Kommen die Elektro-Laster von Amazon bald aus Deutschland? Berichten zufolge sucht der Amazon-Partner Rivian einen Standort für eine Elektroauto-Fabrik in Europa. Auch Deutschland ist in der engeren Auswahl.

Ab 2022 will Rivian in der neuen Fabrik produzieren

Wie Bloomberg berichtet, sucht Rivian unter anderem in Großbritannien, Ungarn und Deutschland nach einem passenden Standort. In der neuen Fabrik will der US-Hersteller zunächst elektrische Lieferwagen exklusiv für Amazon produzieren, später auch eigene elektrische PKW. Mit der Suche wurden die Immobilien-Spezialisten von Jones Lang LaSalle (JLL) beauftragt, wobei auch Standorte außerhalb der EU in Frage kommen.

Zusätzlich zum Produktionsstandort sucht Rivian bereits Einzelhandelsflächen, um seine Fahrzeuge zu präsentieren. Der Hersteller hofft, schon nächstes Jahr mit der Produktion am neuen Standort starten zu können, schreibt Bloomberg. Eine offizielle Bestätigung seitens Rivian, Amazon oder JLL gibt es allerdings noch nicht.

Großbestellung von Amazon

Deutschland dürfte großes Interesse daran haben, Rivian ins Land zu locken. Denn dem Start-up wird ähnlich viel disruptives Potenzial zugeschrieben wie seinerzeit Tesla. Amazon hat bei Rivian 100.000 Elektro-Lieferwagen bestellt und ist auch als Investor beteiligt. Die ersten 10.000 Stück sollen schon ab 2022 weltweit Amazon-Pakete ausliefern.

Im Juni will Rivian in den USA mit den Auslieferungen seines elektrischen Pick-up Trucks starten, im August folgt ein SUV. Im vierten Quartal beginnt die Produktion der Lieferwagen für Amazon. Für den Onlinehändler sind elektrische Fahrzeuge entscheidend, um 2030 die Hälfte aller Bestellungen emissionsfrei ausliefern zu können. Amazon stellt zunehmend mit eigenen Fahrzeugen zu, statt externe Versanddienstleister wie UPS oder DHL zu nutzen. Die Elektrolaster von Rivian werden in drei Varianten mit unterschiedlichen Kabinenstilen und Größen angeboten, ihre Reichweite liegt bei 240 Kilometern.

Rivian will an die Börse

Rivian wurde 2009 gegründet und hat bis heute über acht Milliarden US-Dollar von namhaften Firmen und Investoren wie Amazon, Ford, T. Rowe Price and BlackRock eingesammelt. In der letzten Finanzierungsrunde wurde der Hersteller mit 27,6 Milliarden Dollar bewertet, sagte ein Insider gegenüber Bloomberg. Rivian hat an seinen Standorten in Michigan und Illinois insgesamt 3.600 Mitarbeiter. Der nächste große Schritt für den Hersteller könnte im September der Gang an die Börse sein, dann mit einer Bewertung von über 50 Milliarden Dollar.

Folgt Rivian dem Beispiel von Tesla?

Wenn Rivian Deutschland als Standort in Erwägung zieht, dürften auch Fördermittel eine Rolle spielen. Tesla hat sich für seine erste europäische Gigafactory für den Standort Grünheide bei Berlin entschieden und bekommt dafür finanzielle Unterstützung in dreistelliger Millionenhöhe. Allerdings schlug Tesla von Anfang an viel Widerstand von Anwohnern und Naturschützern entgegen. Aktuell stocken die Arbeiten in Grünheide, auch die endgültige Baugenehmigung steht noch aus. Ob es beim geplanten Produktionsstart im Sommer bleibt, ist unklar. Das wird für die Entscheidung bei Rivian vermutlich ebenfalls eine Rolle spielen.

Quellen / Weiterlesen

Auch Tesla-Jäger Rivian könnte Fabrik in Deutschland bauen | manager magazin
Amazon-Backed Rivian Plans Electric-Vehicle Plant in Europe | Bloomberg
Bildquelle: © Amazon / Rivian

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. DIESE Art von Industrieansiedlung lasse ich mir gerne gefallen. Wenn die notwendigen Naturschutzmaßnahmen konsequent durchgezogen werden…

    Wenn unsere Verpesterhersteller nicht aus dem Quark kommen, müssen es eben Andere richten. Ich sehe schon, wie bald wieder nach Fördermilliarden geschrien wird, weil der Zug nach den Pkws auch mit den Transportern verschlafen wurde.

    Wir haben keine andere Wahl, unsere Klimaziele vielleicht doch zu erreichen.

    Noch besser wäre natürlich ein konsequenter Ausbau von Bahn und ÖPNV, aber das geht in einig Autoland Deutschland ja gar nicht…

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