Lordstown Motors feiert seine ersten Beta-Prototypen und will im September mit der Massenproduktion seines Elektro-Pickup Endurance starten. Doch Analysten werfen dem Start-up Betrug vor. Bestellungen sollen nur vorgetäuscht sein und eine Serienproduktion noch Jahre entfernt.

Lordstown Endurance: Elektro-Pickup für Flotten

Lordstown Motors produziert in einem ehemaligen Werk von General Motors in Ohio und will die Region zum Zentrum für E-Fahrzeuge machen. Die ersten zwei Prototypen, die jetzt vom Band liefen, sollen erst der Anfang sein: Lordstown will Elektro-Pickups für kommerzielle Flotten bauen, die sicherer und produktiver sind als die Modelle der Konkurrenz. Vor der Serienproduktion sollen insgesamt 59 Prototypen von Kunden im Alltag getestet werden.

Analysten werfen Lordstown Täuschung von Investoren vor

Dass jetzt die ersten beiden Prototypen fertig sind, feierte die Belegschaft in Ohio groß. Lordstown Motors braucht dringend gute Publicity, denn das Start-up ist mit Betrugsvorwürfen konfrontiert. Die Analysten von Hindenburg Research werfen Lordstown vor, bei den Vorbestellungen zu betrügen. Von den 100.000 Bestellungen, die laut Lordstown schon vorliegen, seien viele fiktiv und stammten von Briefkastenfirmen oder Kleinunternehmen, die für die Bestellung bezahlt wurden. Diese Firmen hätten weder Flotten noch die Mittel, den Elektro-Pickup wirklich zu kaufen, so die Analysten.

„Kein verkaufsfähiges Produkt“

Das Ganze sei der Versuch von Lordstown, Investoren anzulocken. Außerdem ist den Analysten zufolge die Serienfertigung noch in weiter Ferne – frühestens in drei bis vier Jahren könne es soweit sein, heißt es. Dabei beruft sich Hindenburg Research auf Aussagen von ehemaligen hochrangigen Mitarbeitern von Lordstown Motors. Bisherige Tests seien zudem nicht zufriedenstellend verlaufen, im Januar erst sei ein Prototyp nach einer kurzen Testfahrt in Flammen aufgegangen. Lordstown habe „kein verkaufsfähiges Produkt“.

Außerdem hätten viele Lordstown-Manager nach dem Börsengang im Oktober 2020 Aktien im Wert von 28 Millionen Dollar wieder verkauft, was ebenfalls ein schlechtes Zeichen sei. Erschwerend kommt hinzu, dass Firmenchef Steve Burns bei seiner vorherigen Firma Workhorse ganz ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt war. Die Vorwürfe hatten zur Folge, dass der Aktienkurs von Lordstown in den Keller ging. Die US-Börsenaufsicht nahm Ermittlungen auf.

„Lordstown Motors Week“ im Juni soll neues Vertrauen schaffen

Wie aktuelle Ankündigungen zeigen, hält Lordstown aber an seinem Zeitplan fest. Nach dem Serienstart im September sollen in Ohio langfristig 600.000 Elektro-Pickups produziert werden. Um neues Vertrauen zu schaffen, hat Lordstown für Juni eine „Lordstown Motors Week“ angekündigt. An fünf Tagen will das Start-up Analysten, Kunden und Investoren in den Hauptsitz einladen. Es wird Werksbesichtigungen geben, Treffen mit dem Führungsteam von Lordstown Motors, Präsentationen sowie Testfahrten mit dem Endurance. So sollen sich alle Interessierten überzeugen können, dass eine baldige Markteinführung realistisch ist. Nach der Ankündigung ging der Aktienkurs wieder um 11 Prozent nach oben.

Der fünfsitzige Endurance soll ab 52.500 Dollar zu haben sein. Seine Gesamtleistung liegt bei 608 PS, die Höchstgeschwindigkeit bei 128 km/h. Die Reichweite des Pickup gibt Lordstown mit 402 Kilometern nach EPA an, dem als sehr realitätsnah geltenden US-amerikanischen Standard. Von null auf 60 Meilen (96,6 Kilometer) beschleunigt der Endurance in 5,5 Sekunden.

Quellen / Weiterlesen

‘Lordstown Motors Week’ to Open Plant to Analysts, Investors | Business Journal
Vorwürfe gegen Elektro-Pickup-Hersteller Lordstown: Steuerschuld und Aktieneinbruch | freenet.de
E-Pickup-Hersteller feiert erste Beta-Prototypen | auto motor und sport
Bildquelle: flickrTrump White House Archived

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Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

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