Seit letztem Jahr stabilisiert ein riesiger Stromspeicher von Tesla das Stromnetz in Südaustralien. Das spart den Stromkunden Geld, aber rechnet sich der Riesenakku auch für dessen Betreiberfirma Neoen?

In Südaustralien gab es in der Vergangenheit immer wieder massive Stromausfälle, die Strompreise in der Region sind sehr hoch. Das liegt auch daran, dass es nur wenige Anbieter gibt, die Regelleistung bereitstellen, also schnell Schwankungen im Stromnetz ausgleichen. Um diese Probleme abzumildern, hat Tesla dem australischen Bundesstaat vor einem Jahr einen riesigen Batteriespeicher aus Powerpacks geliefert. Der 100-Megwatt-Speicher ist das Herz der Anlage Hornsdale Power Reserve, die vom französischen Netzbetreibers Neoen betrieben wird. Er liefert innerhalb von Sekundenbruchteilen Strom, wenn die Nachfrage und damit die Preise hoch sind.

Analyse zeigt gesunkene Marktpreise für Regelleistung dank des Akkus

Bevor der Tesla-Akku in Betrieb ging, mussten die Südaustralier für diese Regelleistung teuer bezahlen – in beiden Jahren davor je 40 Millionen australische Dollar (rund 25 Millionen Euro). Eine Analyse der Beraterfirma Aurecon, die von Neoen in Auftrag gegeben wurde, zeigte eine deutliche Senkung der Marktpreise dank des neuen Akkus.

Der Bericht vergleicht zwei Ereignisse miteinander, bei denen Regelenergie in großem Umfang ins Netz eingespeist werden musste. Bei einem Vorfall im September 2017, also bevor der Tesla-Akku ans Netz ging, betrug der Preis für Regelleistung vorübergehend über 6.000 Euro pro Megawattstunde. Im Januar 2018 verhinderte der Tesla-Speicher einen Stromausfall, indem er innerhalb von Millisekunden Strom ins Netz einspeiste. Damals sank der Durchschnittspreis für Regelleistung auf 154 Euro pro MWh, heißt es im Bericht von Aurecon. Das habe rund 2,2 Millionen Euro gespart – in nur fünf Stunden. Die Zahlen sind nicht direkt miteinander vergleichbar, beispielsweise wird der Durchschnittspreis im September 2017 im Bericht nicht genannt. Auch die Einsparungen sind nur Schätzungen und lassen sich schwer bestimmen, da unklar ist, wie sich der Markt ohne den Akku entwickelt hätte.

Was verdient die Betreiberfirma Neoen mit dem Akku? Im ersten Halbjahr 2018 hat sie 6,7 Millionen Euro Umsatz mit gespeichertem Strom gemacht. Auf Regelenergie entfallen davon 6,1 Millionen Euro. Diese Einnahmen beziehen sich aber nicht rein auf den Bundesstaat Südaustralien und damit auf die Tesla-Batterie, sondern auch auf andere australische Bundesstaaten. Außerdem verdient Neoen auch Geld mit anderen, allerdings nicht netzgebundenen Stromspeichern.

Künftige Entwicklung nicht genau absehbar

Wie sich die Einnahmen aus Regelleistung entwickeln werden, ist auch für Neoen nicht absehbar. Der Betreiber hat nach eigenen Angaben 56 Millionen Euro für die Batterie an Tesla gezahlt. Man habe einen festen Vertrag über die Bereitstellung der Regelleistung für zehn Jahre abgeschlossen, was jedes Jahr etwa 2,5 Millionen Euro an Einnahmen (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) bringe. Das wären also 25 Millionen Euro über die Vertragslaufzeit. Hinzu kommen außerdem gewährte Subventionen des Staates Südaustralien. Neoen muss also hoffen, dass nicht neue Wettbewerber den Preis für Regelleistung senken, indem sie eigene Akkus ans Netz bringen.

Der Tesla-Akku ist zu schnell

Ironisch dabei ist, dass dem Betreiber ausgerechnet durch die schnelle Reaktionszeit des Tesla-Akkus Einnahmen entgehen: Er reagiert innerhalb von 150 Millisekunden auf Änderungen in der Stromnachfrage. Das ist zu schnell für die aktuellen Abrechnungssysteme im Stromnetz, was zu Einnahmeausfällen führt.

Quellen / Weiterlesen


Teslas Riesenakku in Australien macht sich bezahlt | heise online
Tesla’s Battery Has Already Saved South Australia a Huge Amount of Money | Inverse
Tesla’s giant battery saved $40 million during its first year, report says | electrek
Bildquelle: flickrDavid Clarke

Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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