Windkraft soll uns sauberen Strom bringen, doch dagegen laufen Kritiker seit Jahren Sturm. Schattenwurf, krankmachender Infraschall, Vogelsterben und die Verschandelung der Landschaft sind beliebte Argumente gegen die Windräder. Die Anlagen stehen auch immer wieder im Verdacht, die Erderwärmung zu beschleunigen, statt sie aufzuhalten. Behalten die Windkraftgegner am Ende Recht?

Windräder und ihr Einfluss auf die Umgebungstemperatur

Eine Studie der Universität Harvard aus dem Jahr 2018 untersuchte anhand von Simulationen die Auswirkungen von Onshore-Windparks in den USA. Die Autoren Lee Miller und David Keith kamen zu dem Ergebnis, dass die Windenergie zwar Emissionen reduziert. Doch sie verursacht gleichzeitig klimatische Veränderungen in der Umgebung der Windparks. Die Forscher empfehlen deshalb, die Windkraft nicht unkritisch immer weiter auszubauen.

Konkret kam die Studie zu dem Schluss, dass Windräder die Oberflächentemperatur auf dem amerikanischen Kontinent um 0,24 Grad Celsius erwärmen könnten. Und zwar dann, wenn die USA ihren gesamten Strom aus Windkraft beziehen würden. Die Erderwärmung, die durch die komplette Umstellung auf emissionsfreien Strom verhindert wird, liegt dagegen nur bei 0,1 Grad Celsius. Das eingesparte CO2 durch die Windkraft würde sich erst in etwa 100 Jahren auszahlen, schreiben die Wissenschaftler.

Der Erwärmungseffekt entsteht, weil die Rotoren der Windräder erdnahe Luftschichten durchmischen und Wärme und Feuchtigkeit umverteilen. Sie reduzieren die Windgeschwindigkeit und entziehen der Atmosphäre Bewegungsenergie. Das kann zumindest regional zu Trockenheit und Dürren führen und Flora und Fauna beeinflussen. Inwieweit es auch globale Auswirkungen auf das Klima geben kann, ist noch nicht wissenschaftlich geklärt.

Die Wissenschaftler schließen aus den Ergebnissen, dass Windkraft – obwohl natürlich viel sauberer als Kohle und Gas – zumindest in Bezug auf die nächste Zukunft mehr negativen Einfluss auf das Klima hat als fossile Brennstoffe. Keith und Miller betonen aber, dass auf lange Sicht Windkraft enorme Vorteile gegenüber Kohle hat. Die Politik solle die Ergebnisse dennoch ernst nehmen und sich überlegen, welchen Anteil Wind an der Stromerzeugung haben soll, und eventuell mehr auf Solarenergie setzen.

Kritik an der Harvard-Studie

Allerdings gibt es bei den Erkenntnissen aus Harvard auch einige Einschränkungen. Die wichtigste ist wohl, dass eine Stromerzeugung in den USA nur aus Windkraft sehr unrealistisch ist. Zweitens hängt der Erwärmungseffekt stark von den regionalen Wetterbedingungen ab und auch davon, welche Windräder errichtet werden. Die Untersuchung bezieht sich zudem nur auf die USA und nur auf Zeiträume von unter einem Jahr.

Kritik an der Studie kam unter anderem von John Dabiri von der Stanford University. Dieser kritisierte die Berechnungsmethode: Die Simulationen verwendeten einen erhöhten Luftwiderstand auf der Erdoberfläche als Proxy für die Windturbinen. „Es ist weithin bekannt, dass diese Art der Modellierung einen schlechten Job macht, wenn es um die Modellierung der Luftströme um echte Windkraftanlagen geht“, so Dabiri. Er verweist auf frühere, seiner Meinung nach realistischere Simulationen. Diese hätten gezeigt, dass Windkraftanlagen nur geringe Temperaturveränderungen nahe der Erdoberfläche auslösten.

Trocknen Windkraftanlagen die Böden aus?

Es gibt jedoch auch andere Studien, die einen ähnlichen Effekt zeigen. Eine Untersuchung an der niederländischen Uni Wageningen hatte beispielsweise ergeben, dass große Windparks der Atmosphäre Feuchtigkeit entziehen, besonders im Sommer, wodurch sich der Boden zusätzlich erwärmt.

Die Internetseite sciencefiles.org veröffentlichte 2019 zwei Abbildungen, die ebenfalls einen solchen Zusammenhang nahelegen. Sie stellt den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und eine Standortkarte von Windparks vom Bundesamt für Naturschutz nebeneinander. Die Karte des Helmholtz-Zentrums stellt die Gebiete in Deutschland dar, wo die Böden am trockensten sind – je röter, desto trockener. Erstaunlicherweise sind die Böden genau dort am trockensten, wo die meisten Windkraftanlagen stehen.

