Plugsurfing hat zum 1. Januar 2021 seine Preise erhöht. Auf Facebook sorgt eine Berechnung für Wirbel, die angeblich zeigt, dass 100 Kilometer im Elektroauto 29 Euro kosten. Doch der Faktencheck von Correctiv zeigt: Diese Berechnung beruht auf unrealistischen Verbrauchswerten und Strompreisen. Im Schnitt kostet das Aufladen gerade einmal 8 Euro.

Neues Preismodell bei Plugsurfing

Plugsurfing ist ein Abrechnungssystem, mit dem Fahrer von Elektroautos bei verschiedenen Anbietern Strom tanken können. Die Abrechnung erfolgt zentral über Plugsurfing, statt bei jedem Anbieter einzeln. Seit Januar hat Plugsurfing sein Abo-Modell abgeschafft und rechnet jetzt Festpreise pro Kilowattstunde ab. Seitdem kostet das Laden beim Anbieter Ionity 1,09 Euro pro Kilowattstunde.

Der besagte Facebook-Beitrag rechnet nun vor: Ein Ladevorgang von 80 kWh kostet bei Ionity 87,20 Euro, was bei einer angenommenen Reichweite von 300 Kilometern einen Preis von 29 Euro pro 100 Kilometer ergeben soll. Der Beitrag wurde tausende Male geteilt. Er soll zeigen, dass nicht nur Elektroautos teuer sind, sondern auch das Aufladen.

Wichtiger Kontext fehlt

Die Faktenchecker von Correctiv haben den Beitrag nun ins rechte Licht gerückt. So sei die Darstellung irreführend, es fehle wesentlicher Kontext und die Werte, die der Berechnung zugrunde liegen, seien unrealistisch hoch angesetzt. Erstens wird im Beitrag nicht erwähnt, dass das Laden nicht immer und überall 1,09 Euro pro Kilowattstunde kostet. Die Ladesäulen von Ionity, einem Joint Venture verschiedener großer Automobilkonzerne, sind Schnellladesäulen mit 350 kW. Die Ladezeit dort ist besonders kurz, weshalb die Kilowattstunde mehr kostet als an einer herkömmlichen Säule. Zweitens wird nicht erwähnt, dass die Kilowattstunde nur über Plugsurfing 1,09 Euro kostet. Direktkunden von Ionity etwa zahlen nur 79 Cent.

Die Kilowattstunde kostet normalerweise nie mehr als 50 Cent

Was der Beitrag ebenfalls verschweigt: Man kann auch bei Plugsurfing sein Elektroauto deutlich günstiger laden, für 49 Cent an einer regulären Ladesäule oder für 59 Cent an anderen Schnellladesäulen. Ein Vergleich vieler verschiedener Anbieter, wie ihn etwa der ADAC veröffentlicht hat zeigt, dass der Preis pro Kilowattstunde normalerweise nie mehr als 50 Cent beträgt. Die in der Berechnung angesetzten 1,09 Euro bei Plugsurfing sind also der mit Abstand teuerste Tarif.

Der angenommene Verbrauch ist zu hoch

Weiterhin bemängelt Correctiv, dass der Facebook-Beitrag den Verbrauch von Elektroautos sehr hoch ansetzt. Aus einem Ladevorgang, der 87,20 Euro kostet, errechnet der Beitrag „bei einer geladenen Reichweite von 300 Kilometern“ 29 Euro pro 100 Kilometer. Wie Correctiv anmerkt, setzt dies voraus, dass ein Elektroauto 26,67 kWh auf 100 Kilometer verbraucht. Bei den meisten Elektroautos liegt der Verbrauch aber deutlich niedriger.

Correctiv verweist auf einen Test des ADAC vom Januar 2021, der den Stromverbrauch verschiedener Elektroautos auf 100 Kilometer unter die Lupe genommen hat. Das Ergebnis: Die Hälfte der Fahrzeuge verbrauchte weniger als 20 KWh, lediglich drei Modelle lagen über 26 KWh pro 100 Kilometer. Dem ADAC zufolge lässt sich der Stromverbrauch von E-Autos nicht pauschal berechnen. Er hängt neben der Batteriegröße auch von der Effizienz des Elektroautos ab.

Im Schnitt kosten 100 Kilometer im Elektroauto 8 Euro

Das Fazit von Correctiv: Der Facebook-Beitrag übertreibt sowohl beim Preis für das Aufladen als auch beim Verbrauch der Elektroautos. Die Kosten fallen im Schnitt deutlich niedriger aus. Setzt man einen Stromverbrauch von 20 kWh pro 100 Kilometer an sowie einen Strompreis von 40 Cent pro kWh, dann kosten 100 Kilometer nur acht Euro.

