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Airbus und Siemens beenden ihre Zusammenarbeit: Die beiden Partner arbeiten seit einiger Zeit gemeinsam mit Rolls-Royce an einem Elektroflugzeug mit Hybridantrieb. Die Kooperation endet noch dieses Jahr. Unklar ist, was aus dem E-Fan X wird.

Siemens und Airbus hatten ihre Zusammenarbeit bei Elektroflugzeugen 2016 begonnen. Bis 2020 sollte daraus das Regionalflugzeug E-Fan X hervorgehen. Dabei rüstet Airbus eine British Aerospace BAe 146 auf Hybrid-Elektroantrieb um. Die Elektromotoren kommen von Siemens, die Turbine von Rolls-Royce. Der E-Fan X soll Platz für 100 Passagiere bieten.

Siemens ist künftig nur noch Lieferant bei Airbus

Dass die Zusammenarbeit nun endet, kommt überraschend. Zunächst wurden die Neuigkeiten in einer Airbus-Pressemitteilung nur zwischen den Zeilen angedeutet. Ein Siemens-Sprecher bestätigte später, dass die Zusammenarbeit beendet wird. Er sagte, man habe die vereinbarten Ziele ein Jahr schneller erreicht als erwartet, so dass jetzt eine frühere Trennung erfolge. Die bisherige Entwicklungskooperation soll durch eine Zusammenarbeit ersetzt werden, bei der Siemens ein Lieferant von Airbus wird. Beiden Seiten steht es damit jetzt frei, bei Elektroflugzeugen auch mit anderen Partnern zusammenzuarbeiten.

Ursprünglich hatten Airbus und Siemens ihre Zusammenarbeit allerdings mit Zielen begonnen, die ambitionierter klangen. Der E-Fan X sei ein wichtiger Schritt, um elektrisches Fliegen in absehbarer Zukunft zu verwirklichen, sagte Airbus-Technikchef Paul Eremenko damals. Der damalige Airbus-Chef Tom Enders, der inzwischen abgelöst ist, sagte, die Entwicklung elektrischer und hybrid-elektrischer Antriebe für einen emissionsfreien Luftverkehr gehörten zu den größten industriellen Herausforderungen unserer Zeit. Man sei davon überzeugt, dass bis 2030 Verkehrsflugzeuge mit einer Kapazität von unter 100 Passagieren mit hybriden Antrieben fliegen könnten. Daraus konnte man durchaus schließen, dass die Zusammenarbeit mit Siemens nur als Startschuss für deutlich größere Pläne gedacht war.

Ist der Führungswechsel bei Airbus schuld?

In der Luftfahrtbranche spekuliert man nun, dass das frühe Ende der Zusammenarbeit etwas mit dem Führungswechsel bei Airbus zu tun hat. Der neue Airbus-Chef Guillaume Faury, ein Franzose, wolle unter Umständen eher mit französischen Firmen arbeiten bzw. die Option haben, auch mit Mitbewerbern von Siemens zusammenzuarbeiten, denn die Konkurrenz ist inzwischen stärker geworden. Auf der anderen Seite ging es bei der Kooperation mit Siemens explizit darum, die Machbarkeit hybrid-elektrischer Antriebe zu erbringen. Frank Anton von Siemens sagte, man freue sich, die mit Airbus erworbenen Kompetenzen nun auch anderen Partnern in industrialisierter Form zugänglich zu machen.

Wie geht es beim Elektroflugzeug E-Fan X weiter?

Wie es mit dem E-Fan X weitergeht, blieb unklar. Der Siemens-Sprecher sagte, der E-Fan X sei ein Extra-Projekt, an dem auch Rolls-Royce beteiligt sei. Es gäbe jedoch derzeit keinen neuen Stand, wie es weitergeht. Die Konkurrenz wächst: Inzwischen gibt es immer mehr Projekte, die an Elektroflugzeugen arbeiten. So arbeitet Boeing mit dem Start-up Zunum Aero an einem kleinen elektrischen Regionaljet mit Hybridantrieb und 1.100 Kilometern Reichweite. Easyjet kooperiert mit Wright Electric und will ebenfalls bald ein eigenes Elektroflugzeug starten lassen. Daneben arbeiten diverse Start-ups an elektrischen Flugtaxis, etwa Eviation Aircraft aus Israel oder Lilium mit Sitz in München.

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Quellen / Weiterlesen

Airbus und Siemens beenden gemeinsame Forschung zu Hybrid-Antrieben | airliners.de
Airbus und Siemens beenden Kooperation | Flug Revue
Siemens und Airbus beenden überraschend Kooperation beim E-Motor | Welt
Bildquelle: © Airbus
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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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