Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits in vielen Teilen der Welt sichtbar und werden weiter zunehmen. Ein Hebel, um aktiv etwas für die Umwelt zu tun, ist die eigene Kapitalanlage. In umweltfreundliche Technologien und Unternehmen zu investieren, zahlt sich auch für Anleger aus.

Klimaschutz in der EU

Die EU hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 nahezu klimaneutral zu werden. Bis dahin wollen die Mitgliedsstaaten ihren Treibhausgas-Ausstoß um 80 bis 95 Prozent senken, bezogen auf 1990. Dasselbe Ziel hat sich auch die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzplan 2050 gesetzt, in dem sie festgelegt hat, dass hierzulande alle Wirtschaftssektoren bis Mitte des Jahrhunderts fast komplett dekarbonisiert werden sollen.

Die EU braucht das Geld der privaten Anleger

Das bedeutet: Es gibt einen immensen Kapitalbedarf, um die Umstellung auf klimafreundliche Technologien zu finanzieren. Dazu braucht es die Kapitalmärkte, wie die EU letztes Jahr im „Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums im Rahmen der Kapitalmarktunion“ festgehalten hat. Bis 2030 braucht die EU jährlich 180 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Dieses Geld muss auch von privaten Anlegern kommen: „Die Mobilisierung privaten Kapitals für die Finanzierung nachhaltiger Investitionen ist von grundlegender Bedeutung“, sagte Jyrki Katainen, einer der Vizepräsidenten der EU-Kommission.

Um private Anleger für nachhaltige Finanzanlagen zu mobilisieren, will die EU die Transparenz nachhaltiger Finanzprodukte verbessern. Anleger sollen zuverlässige Informationen über Geldanlagen in nachhaltige Technologien und Projekte erhalten. Unter anderem wird ein Klassifikationssystem (Taxonomie) geschaffen, um zu bewerten, ob ein Unternehmen wirklich nachhaltig arbeitet. Dazu werden verschiedene Kriterien festgelegt, die EU-weit gelten.

Finanzunternehmen müssen zum Thema Nachhaltigkeit informieren

Auch Finanzunternehmen müssen künftig Auskunft darüber erteilen, wie klimafreundlich bestimmte Geldanlagen sind. Wenn sie für Kunden oder Begünstigte Anlagen verwalten, muss das Thema Nachhaltigkeit künftig Teil der Beratung sein. Bankberater etwa müssen ihre Kunden darüber unterrichten, welche Auswirkungen eine Anlage auf den Planeten oder die Umwelt vor Ort hat. Damit soll es Anlegern leichter gemacht werden, zu bewerten, ob eine Anlage umweltfreundlich ist oder nicht. Gezielte Investitionen in den Klimaschutz werden damit einfacher.

Nachteile für klimaschädliche Unternehmen an den Finanzmärkten

Künftig müssen Unternehmen, die sich nicht nachhaltig ausrichten, Nachteile in der Unternehmensbewertung und bei der Kapitalbeschaffung auf den Finanzmärkten hinnehmen. Denn auch Ratingagenturen wie Moodys oder Fitch beachten inzwischen sogenannte ESG-Faktoren (ökologische, soziale Aspekte sowie Unternehmensführung) bei ihren Bonitätsbewertungen. Das wird dazu führen, dass umweltschädliche Geschäftsmodelle künftig Probleme haben werden, sich frisches Kapital zu beschaffen. Das sollten Anleger bei ihren Investitionsentscheidungen beachten.

Viele institutionelle Anleger, etwa Versicherungen und Pensionskassen, haben schon reagiert und ziehen sich zunehmend aus „schmutzigen“ Geldanlagen wie Öl und Kohle zurück. Den gleichen Weg sollten auch private Anleger wählen und ihre Geldanlagen mit Blick auf Nachhaltigkeit ausrichten. Es gibt bereits viele Fonds, die gezielt in umweltfreundliche Unternehmen investieren.

Nachhaltige Geldanlagen werden immer beliebter

Das Forum Nachhaltiger Geldanlagen (FNG) bestätigt den Trend zur nachhaltigen Geldanlage und meldet Wachstumsraten von über 40 Prozent in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Viele Anleger seien allerdings verunsichert, was sie bei den sogenannten Nachhaltigkeitsfonds beachten müssten und welches Chancen-Risiko-Profil zu erwarten sei, so der Verband. Deshalb hat das FNG seinen Leitfaden für interessierte Anleger aktualisiert. Der Leitfaden liefert viele Informationen und Hinweise zum Thema Nachhaltigkeit in der Geldanlage.

Keine Nachteile bei der Rendite

Es gibt Studien, die zeigen, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht automatisch auf Kosten der Rendite gehen. Und bezogen auf das Risiko können umweltfreundliche Anlagen sogar besser dastehen, weil die Unternehmen zukunftsorientierter sind. Der zunehmende politische und gesellschaftliche Druck sowie die bessere Transparenz und Beratung wird dazu führen, dass immer mehr Anleger klimafreundlich investieren.

Quellen / Weiterlesen

Klimaschutz zahlt sich für Anleger aus | Capital
Nachhaltige Finanzierung: Der Finanzsektor als starker Akteur im Kampf gegen den Klimawandel | oekonews.at
FNG legt Leitfaden zum Einstieg in nachhaltige Kapitalanlagen neu auf | FondsDiscount.de
Bildquelle: Wikipedia – Von Zonki, CC BY-SA 3.0
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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