Natürlich beweisen die Fotos erstmal keinen Zusammenhang, sie machen aber nachdenklich. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages erwähnt die Möglichkeit, Windräder könnten die Böden austrocknen, schon 2013 in der Publikation „Hinweise auf ökologische Folgeschäden von Windkraftanlagen“. Darin heißt es aber auch: „Vergleicht man allerdings die Auswirkungen von Windrädern mit anderen anthropogenen Eingriffen in die Landschaft, kann man feststellen, dass z.B. Hochhäuser, neue Siedlungen und größere Städte, vor allem aber auch konventionelle Kraftwerke, die viel Wärme in die Umgebung abstrahlen, das Mikroklima in ihrer Umgebung in der Regel wesentlich stärker beeinflussen werden.“

Wie dem auch sei, die Frage nach den Klimafolgen von Windkraft sollte man zumindest nicht aus den Augen verlieren. Das schreiben auch die Autoren der Harvard-Studie: Bei der Entscheidung, wie grüner Strom erzeugt wird, müsse man eben zwischen den verschiedenen Möglichkeiten abwägen. Solaranlagen beispielsweise verursachen nur ein Zehntel der Erwärmung, die Windparks verursachen.

Quellen / Weiterlesen

Climatic Impacts of Wind Power | Joule
Heizen Windräder die Klimaerwärmung an? | Zentrum der Gesundheit
Zum Gefahrenpotential von Ethylenoxid | Deutscher Bundestag
Kachelmann zweifelt an deutschem Hitzerekord – DWD hält daran fest | Welt
Windkraft und trockene Böden: Kommt zusammen, was zusammengehört? | ScienceFiles
Bildquelle: pxhere

5 KOMMENTARE

  1. Ich hatte vom gegenteiligen Effekt gehört: WKAs bremsen den Wind (etwas…), dadurch trocknen die Böden dahinter eher weniger aus.

    Ich wäre nicht überrascht, wenn sich diese Studie in die lange Reihe der Studien einfügt, die „dank“ geschickt gewählter Parameter genau das Gegenteil dessen aussagt, was Fakt ist. Wir alle haben noch die alte „Schwedenstudie“ im Kopf…

    Trockene Böden WEGEN WKAs? WKAs werden gerne auf Hügeln gebaut oder auf Sätteln. Und genau da ist es immer am trockensten. Komisch…

    Eine Karte mit WKAs vs trockene Böden ist genauso aussagekräftig wie eine Karte AKWs vs Leukämie. Da musste man später auch einräumen, dass diese Art von Leukämie eben in Flussniederungen gehäuft vorkommt. Und AKWs werden eben in Flussniederungen gebaut (Kühlwasser).

    Ich bin zwar immer sehr vorsichtig mit cui bonos, aber das riecht gewaltig nach den berüchtigten Koch-Brüdern. Und natürlich Exxon&Co…

  2. Bei solchen Studien frage ich mich immer: Wer hat sie in Auftrag gegeben? Denn leider ist es so, dass Studien keine wissenschaftliche gesicherte Wahrheit darstellen, sondern je nach Auftraggeber ein bestimmtes Ergebnis haben SOLLEN.
    In diesem Fall würde es mich nicht wundern, wenn die Auftraggeber aus der Solar-Branche gekommen wären …
    By the way: Die zitierte Studie stammt aus dem Jahr 2018. Hat es in 2 Jahren keine Stellungnahmen zu dieser Studie gegeben? Was ist der Grund, aktuell über diese Studie zu berichten? Sollte einfach was geschrieben werden?

  3. Schon die behauptete Größenordnung deutet auf Exxon & Koch. Unser derzeitiger Energieverbrauch dürfte die weltweite Temperatur – grob geschätzt – um 300K/5000 = 0,06K erhöhen. Für die USA und llokal natürlich mehr. Es ist offensichtlich, dass Windkraft weniger Wärme erzeugt, zumal ja die Energie der Luftbewegungen ohnehin irgendwo (hauptsächlich am Boden) abgegeben wird. Der austrocknende Effekt: lässt sich der denn auf der windabgewandten Seite von Windparks messtechnisch nachweisen?

  4. Leider kann ich meinen Kommentar nicht korrigieren. Neben Tippfehlern habe ich ja das Strahlungsgesetz noch vernachlässigt. Deshalb hier nochmal die ganze Rechnung: Die Strahlung der Sonne auf die Erde ist rund 10000x so hoch, wie der gesamte Verbrauch an Primärenergie. Rund die Hälfte wird absorbiert – > 5000. Strahlung ~T^4, Näherung für (1+x)^4 ist 1+4x. Also 300K/(5000*4) = 0,015K. Selbst wenn ich für die USA 10x mehr annehme, bin ich noch unter der angeblichen Erwärmung durch Windkraft. Damit erweist sich die Studie klar als Nonsens.

  5. Die eigentliche Frage ist doch:
    WO werden WKA hingebaut. Das sind doch i.d.R. landwirtschaftlich benachteiligte Gebiete. Und darunter sind auch solche, die eben für die Landwirtschaft nicht so einträglich sind. Wer also klärt erst einmal, ob WKA nicht aus diesen Gründen auf die besonders trockenen Böden gestellt wurden? Oder hat jemand ein vorher-hinterher untersucht, dass jeweils über mehrere Jahre betrachtet wurde?
    Also waren die Böden schon ohne/vor den WKA trockener als andere? Oder erst durch den (mehrjährigen) Betrieb von WKA, und das noch unabhängig von den weiterräumigen Trockenheitserscheinungen?

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here