Wie entwickelt sich der Markt für Elektroautos in China? Entgegen der landläufigen Erwartung wird der Anteil der Stromer dort nicht weiter steigen – sagt zumindest der China-Experte Jochen Siebert. Stattdessen rücken Wasserstoff- und Methanolfahrzeuge sowie verbrauchsarme Verbrenner in den Vordergrund.

In den letzten Jahren hat China die Elektromobilität stark gefördert. Doch jetzt wendet sich das Land von E-Autos ab, glaubt Jochen Siebert von der Unternehmensberatung JSC Automotive, die auf den chinesischen Automarkt spezialisiert ist.

China will bei Energie und Rohstoffen unabhängiger werden

In den letzten Jahren habe China wegen der Fokussierung auf Elektroautos den Verbrenner vernachlässigt. Deshalb nahm der durchschnittliche Verbrauch zu, was den Erdölverbrauch in die Höhe trieb. Im Zentrum der chinesischen Politik stehe jetzt aber die Unabhängigkeit der Energie- und Rohstoffversorgung, verstärkt durch den Handelskrieg mit den USA, so Siebert. In China kommt der Großteil der Energie aus der Kohle, viele neue Kohlekraftwerke gehen ans Netz.

Schwenk zu Methanol und Wasserstoff

Deshalb ist in neusten Veröffentlichungen der chinesischen Regierung plötzlich die Rede von neuen Technologien: Methanol etwa oder Wasserstoff. Methanol kann aus der Vergasung von Kohle gewonnen werden, und Wasserstoff für die Brennstoffzelle per Elektrolyse. Batterien für Elektroautos dagegen bestehen aus Rohstoffen, die China importieren muss, vor allem Lithium und Kobalt. Also setzt Peking lieber auf Unabhängigkeit mit alternativen Antriebsarten. In den letzten Jahren wurden laut Siebert 100.000 Taxis von Benzin auf Methanol umgerüstet. Denn das Land zahlt dafür einen Zuschuss, der sogar über den Kosten des Umbaus liegt. Im Fokus steht jetzt Geostrategie, nicht mehr der Umweltschutz.

Absatzeinbruch bei Elektroautos

Gleichzeitig fährt Peking seit längerem die einst großzügigen Subventionen für Elektroantriebe massiv zurück. Inzwischen sind die Gelder um 75 Prozent gekürzt, und der Markt ist eingebrochen: Im September 2019 wurden 19 Prozent weniger E-Autos zugelassen, im Oktober 29 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Der Markt für Hybridfahrzeuge hat sich sogar halbiert.

Was bedeutet das für deutsche Hersteller, die in den kommenden Jahren Millionen Elektroautos in China verkaufen wollen? Es gibt weiter eine Quote für NEVs, also New Energy Vehicles, wie die E-Fahrzeuge in China genannt werden. Der Anteil von Batteriefahrzeugen, Plug-in-Hybriden und Brennstoffzellenautos soll dieses Jahr bei 10 Prozent liegen, und steigt bis 2023 pro Jahr um 2 Prozentpunkte. Einen Markt werde es also weiterhin geben, prognostiziert Jochen Siebert. 2025 sei mit etwa 1,25 Millionen reinen Elektroautos zu rechnen, 2030 mit 3,5 Millionen.

Der Absatzmarkt werde noch groß genug sein, damit etwa VW seine Kapazitäten füllen könne, so der Experte. Der Konzern will bis 2025 in China 1,5 Millionen Elektroautos verkaufen. Auch BMW plant eine Autofabrik in der Provinz Jiangsu für 650 Millionen Euro.

Quelle / Weiterlesen

Schwache Batterie | Süddeutsche Zeitung
Chinas neue Antriebsstrategie: „Unterm Strich hatten Daimler und BMW recht“ | Automobil Industrie
China: Regierung legt Fokus auf Wasserstoff, E-Fuels und Methanol | Automobil Industrie
Bildquelle: Needpix
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

7 KOMMENTARE

  1. Der Experte irrt hier.
    Die Quote wird es regeln.
    Und der Staat spart sich die Subventionen.
    Sollte auch die Bundesregierung so machen.
    Dann werden die Autos auch billiger.

  2. Eine enttäuschende Nachricht.

    Ich war immer davon ausgegangen, dass China (also dessen Despoten) genau wissen, dass auch ihr Land unter den von ihnen selbst verursachten CO2-Emissionen leidet und weiter leiden wird.

