Es geht nicht nur um Preis und Reichweite: Auch über die Sicherheit von Elektroautos wird viel geschrieben. Meldungen über brennende Teslas und schwer löschbare Batterien vermitteln das Gefühl, dass die Stromer weniger sicher sind als Verbrenner. Was ist dran an diesen Befürchtungen?

Gleiche Sicherheitsstandards wie bei Verbrennern

Für Elektroautos gelten erst einmal die gleichen gesetzlichen Sicherheitsanforderungen wie für andere Fahrzeuge auch. Bei den E-Autos kommen noch zusätzliche Anforderungen hinzu, die sich vor allem auf die Batterie beziehen. Diese muss wie alle anderen elektrischen Teile „eigensicher“ sein. Das bedeutet, bei einem Unfall wird die Batterie sofort von den anderen Hochvoltkomponenten und Kabeln getrennt. Damit wird der Stromfluss unterbrochen und die Spannung sinkt unter den unkritischen Wert von 60 Volt.

Elektroautos erzielen in Crashtests sehr gute Noten

Der ADAC teilt mit, dass bisher kein aktuelles Elektroauto bei einem Crashtest negativ aufgefallen sei. Im Gegenteil, die Stromer seien wegen ihrer optimierten Crashstruktur sogar oft sicherer als herkömmliche Fahrzeuge. Moderne E-Autos schneiden deshalb in Crashtests genauso oft mit 5 Sternen ab wie Verbrenner. Zu demselben Ergebnis kommen auch Experten der Dekra.

Was tun bei Panne oder Unfall mit dem Elektroauto?

Der ADAC weist darauf hin, dass bei einer Panne mit einem E-Auto normalerweise keine elektrische Gefährdung besteht, so dass normale Pannenhilfe grundsätzlich möglich ist. Arbeiten an Hochvoltkomponenten dürfen aber nur speziell dafür ausgebildete Personen durchführen.

Bei einem Unfall mit einem Elektroauto können Helfer wegen der Unterbrechung des Stromflusses sofort Erste Hilfe leisten, ohne sich selbst zu gefährden. Die Batterie ist meist im Fahrzeugboden verbaut, wo sie durch einen Stahlrahmen zusätzlich geschützt ist.

Wie hoch ist das Risiko, dass die Batterie in Flammen aufgeht?

Das Wichtigste bei einem Unfall mit einem Elektroauto ist, die Batterie zu schützen, was die Autohersteller mit immer größerem Aufwand tun. Sie kann dennoch theoretisch bei einem Unfall beschädigt werden, nämlich dann, wenn die Schutzmechanismen verformt werden. Das kann etwa passieren, wenn ein Fahrzeug über große, schwere Hindernisse fährt oder der Fahrer sehr tiefe Löcher übersieht. Das kann den Schutzrahmen der Batterie in Mitleidenschaft ziehen. Dasselbe droht bei einem seitlichen Aufprall auf ein E-Auto bei hoher Geschwindigkeit.

So ein Unfall kann im schlimmsten Szenario zu einem Batteriebrand führen. Allerdings stellen solche Unfälle auch für alle anderen Fahrzeuge eine hohe Brandgefahr dar.

Statistisch gesehen brennen Elektroautos aber weitaus seltener als Benzin- oder Dieselfahrzeuge: Bei diesen werden 90 Brände für jede Milliarde Kilometer als normal angesehen. Allein in Deutschland brennen jedes Jahr 20.000 Fahrzeuge, also 55 pro Tag. Noch gibt es nicht viele Statistiken, die belegen, wie oft Elektroautos brennen. Die amerikanische Autobahnfeuerwehr hat eine Statistik erhoben, nach der nur zwei Teslas pro Milliarde Kilometer in Brand geraten. Auch wenn noch wenig konkrete Zahlen gibt, deutet alles darauf hin, dass Elektroautos nicht häufiger in Brand geraten als Verbrenner. Das bestätigen übrigens auch ADAC und Dekra.

Sind Batteriebrände unlöschbar?

Ein weiterer Einwand ist, dass Batteriebrände bei Elektroautos schwerer zu löschen sind als der Brand eines Benzintanks. Es heißt sogar, dass Elektroautos gar nicht zu löschen sind, sondern kontrolliert ausbrennen müssen. Die Dekra meldet allerdings, dass solche Brände nicht gefährlicher sind – Vergleichstests mit Bränden und Löschmaßnahmen hätten dies gezeigt. Hinzu kommt: Bei Elektroautos kann sich der Brand nicht so schnell ausbreiten, da hier im Gegensatz zu Benzinfahrzeugen keine großen Mengen brennbarer Flüssigkeit austreten.

Spezielle Schulung und Ausrüstung für die Feuerwehr

Was allerdings wahr ist: Die Feuerwehr braucht entsprechendes Equipment und geschultes Personal, um Batteriebrände zu löschen. Das geht etwa mit der sogenannten Löschlanze, die direkt ins Gehäuse der Batterie gestoßen wird. Auch große Mengen an Wasser helfen, um die Batterie schnell zu kühlen. Ein spezieller Wasserstrahl aus einzelnen Tröpfchen verhindert dabei, dass Strom zurückfließt – wenn die Löschkräfte bestimmte Sicherheitsabstände einhalten. Es kann auch sinnvoll sein, die Batterie anschließend für eine gewisse Zeit in ein Wasserbad zu legen, damit sie sich nicht erneut entzündet.

Quellen / Weiterlesen
Wie gefährlich sind Elektroautos beim Unfall? | t-online
Wie sicher sind Elektroautos bei Brand, Unfall oder Panne? | ADAC
Elektroautos im Dekra-Crashtest: Keine erhöhte Gefahr | motor1.com
Wie gefährlich sind Brände bei E-Autos wirklich? | BR24
Bildquelle: Wikipedia – National Transportation Safety Board / Public domain
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

4 KOMMENTARE

  1. Danke für die sachlichen Infos!

    Das wird die Berufshysteriker zwar nicht bremsen, aber wer lesen und denken kann, zieht seine Schlüsse.

  2. Eine 85kW Batterie entspricht ca. 7 Liter Diesel.( 7 mal 12kW pro l Diesel).
    Ein moderner Diesel-PKW enthält oft Liter Diesel, das entspricht 960kWh.
    Welches Auto wird im Brandfall länger brennen?
    Energie bleibt Energie.

  3. Zustimmung, aber beim Akku brennt noch mehr als nur die gespeicherte elektrische Energie, wenn man das thermische Durchgehen als „Brennen“ bezeichnen will.

    Viele Bauteile sind aus Aluminium, und unter diesen Umständen brennt dann auch das Aluminium.

    Trotzdem würde ich lieber einen Brand eines eAutos erleben als den eines Verpesters. Wenn ich die Wahl hätte… 😆

    Ok, ich hab gewählt. Ich fahre seit 6 Jahren elektrisch 😀

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