Elon Musk hält nicht viel von klassischer Werbung und setzt lieber auf Empfehlungen und auf seine 35 Millionen Twitter-Follower. Passend dazu hat Tesla als erster Autokonzern überhaupt seine PR-Abteilung aufgelöst und verzichtet damit auch auf den Austausch mit Journalisten.

Tesla löste sein PR-Team Ende 2019 auf

Journalisten beschweren sich schon länger darüber, dass Tesla offizielle Anfragen nicht beantwortet. Jetzt ist auch klar, warum: Wie Electrek berichtet, gibt es bei Tesla niemanden mehr, der offiziell für die Pressearbeit zuständig ist. „Wir haben kein PR-Team mehr“, bestätigte ein Insider.

Demnach soll Keely Sulprizio in den USA die letzte PR-Verantwortliche gewesen sein, sie verließ Tesla jedoch letzten Dezember. Nach ihr sollen so gut wie alle anderen Mitarbeiter des PR-Teams ebenfalls gegangen oder in andere Abteilungen gewechselt sein. Laut Electrek gibt es zwar noch einige Mitarbeiter in Europa und Asien, die für PR zuständig sind. Das eigentliche Team existiert jedoch nicht mehr. Auch Teslas deutscher PR-Chef Stefan Keuchel hat Tesla letztes Jahr nach wenigen Monaten wieder verlassen.

Musk bevorzugt Twitter und Mundpropaganda

Künftig können sich Journalisten also nur noch über Twitter mit Elon Musk in Verbindung setzen. Der Tesla-Chef ist dort sehr aktiv, bekommt weltweite Aufmerksamkeit und antwortet auch gelegentlich auf Kommentare oder Fragen. Vor kurzem machte er mit einem Tweet auf Deutsch Werbung für seine Gigafactory bei Berlin, um Mitarbeiter zu gewinnen: „Bitte arbeiten Sie bei Tesla Giga Berlin! Es wird super Spaß machen!!“ twitterte er.

Der Grund, warum Tesla künftig auf klassische Öffentlichkeitsarbeit verzichten will, dürfte sein, dass der Autobauer in der Vergangenheit sehr oft mit schlechter Presse zu kämpfen hatte. Außerdem ist die Bekanntheit von Tesla ohnehin riesig, wozu auch Musk als Person viel beiträgt. Er setzt auf Mundpropaganda und hat es geschafft, unter seinen Fans so viel Vertrauen in seine Vision zu erzeugen, dass auch jahrelange rote Zahlen dem Aktienkurs von Tesla wenig anhaben konnten.

Auch mit anderen Projekten wie dem Weltraumunternehmen SpaceX lenkt Musk immer wieder Aufmerksamkeit auf Tesla. Etwa wenn die NASA-Astronauten im Tesla zu den Raketen fahren, oder wenn eine SpaceX-Rakete auf ihrem Weg ins All einen Tesla Roadster an Bord hat. Tesla beweist, dass Unternehmen heute auch ohne klassische Werbung bekannt werden können.

Aktionäre wollen höheres Werbebudget

Seine Aktionäre sehen diese Strategie allerdings kritisch. Laut Bloomberg ist ein großer Teil der Aktionäre für mehr Werbeausgaben. Vor allem ein Aktionär sticht dabei heraus: James Danforth, der 850 Tesla-Aktien besitzt, schlug Mitte des Jahres vor, der Autobauer solle für jedes produzierte Auto mindestens 50 US-Dollar für Werbeanzeigen ausgeben. Das könne die Bekanntheit, den Wert der Marke und das Interesse steigern. Tesla könne damit auch Falschinformationen entgegenwirken, argumentierte er.

Das sieht Elon Musk offenbar anders. Im aktuellen Jahresbericht des Autobauers heißt es: „Wir konnten in der Vergangenheit umfangreiche Medienberichterstattung über unser Unternehmen und unsere Produkte generieren und gehen davon aus, dass das so bleibt. Solche Berichterstattung und Mundpropaganda sind derzeit die größten Absatztreiber und helfen uns dabei, Umsätze ohne traditionelle Werbung und zu relativ niedrigen Marketingkosten zu erzielen.“

Quellen / Weiterlesen

Tesla dissolves its PR department — a new first in the industry | electrek
PR-Team aufgelöst: Tesla spricht nicht mehr mit Journalisten | t3n
Warum Tesla nicht werben will | absatzwirtschaft
Bildquelle: flickrSteve Jurvetson

Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. Wenn Elon sich da nicht irrt.
    In den berliner Flagshops von Tesla waren bisher „junge nette hübsche Menschen “ die zum Teil wenig Auskunft zur Technik etc. geben konnten.
    Es waren z.B. Anfang des Jahres in der MAL Berlin 3 Tesla ausgestellt S verschlossen , Model 3 und X konnten detailliert betrachtet werden .
    Interessenten für Model S wurden abgewimmelt . Darunter Familien die besonders am Model S interessiert waren wegen der kleineren Abmessung gegenüber X und an Elektrischer Heckklappe und Möglichkeit zum Transport au Dachträger.
    Model S wird es schwer haben zur Konkurrenz vom BMW AUDI VW wenn deren Premium -modele lieferbar sind. Für die unsere Automobilindustrie besonders wirbt.
    Jede Schlagzeile wie : Tesla muss wegen fehlendem Batterie Recycling 11 Millionen Strafe zahlen!
    oder zum Thema „Autopilot / Autonomes Fahren“ es wird bestritten das es Tesla nicht möglich ist mit den eingebauten Cameras /Radar und dem Bordcomputer selbständig zu fahren.
    Angeblich sind die Systeme „deutscher Hersteller“ besser und sicherer.

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