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Elon Musk streitet öffentlich heftig mit Panasonic, seinem wichtigsten Zulieferer und Partner in der Gigafactory. Der Streit dreht sich um einen angeblichen Investitionsstopp von Panasonic und die Gründe dafür. Der Zeitpunkt könnte für Tesla nicht schlechter sein.

Panasonic will angeblich nicht weiter in die Gigafactory investieren

Tesla und Panasonic stellen in der Gigafactory gemeinsam Batteriezellen für Teslas Elektrofahrzeuge her. Die Produktionskapazität in der Fabrik soll eigentlich von aktuell 35 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr auf 54 GWh steigen. Kürzlich gab es jedoch Meldungen, dass die beiden Partner ihre Expansionspläne auf Eis legen wollen.

Die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ meldete mit Verweis auf anonyme Panasonic-Manager, mangelnde Nachfrage und die Verkaufszahlen von Tesla seien der Grund für den Investitionsstopp von Panasonic. Die Model 3-Produktion bliebe hinter dem erwarteten Bedarf an Batteriezellen zurück. Der japanische Konzern wolle nun erst einmal die Nachfragesituation im Markt für Elektroautos beobachten. Bis jetzt haben die beiden Firmen gemeinsam 4,5 Milliarden US-Dollar in die Gigafactory in Nevada investiert. Panasonic meldete erst im März, die 35 GWh jährliche Produktionskapazität seien erreicht.

Nun soll Panasonic im abgelaufenen Geschäftsjahr mit der Batterieproduktion für Tesla einen Verlust von 180 Millionen US-Dollar gemacht haben, meldet Nikkei. Dieser sei durch den verzögerten Produktionsanlauf des Tesla Model 3 noch verschärft worden.

Tesla gibt Panasonic die Schuld für Verzögerungen beim Model 3

Elon Musk entgegnete zunächst, man plane weitere gemeinsame Investitionen. Er machte im Gegenzug Panasonic für die langsame Produktion des Model 3 verantwortlich. Seit Juli 2018 verlangsame Panasonic die Produktion und die Kapazität der Gigafactory. Tesla müsse sich nun nach anderen Zulieferern umsehen, twitterte er. Panasonics Produktionskapazität für Batteriezellen in der Gigafactory läge bei nur 24 GWh und sei nur zu zwei Dritteln ausgelastet.

Die gegenseitigen Vorwürfe erhöhen den Druck auf Elon Musk und sind Wasser auf die Mühlen derjenigen, die an Teslas Überlebensfähigkeit zweifeln. Die letzten beiden Quartale bei Tesla blieben hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Obwohl 35 Gigawattstunden Batteriekapazität für gut 400.000 Model 3 reichen würden, lieferte Tesla im ersten Quartal nur 63.000 Fahrzeuge weltweit aus. Im Quartal davor waren es knapp 91.000 gewesen. Tesla verkaufte zudem nicht nur deutlich weniger Model 3 als erwartet, sondern auch weniger Tesla Model S und Tesla Model X. Elon Musk hatte dies mit den Produktionsproblemen und Anlaufschwierigkeiten in neuen Märkten begründet.

Wie Shortseller Tesla schaden wollen

Nachdem der Streit losbrach und Elon Musk nun öffentlich Panasonic für die schlechten Produktionszahlen verantwortlich machte, fielen Teslas Aktien um 3 Prozent, während die Aktien von Panasonic zulegten. Anleger dürfte es kaum beruhigen, dass Teslas wichtigster Zulieferer offenbar an der Nachfrage nach Teslas Elektroautos zweifelt.

Und es feuert Tesla-Shortseller an, also Investoren, die auf einen Absturz der Aktie wetten, um daran zu verdienen. Dazu leihen sie sich Aktien bei einem Broker und verkaufen sie am Markt, um sie später zu niedrigeren Preisen zurückzukaufen und dem Broker fristgerecht zurückzugeben. Diese Investorengruppe sammelt seit Monaten Beweise, dass Tesla deutlich weniger Fahrzeuge verkauft als der Autobauer herstellt.

Zunächst verbreiteten sie die Ergebnisse ihrer Recherchen auf Twitter, haben aber inzwischen eine eigene Website dafür eingerichtet. Dort posten sie Fotos von ganzen Parkplätzen und Parkhäusern voller unverkaufter Model 3 und versuchen so, Teslas Aktienkurs negativ zu beeinflussen. Sie gleichen Zulassungsstatistiken ab, um nachzuweisen, dass Tesla schon jetzt mehr Autos baut als verkauft. Demnach hinkt die Nachfrage besonders in Märkten, in denen Elektroautosubventionen gekürzt werden. Ganz unlogisch sind solche Vorwürfe nicht, wenn man bedenkt, dass Tesla erst vor wenigen Wochen die Preise für alle Modelle gesenkt hat.

Ist CATL ein Grund für den Streit?

Es gibt übrigens auch andere Erklärungsversuche für die angebliche Zurückhaltung bei Panasonic: Manche Analysten nennen Teslas Gespräche mit CATL und anderen chinesischen Batterieherstellern als möglichen Grund. Diese fanden im Rahmen von Teslas Plänen statt, in Shanghai eine weitere Gigafactory zu bauen. Dass Tesla die Fühler nach anderen Batterieherstellern ausstreckt, dürfte Panasonic nicht gefallen. Die Japaner sind momentan Teslas einziger Zulieferer von Batteriezellen. Tesla hat sich bis auf Elon Musks Tweets bisher nicht offiziell zu dem Streit geäußert. Nachfrageprobleme hat der Tesla-CEO bisher jedoch wiederholt dementiert.

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Quellen / Weiterlesen

Tesla and Panasonic freeze spending on $4.5bn Gigafactory | Nikkei Asian Review
Musk Is Now Taking Shots at Major Tesla Supplier Panasonic | Fortune
Tesla und Panasonic stoppen Ausbau von Gigafactory | golem.de
Tesla-Shortseller sammeln auf einer Website Beweisfotos: Model 3-Nachfrage schwach? | finanzen.net
Im Streit mit Panasonic offenbart sich Teslas gefährliche Schwäche | Welt
Bildquelle: Pixabay

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Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

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