Shell läuft Gefahr, seine eigenen Ziele bei den Investitionen in erneuerbare Energien zu verfehlen. Vor zwei Jahren versprach der Ölkonzern, bis Ende 2020 zwischen 4 und 6 Milliarden Dollar in klimaneutrale Energieprojekte zu stecken. Das könnte knapp werden – und wirft damit die Frage auf, ob Ölkonzerne genug gegen den Klimawandel tun.

Seitdem Shell seine “New Energies“-Sparte im Jahr 2016 gegründet hat, hat der Konzern geschätzte 2 Milliarden Dollar in Projekte zur grünen Energie- und Stromerzeugung investiert. Damit liegt er noch weit hinter den angepeilten 4 bis 6 Milliarden bis Ende dieses Jahres. Eigentlich wollte Shell bis Ende 2019 schon bei mindestens 3 Milliarden liegen.

Shell will Investitionen in fossile Brennstoffe weiter erhöhen

Dagegen hat Shell seit 2016 über 120 Milliarden Dollar in neue Projekte mit fossilen Brennstoffen gesteckt. Der Konzern plant, diese Investitionen zu Beginn des neuen Jahrzehnts auf 30 Milliarden Dollar im Jahr zu steigern, berichtet die britische Tageszeitung „Guardian“. Ein Shell-Sprecher habe keinen Kommentar abgeben wollen.

Obwohl Shell nur einen Bruchteil seines Budgets in neue Energieformen steckt, gilt das Unternehmen in Sachen Klimaschutz in der Ölbranche als Vorreiter. Zahlen der norwegischen Unternehmensberatung Rystad Energy zeigen, dass die fünf größten europäischen Ölunternehmen – Shell, BP, Total, Eni and Equinor – zusammen bis heute nur 5,5 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investiert haben. Das Gesamtbudget dieser Firmen betrug allein 2019 fast 90 Milliarden.

Die Ölbranche muss mehr Verantwortung übernehmen

Stephen Kretzmann, Geschäftsführer von Oil Change International, kritisierte, dass Ölmanager ihre im Vergleich winzigen Investitionen in erneuerbare Energien an die große Glocke hängen, die Erderwärmung aber täglich immer weiter anheizen würden. Er sagte: „Es gab eine Zeit, in der manche der Meinung waren, es sei lobenswert, wenn eine Ölfirma auch nur einen kleinen Teil ihrer Mittel in erneuerbare Energien investiert. Weil wir uns besser fühlen, wenn wir denken, dass die Leute hinter diesen mächtigen Unternehmen es kapiert haben.“

Ölmanager unterstützen öffentlich die globalen Klimaziele. Doch die Branche investiert Schätzungen zufolge weiterhin nur 1 Prozent ihres Jahresbudgets in saubere Energien. Gleichzeitig produziert sie mehr fossile Energieträger, als es die Pariser Klimaziele eigentlich zulassen. Kretzmann fügte hinzu, das Problem seien nicht zu geringe Investitionen in Erneuerbare. Das Problem seien zu hohe Investitionen und die staatliche Förderung von fossilen Brennstoffen.

Shells grüne Investitionspläne wurden 2019 ausgebremst, als der Konzern nicht wie geplant den niederländischen Energieversorger Eneco kaufen konnte. Eneco hat ein großes Portfolio im Bereich erneuerbare Energien. Shell verlor gegen eine Gruppe von Investoren, die vom japanischen Autohersteller Mitsubishi angeführt wurden. Sie kauften Eneco für 4,5 Milliarden Dollar. Diese Niederlage könnte der Grund sein, warum Shell bisher hinter seinen Investitionszielen bleibt.

Quellen / Weiterlesen

Royal Dutch Shell may fail to reach green energy targets | The Guardian
Royal Dutch Shell wird selbst gesteckte Umwelt-Ziele wohl nicht erreichen | World News Monitor
Bildquelle: flickrJames Daisa
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

1 KOMMENTAR

  1. Wen wundert das wirklich? Vollmundige Ankündigungen kann jeder rauslassen. Siehe unsere Auto- und Kohlekanzlerin, die mehrfach ihre eigentlichen Klimaversprechungen gebrochen hat.

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