VW-Chef Diess hält Wasserstoffautos für den falschen Weg und setzt mit Volkswagen voll auf Elektroautos. Ein im Januar veröffentlichtes Patent zeigt jedoch, dass VW mit dem Unternehmen Kraftwerk Tubes eine Brennstoffzelle für PKW entwickelt. Sie verspricht 2.000 Kilometer Reichweite.

Diess: Das Wasserstoffauto ist nicht die Klimalösung

VW gibt sich große Mühe, beim Elektroauto ganz vorn dabei zu sein. Bis 2025 will man in Wolfsburg sechs Milliarden Euro in die Entwicklung von E-Autos stecken und 20 batterieelektrische Modelle anbieten. Von Wasserstoffautos hält Konzernchef Herbert Diess dagegen gar nichts. Das zeigt unter anderem ein Tweet aus letztem Jahr, der an die damaligen Kanzlerkandidaten Laschet, Scholz und Baerbock sowie an den damaligen Verkehrsminister Scheuer gerichtet war.

Diess twitterte: „Das Wasserstoff-Auto ist nachgewiesen NICHT die Klimalösung. Im Verkehr hat sich die Elektrifizierung durchgesetzt. Scheindebatten sind reine Zeitverschwendung. Bitte auf die Wissenschaft hören!“ Gleichzeitig verlinkte Diess einen Artikel des Handelsblatts. Darin ging es um eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, die zeigt, dass Wasserstoff als Energieträger mittelfristig ineffizient, kostspielig und nicht ausreichend verfügbar ist.

Im Januar reichte VW ein Patent für eine Brennstoffzelle ein

Die Richtung bei Volkswagen schien also klar. Umso überraschender ist, dass der Autobauer gemeinsam mit dem sächsischen Unternehmen Kraftwerk Tubes Ende Januar ein Patent für eine spezielle Brennstoffzelle angemeldet hat. Darin wird VW auch als Anwender der Technologie genannt und ist offenbar zudem aktiv an der Entwicklung beteiligt. Das bestätigte Kraftwerk-Gründer und -Chef Sascha Kühn gegenüber Business Insider.

Spezielle Technologie für niedrige Kosten und hohe Reichweite

„Das läuft eigentlich immer so, dass wir die Kerntechnologie liefern und dann gemeinsam mit den Ingenieuren des Herstellers diese weiterentwickeln und das Fahrzeug konzipieren“, wird Kühn zitiert. Er erklärte auch, was das Besondere an der neuen Brennstoffzelle ist: Sie nutzt eine Keramikmembran statt der üblichen Kunststoffmembran. „Das ist ein Riesenunterschied“, sagte Kühn. Kraftwerk Tubes sei der einzige Hersteller dieser Technologie, der die Keramikmembran so produziere, dass die Brennstoffzelle schnell gestartet werden könne, erklärt er.

Der große Vorteil laut Kühn: Die Brennstoffzelle kann deutlich günstiger produziert werden und kommt komplett ohne teures Platin aus. Das heißt, dass auch Wasserstoffautos günstiger werden könnten, die heute noch wesentlich teurer sind als Batteriefahrzeuge. Auch die Reichweite kann mit der neuartigen Zelle deutlich steigen. „Mit einer Tankfüllung kommen wir bis zu 2.000 Kilometer weit“, so der Kraftwerk-Chef.

Die Technologie sei fast gleichzusetzen mit Feststoffbatterien, an denen Hersteller auf der ganzen Welt mit Hochdruck arbeiten. „Die beiden haben beinahe dieselben Elektrolyte und einen ähnlichen Materialaufbau. Die Feststoffbatterien haben nur ein festes Material als Energiespeicher, während diesen Part bei unserer Brennstoffzelle Gas übernimmt“, erklärte Kühn dem Business Insider.

Auch andere Autohersteller wollen die neue Brennstoffzelle nutzen

Gleichzeitig dämpfte Kühn die Erwartungen an eine schnelle Marktreife. Sein Unternehmen rechne 2026 mit dem ersten Einsatz in einem Serienfahrzeug, und dann mit einer Stückzahl von rund 10.000 Stück. Diese sollen sich dann auf mehrere Autohersteller verteilen. Neben VW arbeitet Kraftwerk Tubes auch mit der Nissan-Luxusmarke Infiniti sowie weiteren Autoherstellern zusammen.

Bei den Partnern von Kraftwerk Tubes kamen die öffentlichen Aussagen von Herbert Diess übrigens nicht gut an. „Nachdem Volkswagen nach außen hin kommunizierte, dass die Brennstoffzelle im Auto keine Zukunft habe, hatten einige unserer Zulieferer Angst, dass auch unsere Projekte mit VW eingestellt werden und andere Hersteller sich ebenfalls von ihren Plänen verabschieden könnten“, wird Kühn zitiert.

VW hält sich die Hintertür für Wasserstoffautos offen

Trotz der öffentlichen Äußerungen von Herbert Diess beschäftigt sich VW also zumindest im kleinen Maßstab mit Wasserstoff als Energieträger. Business Insider hat Volkswagen um eine Stellungnahme zum Patent gebeten. Der Konzern kommentierte seine Aktivitäten so: „Zur Erreichung unseres Zieles bis 2050 bilanziell CO2-neutral zu sein, bewerten wir permanent neue technische Innovationen und sichern diese für unser Unternehmen. Eine gängige Form der Technologieabsicherung sind Patente. Patente bedeuten aber in der Regel nicht, dass diese Technologie auch zwangsläufig umgesetzt werden.“

Dass sich VW von der Brennstoffzelle doch nicht komplett lossagen will, zeigen auch Äußerungen von Strategiechef Michael Jost aus dem Jahr 2019. Jost sagte, dass Volkswagens geplante Fahrzeugplattform MPE mit Batterien und mit Brennstoffzellen kompatibel sein soll. Wasserstoff käme auf lange Sicht zusätzlich als Energieträger für elektrisch angetriebene Fahrzeuge in Betracht.