Quellen / Weiterlesen

Plugsurfing erhöht Preise fürs Aufladen: Bis zu 1,09 Euro pro kWh | motor1
Heftige Preise an Ladesäulen: Milchmädchenrechnung kursiert im Netz | EFahrer
Der Strom-Ladesäulenbetreiber IONITY erhöhte … | Facebook Post auf archive.today
Was kostet das Fahren mit Elektroautos? Facebook-Beitrag geht von unrealistisch hohen Verbrauchswerten und Strompreisen aus | Correctiv
Ladestationen für Elektroautos: Das kostet der Strom | ADAC
Bildquelle: © Pixabay

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    Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

    5 KOMMENTARE

    1. Und das gilt eh nur für die, die auswärts laden müssen. Ich berechne ja beim Fossil-Verbrenner ja auch nicht den Preis der teuersten BAB-Tankstelle.

      Die große Mehrheit kann sowieso zu Hause oder beim Nachbarn laden, womit wir bei 30 Ct die kWh sind. Oder noch weniger, wenn man eigenen Solarstrom hat.

      Und dann gibt es noch die vielen ganz kostenfreien Lademöglichkeiten

      – Bei Ikea,
      – Auf Aldi,
      – Bei Lidl,
      – Bei Kaufland,
      – Bei McDonalds,
      – An den Schwimmbädern,
      – Bei den Ferienparks,
      – In praktisch allen Hotels,
      – Eben überall, wo es Steckdosen gibt.

      Über den Preis wird man sich im Zweifel immer einig. Wenn man denn will…

      Zum Glück verfangen solche Räuberpistolen immer weniger, da Hunderttausende inzwischen gute Erfahrungen gemacht haben.

    2. Na ja, ich fahre ja nun fast 9 Jahre mittlerweil 2 Plugin Hybride
      Den Stress mit dem „Auswärtsladen“, habe ich mir komplett abgewöhnt!!
      Nach dem New Motion für 4 kwh. und 95 Lade Minuten 39,80 € haben wollten.
      Die New Motion Ladekarte, habe ich darauf hin, sofort !!
      vernichtet

    3. @Hartmut: Man sollte halt schauen, welchen Anbieter man wählt, um Strom auswärts zu laden. Ich nehme mal an Ihre sehr schlechte Erfahrung beruht auf einem damals üblichen Minutentarif, noch dazu ein sehr kostspieliger. Wenn man das mit einem sehr langsam ladenden Plug-In Hybrid kombiniert, zahlt man kräftig. Aber all das ist ja bekannt und hätte man vorher wissen können. Mittlerweile wird fast überall per kWh abgerechnet und wie gesagt, kann man sich den günstigsten Anbieter heraussuchen.

      Aber wenn Sie eh zu Hause laden können, ist das eh die beste (und günstigste) Variante.

    4. bei Tesla ist der Ladepreis pro KWH auf 0,37 cent gestiegen. Dafür gibt es weltweites Netz und in Europa fast überall den gleichen Preis für Teslafahren
      Ferner gibt es kostenloses Laden in Hotel mit Destinationhargern 11-22kwh bei 11kwh ca. 58km /h
      Meine Fahrt beginnt morgen in Berlin und endet mit Übernachtung in einem der 3 Hotels in Straubing mit kostenlosem Laden über Nacht. Zwischendurch gibt es viele Supercharger von Tesla auf Autohöfen um das teure Monopol der ehemaligen staatlichen „Tank und Rast “ Raststätten und Tankstellen auf den Autobahnen zu unterbrechen.
      Das Ergebnis der freien Marktwirtschaft gem CDU CSU FDP schafft teure private Monopole auf den vom Steuerzahler bezahlten Autobahnen.

    5. Und nicht nur das.
      Auch die Ladestationen hat der Steuerzahler mit finanziert, mit bis zu 16.00€.
      Und dazu kommen noch die vom Steuerzahler finanzierten Netzanschlusskosten von bis zu 150.000€.
      Das ist Betrug am deutschen Volk. Wir bezahlen die Hardware und der Markt holt sich die Gewinne.
      Schaden von deutschen Volk abwenden sieht anders aus liebe CSU/CDU.
      Mit den höchsten Nebeneinkommen, CSU = 130.000€ im Jahr durchschnittlich. auch noch die deutschen Staatsbürger für die Wirtschaft bezahlen lassen.
      Die Regierung gehört abgewählt und zur Rechenschaft gezogen.
      Übrigens lade ich ausschließlich zu Hause. Mit meinem Renault ZOE habe ich eine Reichweite von 400 km.
      Und ich lade ausschließlich an 220V, max 3,6Kw. Das hat dem Akku die enorme Reichweite ermöglicht.
      Wenn ich doch mal weiter unterwegs bin, dann nutze ich GPJoule oder New Motion, hier sind sich die Kosten momentan noch unter 50ct pro kw/h.
      Die Netzwerke zur Verhinderung der Mobilitäts- (VDA und die deutsche Automobilbranche) und Energiewende (die Energiekonzerne) dürfen momentan alles machen um ihre Gewinne zu maximieren. Dagegen muss etwas getan werden.

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