    Das wird die eMobilität hoffentlich nicht weiter bremsen.

  3. China geht den für China richtigen Weg. Das batteriebetriebene E-Auto verschiebt nur die Probleme, löst aber nicht das Grundproblem, zunächst erst einmal genügend Energie aus erneuerbaren Quellen kostengünstig zu gewinnen. Für China wie auch für die meisten anderen Länder gibt es derzeit nur eine Quelle mit ausreichendem Potential, die Offshore-Windenergie, die man heute schon zu Kosten von 2 Cent/kWh gewinnen könnte, wenn man eine entsprechende Technik anwendet, die ich schon 2012 den Herstellern und der Politik angeboten habe, die aber keine Beachtung fand.

  4. Das eAuto ist der einzige Weg, Individualmobilität einigermaßen umweltverträglich darzustellen.

    Das hat mit der prinzipiellen Gewinnung von Energie gar nichts zu tun. Selbst mit schmutziger Primärenergie ist das eAuto wesentlich weniger umweltschädlich als mit Fossilenergie.

    Und das betrifft sowohl die CO2-Emissionen als auch die restlichen Sauereien durch die Verpester.

  5. Der Strom für die E-Mobilität kommt vornehmlich aus Kohlekraftwerken, deren Dreck belastet die Städte letztlich genauso wie die Verbrenner. Wasserstoff verbrennt sauberer als Kohlenstoffenergieträger wie Methanol, Alkohol oder Benzin und Diesel. Das CO2-Problem wird aber nur verlagert. Gleichwohl kann die Vergasung sehr sauber betrieben werden. Biomasse zu vergasen wäre aber nachhaltiger.
    Die Methanolbrennstoffzelle ist nur dann sinnvoll, wenn es keine Gasinfrastruktur gibt und auch dann nur für eine Übergangszeit. Denn sowohl die Synthese von Methanol als auch die anschließende Umsetzung in der Methanolbrennstoffzelle sind mit Effizienzeinbußen verbunden.
    Von Herrn Meyer wüsste ich gerne welche der verschiedenen Techniken er für die Offshore.Windenergie er denn favorisiert.

  6. Falsch. Erstens ist der Primärenergieeinsatz auch bei Kohle besser als bei einem Verpester mit Öl.
    Zweitens werden die Abgase in Kraftwerken eben nicht in Höhe der Kinder ausgeblasen.

    Und woher soll bitte der Wasserstoff kommen? Wächst der auf den Feldern?

    Vergasung sauber? Genau das wäre eine reine Verlagerung der Emissionen. Und gleichzeitig eine riesige Verschwendung, da bei dem Prozess 2/3 der Primärenergie verloren geht.

    Biomasse vergasen? Da reicht die gesamte Agrarfläche nicht aus, um nur die Autos bewegen zu können. Zu essen gibt es dann nichts mehr.

  7. Alex 1 schon mal nachgedacht warum China einen so großen Anteil an der Umweltverschutzung besonders in eigenen Land hat?
    Europa und die restliche Welt hat ihre umweltbelastende Produktion nach China und Asien verlegt
    dort gibt es noch niedrige Löhne Massen von Arbeitskräften
    riesige Gewinne der Konzerne.
    Wir haben vor ca 40 Jahren unsere Produktion von Bleibatterien nach China verlegt .
    alle unsere ehemaligen Produkte der Elektro und Elektronikindustrie kommen unter ehemaligen Namen aus China
    Alle Plastikgegenstände , Autoreifen, Schuhe,Klamotten, etc. kommen aus China
    selbst Tomaten in Dosen , Honig, Schrimps , alles aus China
    Fast alle online bestellten Waren kommen nicht von Amazon sondern aus China
    Nachgemachte Arzeneimittel , Autozubehör,Ersatzteile Baumarktprodukte aus China
    Räumt mal eure Wohnung Keller Garagen aus und schmeißt alles aus China auf einen Haufen.
    Ohne die chinesischen Asiatischen Produkte hätten wir Zustände wie bis in die 90 Jahre ,dreckige Luft Hochöfen die gelbe Wolken ausstoßen usw.
    Wir verschmutzen die Welt durch unseren Konsum , der Dreck bleibt in den Entwicklungsländern Asien Afrika etc sowie die Armut.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here