Der E-Roller-Vermieter Coup gibt sein Geschäft auf. Die schwarz-grünen Roller sind zwar mittlerweile ein fester Bestandteil des Berliner Stadtbildes, doch offenbar sieht die Muttergesellschaft Bosch keine wirtschaftliche Perspektive für Coup. Schon in drei Wochen ist Schluss. Macht das Aus Sinn? Wie könnte es mit Coup weiter gehen?

Kosten für den laufenden Betrieb zu hoch

Bosch nannte die hohen Kosten für Pflege und Wartung der Rollerflotte und den Betrieb der Software-Plattform als Grund für die Entscheidung. Auch langfristig sieht Bosch demnach keine Möglichkeit, mit Coup in die schwarzen Zahlen zu kommen. Spätestens bis Mitte Dezember sollen sämtliche Elektroroller des Anbieters nicht nur aus Berlin, sondern auch aus Tübingen, Paris und Madrid verschwinden.

Coup wurde 2016 gegründet und hatte zuletzt etwa 4.000 Roller im Einsatz. Die 120 Mitarbeiter, die unter anderem die täglichen Batteriewechsel vornehmen und im Kundenservice beschäftigt sind, sollen im Zweifel per Abfindung freigesetzt werden. Die Kosten für den laufenden Betrieb ließen sich nur über das Ausleihen nicht refinanzieren, teilte Bosch mit. Der Konzern schließt also diese Sparte lieber, statt weitere Investitionen zu tätigen.

Strategiewechsel bei Bosch

Bosch spricht auch von einer strategischen Entscheidung: „Der Markt ist extrem wettbewerbsintensiv. Bosch wird daher nicht mehr selber Mobilitätsdienste für Endkunden betreiben, sondern lediglich Zulieferer sein für Anbieter von Mobilitätsdiensten“, teilte eine Sprecherin mit.

Im April erst hatte Coup ein neues Preismodell eingeführt. Dazu gehörten flexiblere Pakete und ein niedrigeres Mindestalter für die Nutzung der E-Roller. Damals kündigte Coup außerdem an, seine Flotte um 40 Prozent zu vergrößern.

Die E-Roller sollen bis zuletzt im Einsatz sein

Nun kommt also trotzdem das Aus. Coup will seinen Dienst aber bis zur endgültigen Geschäftsaufgabe uneingeschränkt aufrechterhalten. Nutzer, die noch ungenutzte Minutenpakete haben, sollten diese so schnell wie möglich aufbrauchen. Ansonsten werden diese aber zurückerstattet, hieß es.

Die grün-schwarzen Elektroroller von Coup werden zunächst eingelagert, wie Bosch mitteilte. Sie lassen sich offenbar nicht einfach verkaufen, weil es die spezielle Ladeinfrastruktur für die Fahrzeuge in Europa nicht gibt. Die Roller stammen vom taiwanesischen Hersteller Gogoro. Bosch will ein Konzept erarbeiten, was mit den Fahrzeugen passieren soll.

Macht das Aus Sinn? Wie könnte es mit Coup weiter gehen?

Bosch hat viele Millionen Euro in die Entwicklung des Sharing-Konzepts und in das Marketing investiert. Dieses könnte einen günstige Einstieg für Unternehmen darstellen, die in diesen Bereich expandieren wollen. Hierfür kämen beispielsweise die großen Tankstellenketten wie Aral oder Shell in Frage, die auch über die entsprechende Infrastruktur zur Wartung der Roller und zum Aufladen verfügen. Diese Unternehmen könnten hierdurch in die spannenden Zukunftsmärkte Elektromobilität und Sharing-Economy einsteigen und auf das bestehende Know-how von Coup und Bosch zurückgreifen.

Weiterhin wäre vorstellbar, dass Akku-Hersteller, die Battery-as-Service anbieten, in diesen Markt einsteigen. Erst kürzlich hat Swobbee angekündigt, mit dem spanische E-Roller-Produzent Torrot Electric zu kooperieren. Swobbee verfügt über die entsprechende Infrastruktur zum Laden der Akkus und könnte sich mit Coup ein neues Geschäftsfeld erschließen.

Quellen / Weiterlesen

COUP plans to discontinue its eScooter sharing service | Coup Mobility GmbH
Elektro-Scooter: Sharingdienst Coup gibt auf | t3n
E-Scooter-Sharingdienst stellt Betrieb ein | Tagesspiegel
Strategiewechsel bei Bosch – Coup stellt Service ein | Berliner Morgenpost
Bildquelle: © Coup Mobility GmbH
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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