Erst sagt General Motors seine geplante Kooperation mit Nikola ab, nun reduziert auch Bosch seine Anteile: Mit Nikola Motors geht es nach erneuten Betrugsvorwürfen bergab. Das Vertrauen in das junge Unternehmen schwindet offensichtlich. Das erste Opfer ist der elektrische Pick-up Nikola Badger, der nun nicht gebaut wird.

GM und Bosch ziehen Kapital ab

Zuerst lief alles super bei Nikola Motor. Das Start-up aus Arizona ist angetreten, um den Markt mit Elektro- und Brennstoffzellen-LKW aufzumischen. Auch der Börsenstart im Sommer war sehr erfolgreich. Doch vor kurzem sagte GM eine geplante Zusammenarbeit ab und will sich nicht mehr wie geplant mit zwei Milliarden Dollar an Nikola beteiligen. Die bereits erhaltenen Zahlungen muss Nikola nun an GM zurückzuzahlen.

Jetzt hat auch Bosch seine Beteiligung an Nikola auf 4,9 Prozent reduziert. Zuvor hielt der Autozulieferer 6,4 Prozent der Anteile an dem Start-up. Der Zulieferer gab keine detaillierte Begründung ab und sagte nur, das Investment sei vor allem dafür gedacht gewesen, die Entwicklung von Wasserstoff-Technologien voranzubringen. Jetzt habe man sich nach einer festgelegten Haltedauer eben von einem Teil der Anteile getrennt.

Bosch hat den Antrieb für die Nikola-LKW mitentwickelt, die zunächst mit batterie-elektrischem Antrieb, danach mit Brennstoffzelle auf den Markt kommen sollen. Nikola wollte die Meldung nicht kommentieren.

GM wird zum reinen Lieferanten

Besonders der Ausstieg von GM dürfte Nikola zu schaffen machen, denn er bedeutet, dass der Nikola Badger nicht gebaut wird. Nikola hatte den elektrischen Pick-up Anfang 2020 vorgestellt. Bauen sollte ihn eigentlich General Motors, doch daraus wird nun nichts. Die Zusammenarbeit von GM mit Nikola wird sich auf die Lieferung von Brennstoffzellen-Technik beschränken. Als Folge stürzte die Nikola-Aktie zunächst um 27 Prozent ab.

Erneute Betrugsvorwürfe machen dem Start-up zu schaffen

Wie konnte es so weit kommen? Im September gab es schlechte Presse für Nikola, als Analysten von Hindenburg Research dem Start-up eine lange Liste von Täuschungen vorwarfen. Viele Aspekte des Geschäftskonzepts und der dafür entwickelten Technologien gebe es überhaupt nicht, so der Vorwurf. Nikola sei auf Betrug aufgebaut.

Erneut wurde der Vorwurf laut, der Wasserstoff-Truck Nikola One sei nicht fahrtüchtig, obwohl Nikola das Gegenteil vorgegaukelt hätte: Ein Werbevideo zeigte den Truck, wie er in hoher Geschwindigkeit von einem Hügel herabrollt. Dafür sei er vorher den Berg hinaufgezogen worden, so der Vorwurf. Über einen funktionstüchtigen Antrieb verfüge der Truck nicht – was Nikola im Nachgang auch einräumen musste.

Es ist nicht das erste Mal, dass Nikola den Nikola One fälschlicherweise als funktionsfähig präsentierte. Ein vor einiger Zeit öffentlich vorgestellter Prototyp sei statt mit Wasserstoff mit einem Erdgasmotor gefahren, beschwerte sich ein früherer Investor. Inzwischen musste sogar Nikola-Chef Trevor Milton zurücktreten.

Einen Beigeschmack haben die Betrugsvorwürfe durch Hindenburg Research trotzdem: Nikola verwies darauf, dass Hindenburg Research Geld mit hohen Wetten auf Kursverluste verdient. Die Nikola-Aktie hatte einen sehr guten Start an der Börse hingelegt, obwohl das Start-up noch kein einziges Fahrzeug auf der Straße hat.

Elektro-LKW Nikola Tre wird wie geplant in Ulm gebaut

Das Vertrauen in das junge Unternehmen scheint dennoch zu schwinden, zumindest kann man den Ausstieg von GM und Bosch so interpretieren. Nikola hält trotzdem an seinen Plänen fest: Nach aktuellem Stand soll der erste batterie-elektrische LKW Nikola Tre nächstes Jahr in Europa auf den Markt kommen. Nikola baut ihn gemeinsam mit Iveco in Ulm. Später soll er auch mit Brennstoffzelle zu haben sein.

Quellen / Weiterlesen

Nikola strategic partner Bosch reduces stake | Automotive News Europe
Trotz Betrugsvorwürfen: Partner glauben weiter an Elektro-Lkw-Startup Nikola | ecomento.de
Bosch reduziert Anteil an Nikola Motors ebenfalls | vision mobility
Bosch reduziert ebenfalls Anteile am Lkw-Startup | auto motor und sport
Wasserstoff-Tesla gibt Prototypen-Fake zu: Diese Technologie hat Nikola wirklich | EFahrer
Bildquelle: © Nikola Motor
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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