Bei Batteriezellen für Elektroautos ist die deutsche Autoindustrie komplett von asiatischen Importen abhängig. Das soll bei der Brennstoffzelle nicht noch einmal passieren: Daimler will bei großen LKW künftig verstärkt auf Wasserstoff setzen und die Brennstoffzellen dafür selbst herstellen. Und die Pläne des Konzerns gehen noch weiter.

Die bessere Lösung für die Langstrecke

Auch wenn Mercedes die Produktion des GLC F-Cell einstellt – das Thema Wasserstoff ist für den Mutterkonzern noch lange nicht erledigt. Denn bei LKW hält Daimler die Brennstoffzelle auf der Langstrecke für eine bessere Lösung als die Batterie.

Eigene Serienfertigung in Stuttgart

Schon im April gaben die Daimler Truck AG und die Volvo Group bekannt, ein Joint Venture gründen zu wollen. Das Ziel ist die Herstellung von Brennstoffzellen für schwere Nutzfahrzeuge. In Stuttgart entstehen bereits Produktionsanlagen, die mittelfristig Brennstoffzellen in Serie herstellen sollen. Daimler will die gesamte Wertschöpfungskette der Brennstoffzelle abdecken: Von der Beschichtung der Membrane über die Zelle bis zum Stack und Aggregat. Denn eine Abhängigkeit von Importen wie bei der Elektromobilität will Daimler diesmal unbedingt vermeiden.

Daimler will bei der Brennstoffzelle Pionierarbeit leisten

Andreas Gorbach von Daimler Trucks sagte der Süddeutschen Zeitung, je länger und je schwerer ein Lkw ohne Unterbrechung unterwegs sei, desto besser seien Brennstoffzellen im Vergleich zu Batterien. „Deutschland muss als Technologiestandort Vollgas geben, damit nicht dasselbe passiert wie mit der Batteriezelle“, sagte Gorbach.

Daimler hat erkannt, dass bei der Brennstoffzelle der Durchbruch zuerst bei schweren Nutzfahrzeugen kommen wird und erst später im PKW-Bereich. Um hier ganz vorne mit dabei zu sein, nimmt Daimler Millionen in die Hand. „Wir gehen nun konsequent den Weg in Richtung Serienfertigung von Brennstoffzellen und leisten damit absolute Pionierarbeit – und dies über die Fahrzeugindustrie hinaus“, sagte Martin Daum, Vorsitzender des Vorstands der Daimler Truck AG.

Stationäre Brennstoffzellen als Zukunftsmarkt

In die Großserie will Daimler in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts einsteigen. Die Pläne des Joint Ventures mit Volvo beinhalten aber nicht nur Brennstoffzellen für Nutzfahrzeuge. Die Partner wollen auch in den Markt für stationäre Brennstoffzellen einsteigen, die etwa als Notstromaggregate für Datenzentren von Tech-Konzernen eingesetzt werden. Denn gerade dort wächst der CO2-Ausstoß. Daimler und Volvo planen in diesem Bereich eine Zusammenarbeit mit Rolls-Royce Power Systems.

Konkurrenz durch Bosch

Auch der Autozulieferer Bosch setzt übrigens auf Wasserstoff und arbeitet an mobilen und stationären Brennstoffzellen. Ab 2023 sollen sie in LKW und PKW eingesetzt werden – auch der Wasserstoff-LKW Nikola Tre, der bei Iveco in Ulm gebaut wird, wird Brennstoffzellen von Bosch an Bord haben. Auch Bosch geht von einem starken Wachstum in diesem Bereich aus.

Quellen / Weiterlesen

Die Brennstoffzelle soll Daimlers nächstes großes Ding werden | Süddeutsche Zeitung
Daimler verstärkt Engagement bei Brennstoffzellen für Lkw | ecomento.de
Die Daimler AG setzt auf eine neue Strategie: Wasserstoff-Technik statt Batteriezellen | come-on
Daimler-Coup: Mit dieser Idee könnten Wasserstoffautos gegenüber E-Autos in Deutschland einen klaren Vorteil erlangen | Business Insider
Bildquelle: © Daimler AG
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

2 KOMMENTARE

  1. Oh je, schon wieder wird auf das tote Pferd eingeprügelt. Die wenigen kleinen z.Z. noch existierenden Nischen bei Lkws werden immer schneller geschlossen durch billigere Akkus ohne Kobalt, Destination Charger, Oberleitungen, Stromschienen etc.

    Glaubt der Daimler wirklich, dass Speditionen das Dreifache für ihren Fahrstrom zahlen wollen? Oder geht es – mal wieder – nur um das Abgreifen von Fördermillionen?

    Stationäre Brennstoffzellen könnten vielleicht was werden. Sollte aber irgendwann mal „grüner H2“ wirklich nennenswert zur Verfügung stehen, wird er völlig in der Industrie aufgebraucht werden. Da macht er ja auch Sinn.

  2. Langstrecke mit ordentlich Zuladung ist ein kniffliges Thema. Ich bin mir nicht so sicher, wie sicher sich das aktuell Abschätzen lässt, was dort die beste Technologie ist und Wasserstoff nicht vielleicht doch die beste Variante sein wird.

    Oberleitungen und Stromschienen für LKW sind Schwachsinn. Die Kosten das auf allen Autobahnen in Europa zu installieren sind utopisch und da wäre Wasserstoff auf jeden Fall günstiger. Aber beim Kampf zwischen Batterie und Wasserstoff bzw. der Break-Even Transportstrecke, ab der Wasserstoff besser ist als eine Batterie, ist noch viel Musik im Spiel. Mit Blick auf die nächsten 3-5 Jahre erscheint es utopisch, dass ein LKW mit vernünftiger Zuladung 2000 km durch Europa mittels Batterie fährt. Das Fahrzeug wäre dann so schwer, dass es nur noch als Schwerlasttransporter zugelassen werden kann. Aber die Entwicklungsgeschwindigkeit ist momentan noch echt enorm, von daher bin ich gespannt, was die Zukunft bringt und ob es irgendwann nicht doch geht.

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