Quellen / Weiterlesen

Volkswagen arbeitet weiter an der Brennstoffzelle — das beweist ein still und leise veröffentlichtes Patent | Business Insider
VW treibt Wasserstoff-Autos voran: „Mit einer Tankfüllung bis zu 2000 Kilometer weit“ | tz
Bis zu 2000 Kilometer Reichweite: Volkswagen arbeitet an neuartiger Brennstoffzelle | Trends der Zukunft
Bildquelle: © Pixabay

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    Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

    4 KOMMENTARE

    1. Die Brennstoffzelle (FC) von Kraftwerk Tubes mag ja durchaus interessant sein, aber im Artikel fehlen die entscheidenden Informationen: Wie viele kWh erzeugt diese Brennstoffzelle aus 1 kg H2? Um wie viel besser ist sie damit gegenüber herkömmlichen Brennstoffzellen?
      Ohne diese Angaben ist eine Aussage wie „2000 km mit einer Tankfüllung“ völlig aus der Luft gegriffen.
      Aktuelle FCVs haben einen ca. 5kg H2-Tank und kommen damit max. 500 km weit. Wenn man die FC von Kraftwerk Tubes in so ein Auto einbaut, bekommt man dann die 4-fache Reichweite? Oder muss man auch den Tank entsprechend vergrößern?

    2. Wenn alle auf Elektroautos umgestiegen sind , kommt das Stromlieferung Problem. Soviel Strom der da vorgehalten werden muss ,können die erneuerbaren Techniken gar nicht liefern, auch nicht in Zukunft. Das nächste Problem , es hat nicht jeder eine Garage mit Stromanschluss. Wieviele Autos stehen auf der Straße oder auf einem Stellplatz im Freien.Mehr als in einer Garage. Das Wasserstoffauto, das Gumpert entwickelt hat ist eine sehr gute Alternative, den man Tankt dort nicht Wasserstoff, sondern Alkohohl und der wird im Auto in Wasserstoff umgewandelt. Das löst auch das Problem des Nachfüllen am Auto ,denn die Tankstellen sind ja da. Zudem entfällt das Problem der druckstabielen Wasserstofftbehälter.Das Gumpertauto kann man auf Youtube sehen.Dort hat er einen Smart umgebaut und einen Vergleich gefahren mit einem Elektro Smart und raten sie mal wer gewonnen hat.

    3. Hab‘ heute zum 1. Mal von Roland Gumpert und seiner Methanol-Brennstoffzelle gehört und mir auch die Videos angeschaut. Klingt alles sehr interessant, aber auch hier vermisse ich konkrete Details. Nur 2 Punkte: Zur Herstellung grünen Methanols braucht man eine ganze Menge grünen Strom (am besten überflüssigen). Wie viele kWh muss man reinstecken, um 1 kg Methanol rauszubekommen?
      Gumpert tut so, als hätte er fast beliebige Reichweite. Wenn man bedenkt, dass die Energiedichte von Methanol (5,5 kWh/kg) 6-mal niedriger ist als die von Wasserstoff (33,3 kWh/kg), und dass es auch Umwandlungsverluste gibt, zweifle ich die Reichweiteangaben an. Gibt’s irgendwo eine durchgehende Berechnung?
      Dazu kommt: Die Methanol-Brennstoffzelle erzeugt (im Ggs. zur Wasserstoff-Brennstoffzelle) CO2. Auch wenn das CO2 andernorts bei der Methanol-Erzeugung „gebunden“ wurde, wird es im lokalen Fahrbetrieb wieder freigesetzt. Das ist im Innenstadt-Betrieb sicher ein Nachteil gegenüber BEVs und reinen FCVs.
      Trotzdem: Man sollte die Technologie weiter verfolgen!

    4. @Johann Kutter:

      Wenn Sie beim E-Auto bereits ein Stromlieferproblem sehen, ist ein Methanolauto (genauso wie Wasserstoff) total unmöglich, denn dieses „verbraucht“ mindestens 3 mal so viel Strom, wie ein E-Auto. Denn das Methanol muss ja auch irgendwo herkommen und da braucht man verdammt viel Strom für, wenn man es klimaneutral herstellen möchte. Mal davon abgesehen, dass die dafür erforderlichen Anlagen alle teuer sind, genauso wie die zusätzlichen Komponenten im Auto im Vergleich zu E-Auto. Am Ende hat man also ein sehr teures Auto, mit wenig Platz im Innenraum, das sehr teures Methanol tanken muss. Zurecht wird sich das nie durchsetzen 😉

      Das Gumpert Auto ist aus diesem Grund wie auch aus anderen praxisrelevanten Gründen absolut ungeeignet. Zum Beispiel kann das Auto mit der Mehtanolbrennstoffzelle gar nicht mit genug Leistung betrieben werden (nur 15 kW). Man muss daher auch immer die Batterie mit Strom nachladen, nur Methanol reicht nicht. Das Auto ist daher null langstreckentauglich. Der Erfinder möchte hier nur ordentlich viel Fördergeld abgreifen und schwingt daher die Werbetrommel (und das mit dem Geld ist ihm dank der Bayrischen Landesregierung auch gelungen).

      Ein gute Analyse zum Gumpert Auto findet sich hier:
      https://www.heise.de/tp/features/Ist-das-Methanol-Auto-das-bessere-E-Auto-6057498.html

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