Die Envision Group aus China will Elektroautofahrern das Leben leichter machen – mit einem mobilen Laderoboter. „Mochi“ wird per App gerufen und lädt das Fahrzeug selbstständig und automatisch auf, während es parkt.

Einsatz in Parkhäusern geplant

„Ihr Parkverhalten wird sich völlig verändern“, wirbt Envision-Geschäftsführer Lei Zhang für den Roboter. „Sie verbringen keine Zeit mehr mit der Suche nach Ladestationen. Sie müssen nicht mehr an der Ladestation warten.“ Der Roboter soll in den Parkhäusern großer Gebäude zum Einsatz kommen.

Mochi kann ein Fahrzeug in zwei Stunden mit Strom für bis zu 600 Kilometer versorgen und ist Envision zufolge mit den meisten aktuellen Elektro-Modellen kompatibel. Er ist mit Lokalisierungssoftware ausgestattet und startet den Ladevorgang am Fahrzeug automatisch. Envision überwacht den Vorgang aus der Ferne in Echtzeit. Der Roboter soll in diesem Jahr in Shanghai getestet werden und Elektroautofahrern den Alltag erleichtern, denn auch in China sind Ladesäulen knapp.

Die Laderoboter sind Teil eines neuen Energiesystems

Die Roboter sind für Envision Teil eines größeren Plans, denn der viertgrößte Windturbinenhersteller der Welt will ein neues Energiesystem schaffen. Dabei sollen Wind- und Solarenergie die Kohle bei der Stromerzeugung ersetzen, im Verkehr kommen Batterien und Wasserstoff zum Einsatz. Zum Geschäftsmodell von Envision gehört bereits die Herstellung von Batterien für den japanischen Autohersteller Nissan über die Tochtergesellschaft Envision AESC.

Envision entwickelt eine KI-gesteuerte IoT-Plattform, die Nachfrage und Angebot von Erneuerbaren Energien ausbalanciert. Sie verwaltet Erzeugungsanlagen für Erneuerbare Energien und andere Teile der Energieinfrastruktur. Durch den weit verbreiteten Einsatz von EV-Batterien lassen sich Angebot und Nachfrage im Energiesystem künftig flexibler steuern. Envision will außerdem selbst Wasserstoff aus erneuerbaren Energien herstellen und sucht dafür nach Partnern.

Wasserstoff gilt als Schlüsseltechnologie für die Sektoren, die sich nur schwer elektrifizieren lassen, vor allem die Stahlherstellung und die chemische Industrie. Eine Idee von Envision ist, jede Offshore-Windturbine mit einem Elektrolyseur auszustatten, der Wasserstoff produziert. Auch im Bereich Wettervorhersage ist der Konzern aktiv: Wenn die Energieversorgung einmal vollständig auf erneuerbaren Energien beruht, spielen Wetterprognosen eine Schlüsselrolle. Envision hat bereits ein eigenes Wettervorhersagesystem und hofft, dessen Genauigkeit durch den Aufbau eines eigenen Satellitennetzes zu verbessern.

Einen ähnlichen mobilen Laderoboter für Parkhäuser wie Mochi entwickelt übrigens die TU Graz gemeinsam mit den Unternehmen Alveri und Arti Robots.

Quellen / Weiterlesen

China wind turbine maker to launch EV-charging robots | Nikkei Asia
Envision Group launches green charging robot „Mochi“, the world’s first mass-produced charging robot 100% powered by green electricity | PR Newswire
Chinese greentech firm launches smart charging robot for EVs | Tech In Asia
Mochi Mooching In The Car Park | Electronics Weekly
Bildquelle: © Envision Group

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. Wenn der Profet nicht zum Berg kommt…

    Interessante Entwicklung. Wird spannend, wie sich die beiden Modelle parallel entwickeln: Steckdose an jedem Parkplatz vs Säule kommt zum Auto.

    Langfristig wird wohl die ubiquitäre Steckdose vorne sein (oder das berührungslose Pendant). Die 95 % der Zeit, die das Auto steht, reichen sogar für eine Ladung mit 1 kW…

    Soweit meine Glaskugel 😉

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