Japan hat im April seine Klimaziele neu festgelegt. Bis 2030 will Asiens ältestes Industrieland seinen Treibhausgas-Ausstoß um 46 Prozent senken, bisher waren 26 Prozent geplant. Erneuerbare sollen künftig bis zu 38 Prozent am Strommix haben. Ein Problem bleibt der Umgang mit der Kernenergie.

Lange Zeit lag Japan bei seinen Klimazielen und der Energiewende weit abgeschlagen hinten. Die Europäische Union senkte ihre Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2018 um 22,5 Prozent – in Japan waren es nur 2,5 Prozent. Der „Climate Action Tracker“ bewertete die Klimaschutzpolitik der Hightech-Nation deshalb fast so schlecht wie die der USA. Erst im September 2020 kündigte Japan an, seine Wirtschaft bis 2050 klimaneutral zu machen.

Problemfall Kernenergie

Jetzt will Japan auf Druck der USA aufholen. Der neue Energieplan des Industrieministeriums sieht deshalb ein deutlich höheres Ausbauziel für erneuerbare Energien vor. Im Jahr 2030 sollen sie 36 bis 38 Prozent Anteil an Japans Stromversorgung haben. Davor hatte das Ziel bei 22 bis 34 Prozent gelegen. Wasserstoff soll 1 Prozent beisteuern. Unverändert bleibt im Entwurf der Anteil der Kernenergie: Sie soll weiterhin 20 bis 22 Prozent des Stroms erzeugen.

Das ist ein Problem, denn die Katastrophe von Fukushima, die in Deutschland den Atomausstieg einleitete, hat auch in der japanischen Bevölkerung zu einer neuen Haltung gegenüber der Kernenergie geführt. Während vor dem Unfall dort 54 Reaktoren in Betrieb waren, sind es heute nur noch 9. Im Entwurf des Energieministeriums steht zwar nichts von neuen Reaktoren, aber auch nichts darüber, wie Anlagen ersetzt werden sollen. Vor Fukushima hatte Japan stark auf die Atomenergie als emissionsfreie Energiequelle gebaut – sie sollte sogar die Hälfte des gesamten Stroms liefern.

Zwischen Sicherheit und Klimaschutz

Derzeit hat Atomstrom mit den 9 aktiven Anlagen nur einen Anteil von 6 Prozent. Die Lücke geschlossen haben Öl, Kohle und Gas. Japan ist als Insel ohnehin stark auf Reservekraftwerke zur Sicherung der Versorgung angewiesen, denn das Land ist nicht wie Europa an ein internationales Stromnetz angebunden. In diesem Spagat zwischen Sicherheit und Erneuerung befindet sich die japanische Energiepolitik aktuell.

Japan muss den Anteil der Erneuerbaren verdoppeln

Geht man beim Atomstrom von einer Steigerung auf 20 bis 22 Prozent aus wie im Energieplan vorgeschlagen, könnte der Anteil an fossilem Strom auf 40 Prozent sinken. Die Erneuerbaren müssten dann allerdings auf 40 Prozent steigen. Auch die Stromnetze müssten ausgebaut werden, denn eine Analyse zeigte, dass die japanischen Netze heute nur maximal 40 Prozent verkraften können. Aktuell liegt der Anteil der Erneuerbaren bei etwa der Hälfte: Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) lieferten Sonne und Wind im Jahr 2020 insgesamt 21,7 Prozent des Stroms in Japan.

Quellen / Weiterlesen

Die neuen Emissionsziele zwingen Japan zum grossen klimapolitischen Sprung | Neue Züricher Zeitung
Energiewende auf Japanisch | Frankfurter Allgemeine
Bildquelle: Wikipedia – Qurren (talk), CC BY-SA 3.0

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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