen Wechsel zu Wirelane zu empfehlen.

Wirelane: „Hoteliers verschenken Strom im Wert von mehr als 10.000 Euro“

Betreiber aus dem Hotel- und Gastrobereich stellen ihren Kunden den Ladestrom in der Regel kostenfrei zur Verfügung, müssen aber selbst dafür zahlen. „Bei den aktuellen Strompreisen verschenken viele Hoteliers mit Tesla Destination Chargern jährlich Strom im Wert von mehr als 10.000 Euro – oder rechnen ihre Ladetransaktionen nicht eichrechtskonform ab“, schrieb Schwaab deshalb an die Betreiber.

Seine Empfehlung: Die Betreiber sollten doch ihre veralteten Tesla-Ladesäulen gegen eichrechtskonforme Wirelane-Ladepunkte austauschen. Denn dann könnten sie ihren Kunden den getankten Strom auch in Rechnung stellen, was wegen der immer höheren Strompreise manche Betreiber bereits tun.

Tesla mahnte ab, Wirelane will mit einstweiliger Verfügung reagieren

Dagegen ging Tesla vor, denn der Autobauer empfand Schwaabs Schreiben als Rufschädigung. Wirelane erhielt eine Abmahnung mit dem Inhalt, die Aussagen in dem Brief seien verkürzt und stellten eine „bewusste Beeinträchtigung des Rufes von Tesla“ dar. Außerdem seien sie geeignet, „die Ware und die geschäftlichen Verhältnisse von Tesla zu verunglimpfen und herabzusetzen“. Wirelane sollte eine Unterlassungserklärung unterzeichnen, forderte Tesla.

Dagegen will nun wiederum Wirelane vorgehen. Man sei überrascht und enttäuscht, dass Tesla direkt mit juristischen Drohungen reagiere. Die Abmahnung sei Schikane, man habe lediglich Tatsachen offengelegt, so der Anbieter. Die Unterlassungserklärung will Wirelane deshalb nicht unterschreiben. Stattdessen will Wirelane eine einstweilige Verfügung gegen Tesla beantragen, mit dem Ziel, dass alle Ladesäulen von Tesla in Deutschland stillgelegt werden.

Die beiden Unternehmen dürften sich vor Gericht wiedersehen. Für Wirelane hängen auch geschäftliche Chancen daran, denn die wichtigsten Kunden des Anbieters sind Hotels und Besitzer von Gewerbeimmobilien. Gegenüber dem Portal „Gründerszene“ sagte Constantin Schwaab auch: „Ich sehe mich von Tesla erheblich beim Ausüben meines Gewerbes eingeschränkt.“ Tesla profitiere überdurchschnittlich stark von der Infrastruktur, die Wirelane schaffe. Teslas Destination Charger, die nicht eichrechtskonform seien, gefährdeten dieses Angebot. Die Briefe an potenzielle Kunden waren trotz des Streits dennoch ein Erfolg für Wirelane: Dominic Schwaab sagte, es habe große Resonanz auf sein Schreiben gegeben.

Quelle / Weiterlesen

Tesla mahnt deutschen Anbieter für Ladestationen ab – Wirelane geht zum Gegenangriff über | finanzen.ch
Illegale Tesla-Säulen: Münchner Start-up legt sich mit US-Konzern an | t-online
„Ich werde alle Tesla-Ladesäulen stilllegen lassen“ | Gründerszene
Wirelane-Gründer will einstweilige Verfügung gegen Tesla einreichen | Startbase
Tesla betreibt in Deutschland die größte Anzahl an illegalen Ladesäulen | Handelsblatt
Warum Elon Musk juristisch gegen den deutschen Tesla-Konkurrent Wirelane vorgeht | Handelsblatt
Bildquelle: flickrMarco Verch

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    Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

    3 KOMMENTARE

    1. Es ist doch jedem Hotelier selbst überlassen, ob er für das Laden was berechnet und wie?

      100 kWh bei 20 Ct Selbstkosten sind dann halt 20,-. Ob sich das als Incentive lohnt, ist die Frage. Kommt aber nicht Jede mit leerem 100-kWh-Akku an.

      Hilfsvorschlag: 10 Ct pro kWh Kapazität berechnen und SoC auf Vertrauen angeben. Und nur 11 oder 7,4 kW freischalten.

      Wasser, Heizung, Shampoo, Strom und so werden ja auch nicht eichgerecht mit Zählern berechnet.

    2. Ich fahre seit 2016 einen Tesla S70D und habe immer im Urlaub als Rentner 77J kostenlos an Destinationchargern geladen. Diese liegen mitten in den Städten und man lädt über Nacht etc. auf ohne extra bei meinem Model 2015/16 länger bis 1h an einem Supercharger an Autobahn Kongresscentrum etc, zu stehen. Inzwischen sind wir 77TKM durch Westeuropa rumgestromert
      System Tesla Destinationcharger mit Kabel Stecjker Typ 2 gibt es mind.seit 2015 Europa/weltweit .
      Tesla hat die Ladepunkte für die Hotels, Einkaufscenter Restaurants Parkplätze selbst am Großglockner kostenlos zur Verfügung um TESLA Fahrern kostenloses Aufladen mit 11kwh/h zu ermöglichen. Meist oder fastimmer git es daneben einen Destinationcharger von Tesla für alle E Autofahrer mit Stecker Typ 2 dafpür wird von den Betreibern eine geringe Gebühr von 10€ /Tag genommen. Abhängig ggf. von Batteriegröße.
      Es gibt auch in den neuen Bundesländern an Ostsee Hotels etc. die einen eigenen Stromzähler für diese haben .
      Wenn plötzlich ein Startup nach Jahren der E Mobilität ihre Wallboxen verkaufen will und für den Strom hohe Preise verlangt kann es als GESCHÄFTEMACHER nicht verlangen das Tesla jetzt neue Zähler einbaut .
      Wir haben freie Marktwirtschaft dh. wenn Hoteliers das Laden als Werbung oder Bonus anbieten ist es Ihr Problem.
      Wir hatten auf unseren Urlaubsreisen auch in der Carmague auf einem Reiterhof im Ende Sept/Okt kein Problem dort in der Zeit unseres Aufenthalts zu Laden.
      Meist haben die Besitzer selber Teslas oder E Autos .
      Für die meisten Anbieter ist eine Listung im Tesla Navi als Destinationcharger preiswerter und sinnvoller als teure Werbung in Medien.
      Der Kläger ist wahrscheinlich verärgert weil er für seine Wallboxen in Medien werbung schalten und bezahlen
      muss.
      Tesla hat durch sein Online-System keine Werbung nötig verkauft trotzdem weltweit Millionen Teslas.

    3. Typisch deutsche Aktion. Es geht nix, was nicht genau geregelt ist.Es kann doch jeder beim Destination Charger weiterverrechnen, was er will.

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