Schwimmende Solarmodule auf den Stauseen von Wasserkraftwerken können theoretisch fast die Hälfte des globalen Strombedarfs decken. Das hat das Forschungslabor National Renewable Energy Laboratory (NREL) in Colorado errechnet. Demnach liegt riesiges Potential in diesen Flächen, die bisher ungenutzt sind, denn die beiden Systeme ergänzen sich gut.

Die Untersuchung zeigt nur das rechnerische Potential

Weltweit könnten rein theoretisch Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 7,6 Terrawatt auf diesen Stauseen installiert werden, so die Forscher. Damit lassen sich jedes Jahr 10.600 Terawattstunden Solarstrom erzeugen. Der Strom, den die Wasserkraftwerke sowieso schon erzeugen, ist hier noch nicht eingerechnet. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 lag der weltweite Stromverbrauch bei rund 22.300 Terrawattstunden, also etwas mehr als doppelt so hoch.

Nathan Lee weist aber darauf hin, dass diese Zahlen nicht unbedingt das wiedergeben, was auch wirtschaftlich machbar wäre oder was der Markt tatsächlich unterstützt. „Es ist vielmehr eine Schätzung, was im besten Falle installiert werden könnte, wenn man die vorhandenen Wasserflächen und die Systemleistung betrachtet.“

Das NREL schätzt, dass weltweit 379.068 Süßwasserflächen existieren, die bereits Teil von Wasserkraftwerken sind und sich für schwimmende Solaranlagen eignen. Vorher ist allerdings immer eine Prüfung nötig, ob sich ein bestimmter Stausee wirklich eignet. Beispielsweise könnte ein Gewässer zu bestimmten Jahreszeiten austrocknen oder sich aus anderen Gründen nicht eignen.

Solarstrom und Wasserkraft können sich ergänzen

Wasserkraft mit Solarenergie zu kombinieren, hat einige Vorteile. Ein solches Hybridsystem würde Kosten sparen, weil die Infrastruktur für die Netzeinspeisung des Solarstroms schon vorhanden ist. Außerdem können sich Wasserkraft und Solarstrom sehr gut ergänzen. Solarmodule bringen den besten Ertrag in den Sommermonaten, während Regenmonate die besten Voraussetzungen für Wasserkraft bieten. Betreiber eines solchen hybriden Systems könnten auch Pumpspeicher-Wasserkraftwerke nutzen, um überschüssigen Solarstrom zu speichern.

Ungenutztes Potential

Bei allem Potential gibt es bisher kaum schwimmende Solarmodule in Kombination mit Wasserkraftwerken. Eins der wenigen Systeme befindet sich in Portugal. Da vielerorts aber zu wenige Flächen für Solarparks an Land vorhanden sind, wird diese Kombination zunehmend interessanter. Auch für die USA wären solche Systeme interessant, schreiben die Forscher. Sie schätzen, dass sich damit gut 10 Prozent des amerikanischen Stromverbrauchs decken lassen würden.

Quellen / Weiterlesen

Untapped Potential Exists for Blending Hydropower, Floating PV | NREL
Wasserkraft und Solarenergie: Eine Symbiose mit riesigem Potenzial | Erneuerbare Energien
Bildquelle: Pixabay

Prof. Dr. Johann Nagengast
Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.

1 KOMMENTAR

  1. Klingt ja ganz interessant, aber ich frage mich, warum die NREL-Forscher die weltweiten Stauseen gezählt, ihre Gesamtfläche ausgerechnet und dann die abenteuerliche Hochrechnung aufgestellt haben, diese Technik könne die Hälfte der weltweit benötigten Energie liefern.
    Besser hätten sie sich einen kleinen Stausee ausgesucht und dort ein Pilotprojekt auf die Beine gestellt, mit dem sie PRAKTISCH hätten zeigen können, wo Vor- und Nachteile von „Floating PV“ liegen.
    Nach dem genannten System in Portugal habe ich mal gegoogelt: Da die Ausschreibung für das Projekt am Alqueva Staudamm Ende November 2019 gestartet wurde, glaube ich nicht, dass da bis heute auch nur ein einziges schwimmendes PV-Modul arbeitet. Ich weiß es aber nicht. Auf Google Maps sind jedenfalls keinerlei PV-Strukturen erkennbar. Laut Aussage der Betreibergesellschaft EDIA soll die 50 MW-PV-Anlage hauptsächlich zum Betrieb der eigenen Pumpen genutzt werden. Also viel Rauch um recht wenig?

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