Die schnellste Ladesäule auf dem Markt stammt vom Südtiroler Mittelständler Alpitronic, dennoch dürfte kaum jemand das Unternehmen kennen. Doch Alpitronic ist Marktführer im Bereich High Power Charging (HPC) und beliefert Kunden wie EnBW, Shell, Eon, Fastned, BP-Aral, Aldi und Lidl. Der „Hypercharger“ lädt Elektroautos mit 150 bis 300 kW auf.

Die Hälfte der EnBW-Ladesäulen stammt von Alpitronic

An Schnellladesäulen wie dem Hypercharger lassen sich Elektroautos in 30 Minuten wieder voll aufladen – vorausgesetzt, es handelt sich um ein neueres Modell, das für ultraschnelles Laden ausgelegt ist. EnBW und Fastned nutzen in ihren Ladenetzwerken bereits verschiedene Versionen des Hyperchargers, bei EnBW stammt sogar jede zweite Ladesäule von Alpitronic. Aldi Süd hat angekündigt, bei der Erweiterung des Ladenetzes an seinen Filialen, wo 1.500 neue Ladesäulen entstehen sollen, auch Produkte von Alpitronic zu nutzen.

Alpitronic stellte seinen Hypercharger vor vier Jahren erstmalig auf einer internationalen Fachmesse in München vor. Damals stieß das Bozener Unternehmen auf Skepsis, denn keiner wollte glauben, dass 300 kW Ladeleistung in einem so schlanken Gehäuse Platz haben. Inzwischen liefert Alpitronic jedes Jahr 4.000 seiner Ladesäulen aus, die direkt in Bozen produziert werden. Das Einzige, das Alpitronic aktuell noch ausbremst, sind die langen Anschlusszeiten ans Mittelspannungsnetz, die oft viele Wochen in Anspruch nehmen.

Alles in einem Gehäuse

Der Hypercharger zeichnet sich durch ein All-in-one-Gehäuse aus, das Bildschirm und Elektronik vereint. Das spart erstens Platz, und braucht zweitens nur ein Fundament – im Gegensatz zu anderen Ladesäulen, bei denen sich die Abgabeeinrichtung mit Display und Stecker und der Gleichrichter (für die Umwandlung des Wechselstroms aus dem Niederspannungsnetz in Gleichstrom) in separaten Gehäusen befinden. Ein weiterer Grund für den Erfolg: Alpitronic verfügt über einen Mobilfunkzugang zur Säule und behält damit die Kontrolle. So will das Unternehmen die zuverlässigsten Säulen am Markt liefern.

Schneller als Tesla

Derzeit hat Alpitronic in Deutschland 1.210 aktive HPC-Säulen installiert – mehr als Tesla, die erst 970 Supercharger aufgestellt haben. Auch mit 300 kW Ladeleistung ist Alpitronic Tesla voraus – dessen Supercharger leisten bisher maximal 250 kW, was aber künftig auch auf 300 kW erhöht werden soll.

HPC-Ladesäulen gegen Reichweitenangst

Ursprünglich war Alpitronic als Zulieferer von Elektronikteilen für die Autoindustrie gestartet. Das Unternehmen hat heute 150 Mitarbeiter, vor drei Jahren waren es noch 32. Je schneller die Zahl ultraschneller Ladestationen wächst, desto schneller verschwindet eins der zentralen Akzeptanzprobleme von E-Autos, nämlich die langen Wartezeiten beim Laden im Vergleich zum Tanken. Und es geht voran: EnBW etwa will bis 2025 schon 2.500 Schnelllade-Standorte betreiben, heute sind es 600. Viele davon befinden sich an Autobahn-Raststätten.

EnBW baut mittlerweile auch eigene Ladeparks auf. Der „EnBW HyperHub“, der Ende November an der A3-Ausfahrt 81 Erlangen-West in Betrieb geht, bekommt 20 HPC-Ladepunkte. Auch dort wird vermutlich der Hypercharger von Alpitronic stehen, den EnBW derzeit vorrangig einsetzt. Bleibt zu hoffen, dass die Reichweitenangst damit bald der Vergangenheit angehört.

Quellen / Weiterlesen

Vollladung in nur 30 Minuten: Alpitronic hat mit ultraschnellen Säulen sogar Tesla überholt | Handelsblatt
The fine art of the hyper-fast charge | hypercharger
Tesla Supercharger: Künftig bis zu 300 kW Ladeleistung | InsideEVs
Auto-Ladestationen „Made in Südtirol“ | tirol ORF
Allego verbaut künftig auch Alpitronic und Tritium | electrive.net
EnBW plant Schnelllade-Hub nahe Erlangen | electrive.net
Bildquelle: flickrIvan Radic

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Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

1 KOMMENTAR

  1. Ja, das mit dem Verschwinden der Reichweiten- und Langladeangst kann ich auch in Gesprächen feststellen.

    Die Zahl „Aufgeladen in xx Minuten“ ist aber nicht sehr sinnvoll. Welcher Akku wird vorausgesetzt? 50 kWh? 80? 100? Und welcher Ladehub? 10 auf 90 %? 20 auf 80 %?

    Sinnvoller fände ich die Zahl „Geladene km pro Stunde“. Dass dabei der individuelle Verbrauch mit eine Rolle spielt, ist ja bei „Aufgeladen in xx Minuten“ auch der Fall.

    Bei 15 kWh/100 km wären das also hier 1.000 – 2.000 km Reichweite pro Stunde Laden. Damit werden 95 % der Fahrenden zufrieden sein.

    Aber Ihr habt Recht, die Laienfrage ist immer: „Wie lange braucht der zum Laden?“. Da muss man dann halt immer etwas ausholen mit dem bekannten Satz am Anfang: „Kommt drauf an!“… 😉

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