Solarstrom entlastet das Klima und spart Stromkosten, doch nicht jeder kann sich eine Solaranlage aufs Dach setzen. Gerade für Mieter sind deshalb kleine Solaranlagen für die Steckdose eine einfache Möglichkeit, Solarstrom zu nutzen und nebenbei die Umwelt zu schonen. Wir erklären, wie der Solarstrom vom Balkon funktioniert.

Was sind Balkon-Kraftwerke?

Die kleinen Anlagen, die im Handel unter dem Namen Balkon-Kraftwerk, Plug-and-Play-Kraftwerk oder Mini-Solaranlage zu finden sind, bestehen typischerweise aus einem oder zwei Photovoltaikmodulen. Sie werden ganz einfach per Steckdose ans Stromnetz des Haushaltes angeschlossen. Scheint die Sonne, erzeugen sie Strom, den ein mitgelieferter Wechselrichter fürs Hausnetz umwandelt. Dann nutzen Kühlschrank, Lampen oder der Fernseher vorrangig diesen selbst produzierten Strom. Die Anlagen sind nur für den Eigenverbrauch gedacht und nicht dazu, wie Dach-Photovoltaikanlagen Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen.

Natürlich produzieren die Anlagen mit einem maximalen Nennwert von 600 Watt nicht genug Energie für den gesamten Haushalt. Aber immerhin so viel, dass der Strombezug aus dem Stromnetz zurückgeht und dadurch die Stromrechnung sinkt. Eine Genehmigung braucht man dafür nicht, weder von Behörden noch in den meisten Fällen vom Vermieter. Eine Meldung an den Netzbetreiber ist trotzdem Pflicht, mehr dazu gleich.

Welche Größe eignet sich für wen?

Beim Kauf einer Mini-Solaranlage für den Balkon sollte man den eigenen Stromverbrauch und den gewünschten Aufstellort beachten. Je sonniger der Standort und je höher der Stromverbrauch, desto mehr lohnt sich die größte Ausführung mit 600 Watt. Wer dagegen allein wohnt und die Anlage auf dem Balkon aufstellen will, kann sich eine kleinere Anlage mit 200 Watt zulegen. Die Ausrichtung sollte möglichst nach Südosten erfolgen, ideal ist ein Einfallswinkel von 36 Grad. Die Solarmodule sollten möglichst wenig Schatten abbekommen.

Was kostet eine Balkon-Solaranlage?

Die Geräte kosten zwischen 300 und 800 Euro. Je nach Größe, Ausrichtung und eigenem Stromverbrauch können sie zwischen 10 und 20 Prozent des Haushaltstroms zuliefern. Das funktioniert so, dass der Stromzähler langsamer läuft. Bei einem Strompreis von 28 Cent kann ein 300 Watt-Solarmodul mit Ausrichtung nach Süden gut 200 Kilowattstunden im Jahr produzieren. Das spart 56 Euro Stromkosten im Jahr.

Wie sicher sind die Anlagen?

Prinzipiell sind die Geräte sicher und können auch von Laien installiert werden. Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) rät allerdings von Schukosteckern ab und empfiehlt dringend, einen Elektriker einzubeziehen. Dieser sollte einen sogenannten Wieland-Stecker installieren, welcher der Industrienorm entspricht. Pflicht ist dies allerdings seit 2019 nicht mehr.

Besonders wichtig: Man sollte niemals mehrere Anlagen über eine Mehrfach-Verteilersteckdose anschließen. Das kann die Stromleitung überlasten, es besteht Brandgefahr. Mit nur einer Anlage dagegen ist man auf der sicheren Seite. Da es noch keine Norm für die Balkon-Anlagen gibt, sollte man beim Kauf zudem auf das Siegel der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS) achten. Es steht für einen speziellen Sicherheitsstandard.

Der Netzbetreiber muss informiert werden

Ist die Anlage aufgestellt, muss dies dem Netzbetreiber und der Bundesnetzagentur gemeldet werden. Dafür gibt es oft schon Musterformulare auf den Seiten vieler Stromversorger. Der Grund ist, dass der Stromzähler sich durch den eingespeisten Strom nicht rückwärts drehen darf, was bei alten Zählern der Fall sein kann. Im Normalfall ist dafür die eingespeiste Strommenge aber zu gering, so dass viele Netzbetreiber hier auf eine Umrüstung verzichten. Dafür darf allerdings nur ein Modul angeschlossen sein.

Quellen / Weiterlesen

Solarstrom vom eigenen Balkon – so geht´s | NDR
Grüner Strom vom Balkon | tagesschau.de
Mini – Solaranlagen bringen Energiewende am eigenen Balkon | futurezone
Bildquelle: flickrcredit_00

Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

1 KOMMENTAR

  1. Eine PV Anlage ist meiner Meinung entsprechend fast immer sinnvoll, allerdings sind viele „Balkonanlagen“ nicht sehr sinnvoll, da die Idealbedingungen zum Teil fehlen. Dazu kommt noch die falsche Bewertung der Ersparnis… (für Österreich), denn der Preis für eine kWh ist je nach Jahresverbrauch zwischen 16 & max. 20 Cent in Österreich. Für einen Großteil der installierten Anlagen kann man davon ausgehen, das die Amortisation in 15 – 20 Jahren erreicht wird. Und oft höre (lese) ich als Argument, das bei einem Netz bedingten Stromausfall wenigstens der Kühlschrank, das Modem usw. in Betrieb bleibt. Das geht sicher nicht, da keine der Anlagen als Inselanlage zugelassen wird.

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