Steht Lordstown Motors vor dem Aus? Nachdem das Investmentunternehmen Hindenburg Research dem Elektroauto-Start-up aus Ohio Betrug vorgeworfen hat, wird es nun eng. In einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht stellt Lordstown seinen eigenen Fortbestand in Frage. Das Führungsteam ist zurückgetreten.

Dem Start-up geht das Geld aus

Eigentlich wollte Lordstown seinen Elektro-Pick-up Endurance ab September in Serie herstellen. Schon vor Wochen meldete Lordstown-CEO Steve Burns allerdings, dass sein Unternehmen mehr Geld brauche. Sonst könne man nur die Hälfte der geplanten Stückzahlen herstellen. Wie hoch der Kapitalbedarf ist, sagte Burns damals nicht.

Serienstart nur mit begrenzter Stückzahl

Inzwischen ist die Lage noch ernster geworden, der Serienstart im September kann nicht wie geplant stattfinden. In einer offiziellen Meldung von Lordstown an die Börsenaufsicht heißt es: „Das Unternehmen ist der Ansicht, dass seine derzeitigen liquiden Mittel nicht ausreichen, um die Serienproduktion und den Verkaufsstart solcher Fahrzeuge zu finanzieren.“ Und weiter: „Diese Umstände lassen erhebliche Zweifel an unserer Fähigkeit aufkommen, den Geschäftsbetrieb für mindestens einem Jahr fortzuführen.“

Nach wie vor sagt Lordstown nicht, wie viel Geld es braucht, deutete aber an, dass die erforderlichen Mengen „erheblich“ sein könnten. Dennoch soll die Produktion des Endurance im September starten, allerdings in begrenzter Stückzahl. Um im nächsten Jahr die volle Stückzahl wie geplant herstellen zu können, braucht Lordstown zusätzliches Geld. Erwartungsgemäß brach der Aktienkurs des Start-ups ein, das durch die Fusion mit einem SPAC seit letztem Jahr an der Börse notiert ist.

Rücktritt des Führungsteams

Die neuste Entwicklung sind die Rücktritte von CEO Steve Burns und Finanzchef Julio Rodriguez. Ein Mitglied des Verwaltungsrates, Angela Strand, hat vorübergehend die Führung bei Lordstown übernommen. Der Fortbestand des Unternehmens hängt nun davon ab, ob die Serienproduktion beginnen kann und die Fahrzeuge zugelassen und verkauft werden können.

Die Betrugsvorwürfe gegen Lordstown

Mit dieser Krise scheinen sich die Vorwürfe zu bestätigen, die vor ein paar Monaten die Analysten von Hindenburg Research erhoben hatten. Es ging dabei unter anderem um die Täuschung von Investoren: Hindenburg zufolge waren viele der 100.000 Vorbestellungen, die Lordstown ursprünglich gemeldet hatte, fiktiv. Wie die Analysten unter Berufung auf ehemalige Mitarbeiter, Geschäftspartner und eine umfassende Dokumentenprüfung meldeten, hätten viele der angeblichen Kunden weder Flotten noch die Mittel, die Käufe wirklich zu tätigen. Das scheint zumindest zum Teil wahr zu sein: Die neue Führung bei Lordstown räumte ein, dass die 100.000 Vorbestellungen auch „unsichere“ Bestellungen von Influencern enthalten. Diese hätten die Vorbestellungen getätigt, ohne die Fahrzeuge tatsächlich kaufen zu wollen.

Der zweite zentrale Vorwurf von Hindenburg Research: Lordstown habe gar kein verkaufsfähiges Produkt. Ein Prototyp des Endurance sei im Januar bei seinem ersten Straßentest nach 10 Minuten komplett ausgebrannt. Der Pickup sei mehrere Jahre von der Serienreife entfernt. Dafür spricht auch, dass das Fahrzeug bisher nicht auf der Straße gesichtet wurde, was sehr ungewöhnlich ist, wenn schon im September die Serienfertigung starten soll.

Brisant ist auch, dass der nun zurückgetretene Firmenchef Steve Burns bei seiner vorherigen Firma Workhorse ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt war. Ein weiteres schlechtes Zeichen: Viele Lordstown-Manager haben laut Hindenburg Research ihre Aktien nach dem Börsengang im Oktober 2020 wieder verkauft, insgesamt geht es dabei um Anteile im Wert von 28 Millionen Dollar. Wegen der Vorwürfe hatte die US-Börsenaufsicht Ermittlungen aufgenommen.

Lordstown bemüht sich um Optimismus

Das Start-up bemüht sich weiterhin um das Vertrauen von Investoren und potenziellen Käufern. Letzte Woche versicherte die neue Chefin Angela Strand, man habe ausreichend finanzielle Mittel, um mindestens bis Mai 2022 durchzuhalten. Die begrenzte Produktion des Endurance könne wie geplant im September starten. Die Aktie stieg daraufhin um etwa 10 Prozent.

Quellen / Weiterlesen

Alles nur ausgedacht? So geriet Tesla-Rivale Lordstown Motors in eine schwere Krise | t3n
Lordstown Motors stellt eigene Zukunft in Frage | electrive.net
Wo kann man Aktien von Lordstown Motors kaufen, nachdem die CEO sagte, dass Dienstag ein „neuer Tag“ ist | invezz
Bildquelle: © Lordstown Motors

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Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

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