Die Erde wird grüner, das zeigen Satellitenbilder. China und Indien tragen zu einem Drittel zur Begrünung der Erde bei, zeigt eine Studie. Etwas überraschend für die wissenschaftliche Welt ist der Grund für die Begrünung.

5,5 Millionen Quadratkilometer mehr Grünfläche

Dass die Erde grüner wird, lässt sich seit Jahrzehnten beobachten. Ein internationales Forscherteam, an dem auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beteiligt war, kam letztes Jahr zu dem Ergebnis, dass es heute 5,5 Millionen Quadratkilometer mehr Grünfläche gibt als im Jahr 2000. Neu ist die Erkenntnis, dass dabei die intensive Land- und Forstwirtschaft eine große Rolle spielt. Die Forscher und Forscherinnen werteten für ihre Untersuchung hochauflösende Satellitenbilder aus und veröffentlichten ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „Nature Sustainability“.

Nicht nur CO2 ist für die Begrünung verantwortlich

Bisher sei man davon ausgegangen, dass die Begrünung der Erde auf einen höheren CO2-Gehalt in der Atmosphäre zurückzuführen ist, sagte Dr. Richard Fuchs vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische in Garmisch-Partenkirchen, dem Campus Alpin des KIT. Denn CO2 regt das Pflanzenwachstum an, weil Pflanzen CO2 für die Photosynthese nutzen. Die Theorie war, dass dieser Effekt zu einem großen Teil für die Begrünung der Erde verantwortlich ist.

Allerdings wäre dann zu erwarten gewesen, dass dies rund um den Globus gleichmäßiger geschehe, sagte Fuchs. Die Satellitenbilder der Jahre 2000 bis 2017 zeigten jedoch, dass Gebiete wie Indien und China oder auch Europa, in denen intensive Land- und Forstwirtschaft betrieben wird, am auffallendsten grüner werden. Ein Drittel der Begrünung ist dabei in Indien und China zu verzeichnen. Überraschend, weil sich in diesen Ländern nur 9 Prozent der bewachsenen Landfläche der Welt befinden.

Das heißt, dass allein die bisherige Erklärung mit dem höheren CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu kurz greift. Die Produktion von Lebensmitteln, also Getreide, Obst und Gemüse, hat sich in Indien und China seit dem Jahr 2000 um mehr als 35 Prozent erhöht. Das liegt zu einen an mehr Ackerflächen, zum anderen an einer stärkeren Düngung und Bewässerung der Flächen. Das ermöglicht mehrere Ernten pro Jahr. Und China hat ein ehrgeiziges Programm zur Erhaltung und Aufforstung von Wäldern gestartet, um gegen Bodendegradation, Luftverschmutzung und den Klimawandel vorzugehen.

Die Studie legt nahe, dass diese Aktivitäten zu mindestens einem Drittel, wahrscheinlich noch mehr, für die stärkere Begrünung der Erde verantwortlich sind.

Die Abholzung der Regenwälder bleibt trotzdem ein Problem

In China tragen Wälder zu 42 Prozent und Ackerland zu 32 Prozent zur wachsenden Begrünung bei, in Indien dagegen sind es 82 Prozent Äcker und nur 4,4 Prozent Wälder. Allerdings kann diese Entwicklung nicht den negativen Effekt ausgleichen, den die Abholzung der tropischen Regenwälder verursacht. Denn jedes Jahr wird etwa die Hälfte des CO2, das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe der Abholzung der Regenwälder in die Atmosphäre gelangt, in den Weltmeeren und in den Pflanzen und Böden gespeichert. Insgesamt sind das etwa 5,5 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr.

Großflächige Baumpflanzungen, wie sie in China geschehen, können zwar den Treibhauseffekt abmildern. Dann wird mehr CO2 gespeichert, das dann nicht in die Atmosphäre gelangt. Intensive Landwirtschaft dagegen hat diesen Effekt nicht, denn der Kohlenstoff aus Getreide geht schnell wieder in die Atmosphäre zurück.

Besseres Verständnis für das Klimasystem

„Der Faktor Mensch ließ sich lange Jahre nicht erfassen, jetzt haben wir mehr Klarheit darüber, welchen bedeutenden Einfluss der Mensch durch seine starken Eingriffe in den Naturraum auf das Klima hat“, sagte Dr. Richard Fuchs vom KIT. Die Erkenntnisse, welchen Einfluss die Landnutzung des Menschen auf das Klima hat, können jetzt in Modelle einbezogen werden. Sie können dazu beitragen, die Prozesse des Klimasystems besser zu verstehen und werden auch in die die wissenschaftsbasierte Entscheidungsfindung der Politik einfließen. Einige der Studienautoren sind auch Autoren von Beiträgen in Berichten des Weltklimarats.

Quellen / Weiterlesen

One third of the world’s new vegetation is in India and China, data shows | Word Economic Forum
China und Indien Spitzenreiter beim Begrünen der Erde | KIT
China und Indien sind führend in der Begrünung der Erde | Max-Planck-Institut für Meteorologie
Human Activity in China and India Dominates the Greening of Earth, NASA Study Shows | NASA
China and India lead in greening of the world through land-use management | Nature Sustainability
Bildquelle: Pexels

1 KOMMENTAR

  1. „Großflächige Baumpflanzungen, wie sie in China geschehen, können zwar den Treibhauseffekt abmildern.“

    Aber auch nur in der Wachstumsphase. Werden die Bäume geerntet (ich nehme ja an, es sind eher Holzplantagen als Urwälder geplant), geht das CO2 gerade wieder in die Luft, sei es als Brennholz oder Pappe für die Milliarden von Versandverpackungen.

    Und selbst Ur- oder Regenwälder tun nichts für den langfristigen CO2-Abbau, sie bleiben neutral, da sie keinen Humus aufbauen. Das Einzige, was wirklich Kohlenstoff wirklich lange speichert, sind Moore.

    Natürlich ist auch der einmalige Effekt der Wiederanpflanzung ein guter Effekt, genauso wie das Abholzen einmalig ein schlechter Effekt ist.

    Auf Dauer hilft das aber nicht mit dem Anpflanzen, sonst müssten wir die Landfläche der Erde wohl dreimal mit Bäumen bepflanzen.

    Die anderen Wohltaten eines Waldes für Wasser- und Luftreinhaltung, Biodiversität usw. stehen natürlich auf einem anderen Blatt.

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