Das Segway wird nicht mehr hergestellt: Obwohl sie als die nächste große Revolution angekündigt waren, entpuppten sich die elektrischen Stehroller schnell als Flop. Jetzt zieht die chinesische Mutterfirma Segway-Ninebot die Konsequenz und stellt die Produktion ein.

„Revolutionärer als das WWW“

Segway-Erfinder Dean Kamen war 2001 mit dem Segway angetreten, um das Auto überflüssig zu machen. Nicht nur er glaubte daran: Amazon-Chef Jeff Bezos prophezeite damals, das Segway werde „revolutionärer als das WWW“ sein. Auch Steve Jobs feierte das Segway als Wegbereiter der neuen Mikromobilität. Zum damaligen Hype trug auch bei, dass Kamen lange vor dem Marktstart Neugier auf das neue Produkt schürte. Der amerikanische Erfinder hat Erfahrung mit innovativen Produkten: Auf sein Konto geht unter anderem ein mobiles Dialysegerät.

Als das Segway schließlich herauskam, rührte Kamen geschickt die Werbetrommel für das neue Fortbewegungsmittel. Er trat mit dem Segway in Talkshows auf und veranstaltete Presseevents. Die ersten Segways wurden für über 100.000 Dollar versteigert. Das Mini-Gefährt war auf seine Weise damals durchaus bahnbrechend: Der Fahrer bewegt sich stehend fort und lenkt das Segway durch Vor- oder Zurücklehnen. Die einzeln angetriebenen Räder drehen sich dabei unterschiedlich schnell, so dass ohne klassische Lenkung Kurven gefahren werden können. Weil das Gefährt selbstbalancierend ist, ist es einfach zu fahren und wird bis zu 20 km/h schnell.

Touristenspielzeug ohne Coolness-Faktor

Dennoch setzte sich das Segway nicht durch. Es blieb ein Nischenprodukt, das irgendwie Fremdscham auslöste, denn elegant oder cool sieht auf dem Gefährt niemand aus. 2003 machte US-Präsident George Bush Schlagzeilen, als er beim Anfahren auf einem Segway beinahe eine Bauchlandung hinlegte. Bis heute nutzen hauptsächlich Touristengruppen das Fahrzeug, um durch Innenstädte zu kurven, auch Sicherheitspersonal in Einkaufszentren wurde damit gesichtet. Insgesamt verkauften sich nicht Millionen Segways wie erhofft, sondern nur rund 140.000 Stück. Dazu dürfte auch das Gewicht von 50 Kilogramm beigetragen haben sowie der stolze Preis von mehreren Tausend Euro.

Tragisch ist der Tod des britischen Multimillionär Jimi Heselden, der 2009 das schwächelnde Unternehmen kaufte. Ein Jahr später rollte er mit einem Segway in der Nähe seines Anwesens über eine Klippe und starb. 2015 übernahm Ninebot, ein Start-up aus China. Und stellt die Produktion nun wenig überraschend ein: Ninebot teilte mit, das Segway mache nur noch 1,5 Prozent des Umsatzes aus, es gäbe eine „Übersättigung des Marktes“. Die Chinesen konzentrieren sich inzwischen auf E-Scooter, Roboter und Quads.

Quellen / Weiterlesen

Segway ist am Ende | CIO
Segway am Ende – Stehend k.o. | Spiegel Online
Es hat sich ausgerollt: Segways werden nicht mehr hergestellt | Augsburger Allgemeine
Segway stellt Produktion selbstbalancierender Roller ein | heise online
Bildquelle: Pixabay
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. Irgendwie schade, ich fand Segways sehr interessant. Zumindestens technisch. Aber wenns keiner kauft…

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