Im Nürnberger Wohnquartier „Hansapark Nürnberg“ sorgt bald ein Eisspeicher für Wärme und Kühlung. Die noch junge Technologie ist das Herzstück der Energieversorgung des Quartiers im Südwesten der Stadt. Mit dem Eisspeicher wird die Energieversorgung dort fast klimaneutral.

Wie Eisspeicher funktionieren

Eisspeicher werden erst seit etwa zehn Jahren eingesetzt und sind eine sehr innovative Möglichkeit, erneuerbare Energien zu speichern. Dabei werden Sonnen- und Umgebungswärme in einen mit Wasser gefüllten Speicher geleitet. Über eine Wärmepumpe wird die gespeicherte Wärme dann zur Beheizung der Gebäude genutzt.

Durch den Wärmeentzug sinkt die Temperatur im Speicher, das Wasser gefriert. Dabei entsteht Kristallisationsenergie in Form von Wärme, die ebenfalls zur Wärmeversorgung im Gebäude beiträgt. Pro Kilogramm Wasser sind das mehr als 90 Wattstunden – das bedeutet, dass der Eisspeicher im Hansapark mit einem Gefriervorgang die gleiche Energiemenge liefert wie die Verbrennung von ca. 2.900 Litern Heizöl. Im Sommer sorgt das entstandene Eis im Speicher für die Kühlung der Gebäude, und das ohne zusätzlichen Energieaufwand.

Klimaneutrale Energieversorgung

Mit Eisspeichern lässt sich also jede Menge Energie und CO2 einsparen. Bei einem Wohnprojekt mit 100 Wohnungen fallen beispielsweise mehr als 70 Prozent CO2 weniger an. „Wir sind sehr stolz auf das zukunftsweisende Konzept für das Quartier Hansapark. Damit gehen wir einen Schritt weiter in Richtung Nachhaltigkeit beim Neubau von Immobilien. Denn letztendliches Ziel bei der Umsetzung unserer Projekte ist die Versorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien“, erklärt Stefan Keller, geschäftsführender Gesellschafter der te group, die den Hansapark Nürnberg baut.

Die Bauarbeiten für den unterirdischen Eisspeicher, der 300 Kubikmeter fasst, haben bereits begonnen. Er wird von der GETEC gebaut, einem Energieversorger und Contracting-Spezialisten für Industrie und Wohnungswirtschaft. Auch Michael Lowak, CEO für den Bereich Immobilienwirtschaft bei GETEC, betont die Nachhaltigkeit des Eisspeichers: „Im Hansapark Quartier in Nürnberg ist es uns mit einer hocheffizienten Kombination eines Eisspeichers und Wärmepumpen gelungen, die Wärme- und Energieversorgung nicht nur absolut effizient, sondern auch nahezu klimaneutral zu betreiben.“

Der erste Bauabschnitt des Quartiers wurde im Mai 2020 fertiggestellt, es handelt sich um ein Verwaltungsgebäude. Sobald der Eisspeicher fertiggestellt ist, wird er an das Gebäude angebunden. Dafür sind keine Eingriffe in den Geschäftsbetrieb nötig, da die nötigen Vorarbeiten schon abgeschlossen sind.

Finanzierung über Crowdinvesting

Der Hansapark Nürnberg wird über ein Bankdarlehen der Airbus Bank und ein festverzinsliches Wertpapier finanziert, vermittelt über die Finanzplattform SKAPA Invest GmbH. Das Finanzierungsvolumen beträgt über 27,3 Millionen Euro, wobei mehr als 10 Millionen aus dem an Privatanleger vermittelten Wertpapier (Inhaberschuldverschreibungen) stammen. Über das Papier mit 6 Prozent Zinsen pro Jahr und einer Laufzeit von unter drei Jahren können auch Privatanleger vom Bau des Quartiers profitieren.

Quellen / Weiterlesen

Baustart für den Eisspeicher im Quartier „Hansapark Nürnberg“ | te management
Bildquelle: © SKAPA Invest GmbH

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2 KOMMENTARE

  1. Der Artikel liest sich fast so, als wäre der Eisspeicher selbst die Energiequelle. Wenn man 300 Kubikmeter Wasser in einem unterirdischen Becken sammelt, passiert aber erst mal gar nichts. „Dabei werden Sonnen- und Umgebungswärme in einen mit Wasser gefüllten Speicher geleitet“ heißt es sehr allgemein. Wo kommt die Energie her? Da muss ja eine mächtige PV-Anlage im Hintergrund stehen. Mit überschüssigem Solarstrom wird dann das Wasser aufgeheizt, oder wie?
    Der Eisspeicher liefere mit einem Gefriervorgang die gleiche Energiemenge wie die Verbrennung von ca. 2.900 Litern Heizöl, heißt es weiter. Wie viele solcher Gefriervorgänge gibt es denn pro Jahr? Wie wird gesteuert, ob man gerade Wärme oder Kälte braucht? Wo kommt die Energie zum Betrieb der Wärmepumpen etc. her?
    Ich muss mich wohl anderweitig schlau machen zur Technologie von Eisspeichern. Der Artikel gibt da zu wenig her.

  2. Eisspeicher kenne ich schon seit 40 Jahren. Damals noch in einem ChemieNormContainer, der eingegraben werden musste und ein dichtes Bündel von Kupferrohren zur besseren Wärmeübertragung enthielt. Hat sich wohl wegen der sittenwidrig niedrigen Fossilsprit-Preise nicht gelohnt.

    Hier steht: „Dabei werden Sonnen- und Umgebungswärme in einen mit Wasser gefüllten Speicher geleitet.“

    Das hört sich eher nach Solarthermie an als nach PV. Wobei „Umgebungswärme“ auch was Anderes sein kann, z.B. Wärmetauscherschlangen im Boden. Über direkte Solarwärme kann natürlich mehr Energie geholt werden als über PV. Die wird genutzt, um das Eis zu schmelzen, das im Winter dann über den Verdampfer der Wärmepumpe wieder gefroren wird.

    Gebraucht wird das Teil als Saisonspeicher wohl nur im Winter, wo es dann die im Sommer gesammelte Energie abgeben kann. Also wohl nur ein Lade- und Entladevorgang pro Jahr. Für andere Wärmezwecke (Schwimmbäder oder so), die auch im Sommer Wärme brauchen, wird das sich kaum rechnen, da sind 0°C m.E. zu tief.

    Die Steuerung ist eigentlich einfach. Wenn Wärme gebraucht wird, wird die kalte Sole aus dem Verdampfer der WP in den Wärmetauscher geleitet und entzieht ihm so die gewünschte Wärmemenge. Bis halt alles gefroren ist. Dann geht noch ein bisschen über fühlbare Wärme (Abkühlung des Eises), dann ist der Speicher leer.

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