Die Welt könnte bis 2050 vollständig aus erneuerbaren Energien versorgt werden, zu diesem Fazit kommt ein neuer Bericht der britischen Denkfabrik Carbon Tracker. Besonders Afrika hat das Zeug zur neuen Supermacht für Erneuerbare, denn der Kontinent verfügt über 39 Prozent des weltweiten Potenzials. Doch laut einer neuen Studie dürften fossile Brennstoffe bis 2030 dort weiter dominieren.

Ungenutztes Potenzial und viele Hindernisse

Der Aufbau einer flächendeckenden Stromversorgung ist eins der zentralen Anliegen in Afrika. Angesichts des Klimawandels ist es besonders wichtig, dass der Kontinent dabei auf erneuerbare Energiequellen setzt. Doch noch dominieren vor allem südlich der Sahara fossile Brennstoffe die Energieversorgung und den Aufbau der Infrastruktur. Das riesige Potenzial für Erneuerbare Energien ist noch weitgehend unerschlossen. Doch gerade sie bieten Afrika die Chance auf eine nachhaltige Entwicklung und die Möglichkeit, dem Klimawandel zu begegnen.

Damit saubere Energie in Afrika zur Hauptenergiequelle werden kann, müssen erst noch diverse Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Aktuell gibt es weder genug potenzielle Geldgeber noch genug tragfähige Projekte, es existieren Marktrisiken und oft fehlt eine adäquate und angemessene Gesetzgebung. Private Investoren müssen zudem hohe Kreditzinsen zahlen.

Wie Kenia die Erneuerbaren fördert

Ein Beispiel, wie das gehen könnte, ist Kenia. Das ostafrikanische Land ist führend beim Einsatz von Technologien für erneuerbare Energien in der Stromerzeugung, besonders im Bereich Geothermie. Im Großen Afrikanischen Grabenbruch hat die kenianische Regierung mehrere Anlagen zur Stromerzeugung mit Erdwärme errichtet. Kürzlich gingen in Kenia das Geothermie-Kraftwerk Olkaria V mit 158 Megawatt (MW) ans Netz, das Windkraftwerk Lake Turkana mit 310 MW sowie das Solarkraftwerk Garissa mit 54 MW.

Dieser Erfolg wurde vor allem möglich durch politische Reformen, die eine Beteiligung des privaten Sektors ermöglichten. Die kenianische Regierung schaffte finanzielle Anreize, indem sie die Zölle auf Importgüter für die Energieerzeugung strich. Der 2019 verabschiedete Energy Act legt außerdem Richtlinien zur Steuerung des Energiesektors fest. Unter anderem soll eine Einspeisevergütung dafür sorgen, dass mehr grüner Strom ins Netz eingespeist wird.

Diese Initiativen wollen grüne Energie in Afrika voranbringen

Die Agenda 2063 der Afrikanischen Union hat mehrere Initiativen gestartet, die sich für den Zugang Afrikas zu erneuerbaren Energien einsetzen. Die erste ist die Africa Renewable Energy Initiative. Sie wurde ins Leben gerufen, um das Potenzial an Erneuerbaren Energien schneller zu erschließen mit dem Ziel, auf dem Kontinent bis 2030 mindestens 300 Gigawatt an erneuerbaren Energien zusätzlich zu installieren.

Die zweite Initiative Africa Power Vision basiert auf dem „Programm für Infrastrukturentwicklung in Afrika“. Dieses Rahmenwerk soll Afrikas riesige Infrastrukturlücke in den Bereichen Transport, Energie und Wasser sowie Informations- und Kommunikationstechnologie schließen.

Die dritte Initiative wird unter dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen im Rahmen des Projekts „Low Emission and Climate Resilient Development“ („Emissionsarme und klimaresiliente Entwicklung“) durchgeführt. Sie konzentriert sich darauf, Institutionen für eine bessere Koordination von Aktivitäten zum Klimawandel zu stärken, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu erhöhen.

Kann Afrika diese Chance schnell genug nutzen?

Die allgemeine Erwartung ist, dass Afrika sein riesiges Potenzial für Erneuerbare im Zusammenspiel mit den weiter sinkenden Preisen nutzt und die Kapazitäten schnell ausbaut. Dem widerspricht allerdings eine neue Studie der Universität Oxford.

Die Autoren der Studie prognostizieren zwar, dass sich der Ausbau der Stromversorgung in Afrika bis 2030 verdoppeln wird. Allerdings gehen sie davon aus, dass fossile Brennstoffe den Energiemix weiterhin dominieren werden. Die Forscher haben über 2.500 Kraftwerke in Afrika und ihre Chancen auf eine erfolgreiche Inbetriebnahme analysiert. Sie kamen zu dem Schluss, dass der Anteil der Erneuerbaren im Jahr 2030 wahrscheinlich weniger als 10 Prozent betragen wird. „Es ist unwahrscheinlich, dass Afrikas Strom in diesem Jahrzehnt grün wird“, urteilen sie.

Forscher erwarten zwei Drittel fossile Brennstoffe im Jahr 2030

Die wirtschaftliche Entwicklung der afrikanischen Länder könnte zwar gerade vom Ausbau der Erneuerbaren Energien profitieren, so die Forscher. Der Strombedarf werde in den nächsten Jahren durch die zunehmende Industrialisierung erheblich steigen. Doch die Studie schätzt, dass der Anteil der fossilen Brennstoffe im Jahr 2030 immer noch zwei Drittel beträgt.

Weitere 18 Prozent stammen 2030 wahrscheinlich aus Wasserkraft. Was erstmal nach einer guten Nachricht klingt, bringt ganz eigene Herausforderungen mit sich. Der Klimawandel wird zunehmend Dürren verursachen, die sich negativ auf die Stromproduktion durch Wasserkraft auswirken werden.

Globale Klimaziele in Gefahr

Die Studie macht auch Vorschläge, wie Erneuerbare bessere Erfolgschancen in Afrika haben könnten: Etwa kleinere Projekte, eine angemessene Eigentümerstruktur sowie Entwicklungsfinanzierungen. Um die Erneuerbaren schnell voranzubringen, ist nach Ansicht der Autoren ein Schock für das bestehende System nötig, zum Beispiel Bau- und Planungsstopps von fossilen Kraftwerken. Die Autoren befürchten, dass Afrika sonst auf eine CO2-intensive Energiezukunft zusteuert und dadurch auch die globalen Klimaziele in Gefahr sind.

Entscheidungsträger und die Entwicklungsgemeinschaft müssten deshalb schnell handeln und die Entwicklungsfinanzierung sofort von fossilen Brennstoffen zu Erneuerbaren Energien umleiten, fordern die Autoren. Dann könnte der Kontinent kurzfristig Erfahrungen mit Solar- und Windkraft-Projekten sammeln und die nötige Lernkurve erfahren.

Quellen / Weiterlesen
Africa’s vast renewable energy ready to be tapped | China Daily
Afrikas Ausbau Erneuerbarer Energien ist in Gefahr | energie zukunft
“Der Himmel ist das Maß” | Solarify
Bildquelle: © Pixabay

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    Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

    2 KOMMENTARE

    1. Es wird wie immer ausgehen: Wir Reiche profitieren, für Afrika bleiben Brosamen übrig.

      Die großen Verträge werden wieder mit den korrupten Eliten geschlossen werden.

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