Herber Rückschlag für das Image des elektrischen Fliegens: In Ungarn sind beim Absturz eines elektrischen Kleinflugzeugs zwei Menschen ums Leben gekommen. Dabei handelte es sich um ein Modell von Magnus Aircraft mit Siemens-Motor und -Batterie. Die Gründe für den Absturz sind noch unklar.

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Zeugen berichten von Feuer

Der Unfall Ende Mai ist der wohl weltweit der erste tödliche Unfall mit einem Elektroflugzeug. Der zweisitzige Prototyp des Modells Magnus eFusion fing Zeugenberichten zufolge kurz nach dem Start Feuer und stürzte in der Nähe der Stadt Pogány senkrecht in ein Maisfeld. Die beiden Opfer sind der Pilot und ein Passagier. Über die Gründe für das Unglück wird bisher nur spekuliert, es könnte sich sowohl um technisches Versagen als auch um einen Pilotenfehler handeln. Die anderen drei Magnus-Flugzeuge mit Siemens-Antrieb sollen vorerst am Boden bleiben, bis die Unfallursache geklärt ist.

Noch kein Regelwerk zur Zulassung von Elektroflugzeugen

Der verunglückte Prototyp war bereits seit zwei Jahren in der Luft und hatte 240 Flugstunden hinter sich. Zu klären ist nun, ob etwa ein Batteriebrand zum Absturz geführt hat. Bei der Unglücksmaschine handelte es sich wahrscheinlich um das eFusion-Modell mit reinem Elektroantrieb. Siemens und Magnus arbeiten jedoch auch an einer Version mit Hybridantrieb. Zur Zulassung von Elektroflugzeugen, insbesondere im Hinblick auf die großen Batterien an Bord, existiert bisher noch kein spezielles Regelwerk.

Siemens sehr ambitioniert beim elektrischen Fliegen

Der Unfall ist nicht nur ein Rückschlag für das elektrische Fliegen an sich, sondern auch für Siemens. Siemens ist schon länger sehr aktiv in der Entwicklung von elektrischen Antrieben für die Luftfahrt und entwickelt Elektroflugzeuge mit mehreren Partnern. Mit Airbus und Rolls-Royce arbeitet Siemens an einem Verkehrsflugzeug mit Hybridantrieb, der 2025 serienreif sein soll. Siemens und Airbus entwickeln außerdem gemeinsam ein elektrisches Lufttaxi mit vier Sitzen, den Cityairbus. Dieser soll seinen Jungfernflug noch in diesem Jahr absolvieren. Für solche Lufttaxis gibt es momentan allerdings noch keine Zulassung.

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Quellen / Weiterlesen:
Erstes Elektro-Flugzeug mit Siemens-Motor abgestürzt | Welt
Elektro-Flugzeug von Siemens und Magnus abgestürzt | heise online
Elektro-Flugzeug mit Siemens-Motor stürzt ab: 2 Tote | PC Welt
Elektroflugzeug stürzt bei Test ab – zwei Menschen tot | Hamburger Abendblatt
Siemens-Elektroflugzeug verunglückt – zwei Tote | manager magazin
Prototype Electric Plane Built by Siemens and Magnus Aircraft Crashes in Hungary, Killing Both People on Board | IEEE Spectrum
Bildquelle: flickrAlec Wilson

Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

2 KOMMENTARE

  1. Ja, wirklich sehr schade – bin das Ding fast stundengenau eine Woche vor dem Ereignis noch selbst geflogen und war definitiv beeindruckt!
    Auch die Berichterstattung hier ist allerdings etwas schade, weil sie bloß den ganzen gequirlten Driss der Tagespresse kolportiert. Der Brand noch in der Luft war jedenfalls Blödsinn, die angeblichen Zeugenaussagen möglicherweise Fehlübersetzungen oder Wichtigtuer. Fakt ist, dass sich das Ding erst am Boden entzündet hat, was man relativ zügig nach dem Ereignis auch wusste.
    Ich kannte zumindest den einen der beiden Testpiloten persönlich – ein sehr erfahrener und besonnener Mann! Mithilfe der BFU kam man der Sache allerdings relativ schnell auf die Schliche, weil es eine Cockpit-Cam gab, von der natürlich nicht mehr viel übrig war. Die Experten hier konnten aber auf Bitte ihrer ungarischen Kollegen die Aufzeichnungen wiederherstellen. Nach allem, was ich darüber weiß, war’s leider tatsächlich eine klitzekleine Lässlichkeit des Testpiloten, die zu dem Ereignis geführt hat. Der hatte nach Start wohl dem neben ihm Sitzenden den Knüppel übergeben – ohne Lehrberechtigung – und war nicht auf dessen Fehleingaben gefasst, um noch schnell genug einzugreifen. Das Fliegerle hat ein symmetrisches Flächenprofil nur mit Stallnasen, aber ohne Horn. Schmeißt man die Karre bei (zu) geringer Geschwindigkeit (wie beim Steigflug) in die Bank, stallt sie und kippt ab.
    Nicht falsch verstehen, kein Problem des Flugzeugs, erst recht kein unkontrollierbares! Man muss es halt nur einschätzen können, drauf gefasst und ein wenig geübt sein. Habe das selbst probiert, sie mal Richtung Messerflug einzudrehen – und dabei die Nase am Horizont zu halten. Dabei säuft die Fahrt leicht ab und der Bock beginnt vernehmlich, sich zu schütteln. Nahm man sie darauf aus der Kurve oder ließ nur im Millimeterbereich nach lief sie unter geringem Höhenverlust SOFORT wieder wie auf Schienen!

    Überzieht man sie dagegen so, dass sie abkippt, braucht’s für’s recovern natürlich ein bisschen Zeit rsp. „Platz nach unten“ – jedenfalls mehr als die 400 Füße, die die beiden Ärmsten an jenem Tag in der Platzrunde querab unter den Flügeln hatten. Das geht dann leider verdammt schnell…:-(

    Fakt ist leider bei aller Faszination auch, dass wir nach 22 Flugminuten vllt. noch 10-15 weitere maximal hätten ausreizen können – dann hätte die Batterieanzeige SOFORTIGES Landen gefordert. Das Problem ist halt die Energiedichte – selbst bei so leichten Fliegern <600kg MTOW reicht's einfach nicht für mehr, als Platzrundenschulungen. Sieht man auch an den größeren Entwürfen – die seriösen setzen alle aufs Hybridprinzip. Mit Strom mit 50 Paxen raus und rein und auf Strecke in der Höhe dann die gekapselte Gasturbine die Akkus laden lassen – das kann ich mir innerhalb der nächsten 15-20 Jahre im Regionalflug vorstellen – also als Entwicklungsstufe mit Glück vllt. schon mit den ersten Approvals.

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